Basel

Strombosse denken radikal um

Von Michael Rockenbach. Aktualisiert am 26.08.2010 16 Kommentare

«Weg vom Öl!» fordern die Baselbieter Grünen – und erhalten dafür die Höchststrafe: Die Gegner nehmen ihre Initiative nicht einmal wirklich ernst. EBL-Direktor Urs Steiner und EBM-Direktor Hans Büttiker halten dies für einen grossen Fehler.

Weg vom Öl: Urs Steiner, Direktor der EBL (l.), und Hans Büttiker, Direktor der EBM, unterstützen die Initiative der Grünen.

Weg vom Öl: Urs Steiner, Direktor der EBL (l.), und Hans Büttiker, Direktor der EBM, unterstützen die Initiative der Grünen.

Umfrage

Bis jetzt galt die Initiative der Baselbieter Grünen als chancenlos. Nun wird sie von den beiden prominentesten Stromunternehmern im Kanton unterstützt. Begrüssen Sie dieses Engagement? «Weg vom Öl» – ist diese Forderung doch richtig?

Ja

 
39.9%

Nein

 
60.1%

704 Stimmen


Die Ziele seien unrealistisch, die Folgen unabsehbar, vor allem für die Autofahrer. Sie müssten mit Road Pricing, Fahrverboten und Strassensperren rechnen: Mit solchen Argumenten sprach sich die bürgerliche Mehrheit im Baselbieter Parlament klar gegen die Initiative «Weg vom Öl» der Grünen aus. Spätestens seit diesem Verdikt gilt das Begehren, das den erneuerbaren Energien im Baselbiet zum Durchbruch verhelfen will, auch an der Urne als chancenlos.

Im Hinblick auf die Abstimmung vom 26. September kündigt sich nicht einmal eine ernsthafte Debatte an. Doch das könnte sich nun ändern. Denn im Gespräch mit der BaZ äussern sich die Verantwortlichen der beiden wichtigsten Baselbieter Energiefirmen – Hans Büttiker, Direktor der Elektra Birseck Münchenstein (EBM), und Urs Steiner, Direktor der Elektra Baselland (EBL) – sehr positiv zur Initiative.

«Ressourcen nicht weiter gedankenlos verbrennen»

«Moralisch unterstütze ich die Initiative, weil die Reduktion des CO2-Ausstosses und damit der Klimaschutz ein sehr wichtiges Anliegen ist», sagt Büttiker, und Steiner ergänzt: «Ich unterstütze die Ziele der Initiative ganz klar, weil wir die fossilen Ressourcen nicht weiter so gedankenlos verbrennen können, als ob sie endlos vorhanden wären.»

Es sind dies Aussagen zweier Unternehmer und Fachleute, die auch politisch völlig unverdächtig sind: Büttiker politisiert für die FDP im Solothurner Kantonsrat, Steiner vertrat den Freisinn im Landrat. Bei der EBL hat Steiner die Förderung erneuerbarer Energien bereits in den vergangenen Jahren zum Geschäftsprogramm erhoben. Mit gewissen Sympathien für die Initiative konnte man bei ihm also rechnen. Aber bei Büttiker? Nie und nimmer! Für Linke und Grüne war er lange ein Buhmann, weil er eine EBM-Beteiligung an einem norddeutschen Kohlekraftwerk anstrebte und die Pläne erst nach heftigen Protesten aufgab. «Der eine oder andere wird in meiner moralischen Unterstützung für die Initiative nun vielleicht einen gewissen Widerspruch sehen», stellt Büttiker fest. Er selber hat – natürlich – eine ganz andere Sichtweise.

Das grosse Energie-Dilemma

Hans Büttiker weist die Kritik an seinem Unternehmen zurück und macht die Konsumenten für das grundlegende Dilemma in der Energiepolitik verantwortlich: Einerseits protestierten sie gegen unsaubere Energie und neue Projekte in diesem Bereich, andererseits verbrauchten sie immer mehr und erst noch möglichst günstige Energie. Das heisst: Energie aus nicht erneuerbaren Quellen.

Mit einem Ja zur Initiative wäre dieser «Widerspruch zwischen politischer Aussage und dem Griff zum Portemonnaie» (Büttiker) zwar noch nicht aus der Welt geschafft. Immerhin gäbe es in der Baselbieter Verfassung aber einen eindeutigen Auftrag, bis 2030 mindestens die Hälfte der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen zu schöpfen – ein Passus, der auch für den Verkehr gelten würde. Daher die Angst vor massiven Einschränkungen, die höchstens noch mit grossen technischen Fortschritten im Autobau verhindert werden könnten, wie die bürgerlichen Politiker im Landrat sagten.

Diese Haltung ist Urs Steiner zu ängstlich. «Man muss sich hohe Ziele setzen, auch wenn der Weg dorthin noch nicht ganz klar ist», sagt er. Wohin die Entwicklung führen müsse, sei jedenfalls klar; in Richtung Energieeffizienz und Minergie im Gebäudebau, in Richtung Umweltwärme, Biogas und Holz. Eine Entwicklung, die auch im Baselbiet anfangen kann, selbst wenn der Einfluss eines einzelnen Kantons tatsächlich begrenzt sei. «Aber man kann ja auch mal Vorbild sein», sagt Steiner: «Weitere Kantone und Gebiete werden folgen. Das ist nur noch eine Frage der Zeit.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.08.2010, 08:09 Uhr

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16 Kommentare

Urs P. Mueller-Moore

26.08.2010, 12:42 Uhr
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Bei uns hier in Venezuela kostet ein Tank (60 Liter, bleifrei) gerademal 85 CH-Rappen (fuenfundachzig Schweizer Rappen). Venezuela besitzt Erdoelvorkommen fuer 245 Jahre (zweihundertundfuenfundvierzig) und noch groessere Erdgasvorkommen. Wie soll ich da umdenken ?? Antworten


Eric Nussbaumer

26.08.2010, 13:27 Uhr
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Ich möchte einfach von den zwei Bossen wissen, was sie den exakt für eine Abstimmungsempfehlung geben. Dazu muss man wissen, dass der Gegenvorschlag konkrete und damit verbindliche Ziele ins Gesetz schreibt, während die Initiative nur ein unformulierter Vorschlag ist und der konkrete Gesetzestext noch parlamentarisch erarbeitet werden muss. Und mit der Verfassung hat das alles nichts zu tun. Antworten



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