Tamiflu landet im Sondermüll

Weil die Medikamente gegen die Schweinegrippe am Ende ihrer Haltbarkeit angekommen sind, müssen die beiden Basel grosse Mengen Tamiflu vernichten.

Unbrauchbar: Basel besitzt 12'545 Packungen mit 125'450 Pillen des Roche-Grippemittels Tamiflu, die abgelaufen sind.

Unbrauchbar: Basel besitzt 12'545 Packungen mit 125'450 Pillen des Roche-Grippemittels Tamiflu, die abgelaufen sind. Bild: Keystone

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Schwein gehabt, sagen die einen. Das war Panikmache, kontern die andern. Vor zwei Jahren hielt die Schweinegrippe auch die Region Basel in ihrem Bann. Angesichts einer angeblich drohenden Pandemie legten die Kantone Lager des Grippemittels Tamiflu an. Der Bund seinerseits besorgte für die Kantone Impfstoff in rauen Mengen; allein 40'000 Dosen für den Kanton Basel-Stadt. Jetzt ist das Verfalldatum für den Impfstoff überschritten. Und auch Tamiflu wird in absehbarer Zeit entsorgt werden müssen.

Der Kanton Basel-Stadt habe sich damals schätzungsweise 14'000 Packungen Tamiflu beschafft, sagt Philipp Waibel, Leiter der Gesundheitsdienste in Basel. Aktuell seien noch 12'545 Packungen eingelagert. Finanziert habe diese Medikamente zum grössten Teil das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt. Jede Packung kostete laut Philipp Waibel beim Einkauf 40 Franken. Somit lagert der Kanton Basel-Stadt Tamiflu im Wert von insgesamt 501'800 Franken. Das Grippemedikament wird in der Spitalpharmazie des Universitätsspitals aufbewahrt.

Zurückhaltender eingekauft hat der Kanton Baselland, obwohl er mehr Einwohner zählt als Basel-Stadt. Eine eigens für die BaZ vorgenommene aktuelle Zählung hat ein Lager von tausend Packungen ergeben. Dies sei die Kantonsreserve, sagt Andreas Luginbühl, stellvertretender Kantonsapotheker und Leiter der Spitalapotheke des Kantonsspitals Liestal. Aufbewahrt werden sie im Kantonsspital Liestal. Zusätzlich verfügen die Spitäler laut Luginbühl über jeweils 500 eigene Packungen.

Die Packungen der Baselbieter Kantonsreserve verfallen in ein paar Tagen, und zwar Ende August. Laut Luginbühl liegt aber ein Schreiben der Herstellerfirma Roche vor, welches die Laufzeit für die Verwendung im Pandemiefall – nicht jedoch für die Verwendung bei einer saisonalen Grippe – bis Ende August 2013 verlängert. Auch bei den Reserven der Kantonsspitäler müsse man aktuell noch nichts unternehmen. Allerdings dürfe auch hier ein Teil der Vorräte nur noch im Pandemiefall (bei einer länder- und kontinenteübergreifenden Ausbreitung der Krankheit) verwendet werden. In Basel rechnet man laut Waibel damit, dass bis Ende 2012 alle gelagerten Packungen entsorgt sein werden. Die Haltbarkeit sei bereits um zwei Jahre bis zu diesem Zeitpunkt verlängert worden, ebenfalls nur bei einer Pandemie. Eine weitere Verlängerung sei unwahrscheinlich. Darum werden die Tamiflu-Vorräte in absehbarer Zeit wohl im Sondermüllofen in Kleinhüningen verbrannt werden.

Millionenwerte werden vernichtet

Mit dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe ist dies bereits passiert. Allerdings wurden hier nicht die Kantone zur Kasse gebeten. «Dafür kam der Bund auf», betont Waibel. Laut Thomas Steffen, Basler Kantonsarzt, hat der Bund in diesem Jahr rund 3,4 Millionen Impfdosen gegen die Influenza A H1N1 (im Volksmund Schweinegrippe genannt) vernichtet. Ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG) bestätigt diese Angaben auf Anfrage der BaZ.

Über den Wert des vernichteten Impfstoffs kann das Bundesamt keine Angaben machen, da ein Teil davon aus Impfdosen gegen die Vogelgrippe hergestellt worden sei. Doch ein Vergleich mit Deutschland macht deutlich, dass Millionenwerte im Sondermüllofen vernichtet werden mussten. Gemäss einem Bericht der ARD belaufen sich in Deutschland die Gesamtkosten für 34 Millionen Impfdosen auf 245 Millionen Euro.

Ein Projekt mit 3,4 Millionen Dosen hätte somit in Deutschland rund 24,5 Millionen Euro gekostet. Auch wenn darin neben den Herstellungskosten noch weitere Positionen enthalten sind: Nach damaligem Wechselkurs hätten die Deutschen für ein Impfprojekt in der Schweizer Grössenordnung rund 36 Millionen Schweizer Franken aufwerfen müssen. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 17.08.2011, 07:32 Uhr)

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