Basel

Teuflischer Ritt über Berg, Joch, Sattel

Von David Thommen. Aktualisiert am 28.05.2010 1 Kommentar

Der Jura ist das perfekte Velogebiet: Nie anspruchslos und immer abwechslungsreich. Unser Weg führt uns übers Benkerjoch. Und zum Schluss steht der elende Chilchzimmersattel im Weg. Uff!

Alles im Rahmen: Das Benkerjoch bereitet von der Nordseite her kaum grössere Probleme.

Alles im Rahmen: Das Benkerjoch bereitet von der Nordseite her kaum grössere Probleme.
Bild: David Thommen

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Es ist wieder Zeit für «rausgehen» in der BaZ – wir beginnen mit einer nicht ganz leichten Velotour: Der Start ist in Sissach, dem idealen Ausgangsort für so manche Juratour. Gute Verpflegung ist das A und O, soll es eine Fahrt ohne Qualen werden. Unser Rezept: Schwarzer Reis mit reichlich gezuckerter Kondensmilch aus der Tube. Und das zum Zmorge! Das Rezept ist aus Asien. Was wir verdrängen: Asien hat noch keinen einzigen grossen Velofahrer hervorgebracht. Das wird uns erst Stunden später, in den letzten Kehren, in den Sinn kommen.

Die ersten Kilometer hoch durchs Ergolztal sind langweilig, aber gut zum Einrollen. Eingangs Rothenfluh verlassen wir mit angewärmten Muskeln die breite Strasse. Hier wartet das erste Hindernis des Tages, der Wittnauer-Berg. Die Stras­se schlängelt sich zuerst sanft durchs liebliche Tal, dann wird es plötzlich ruppig. Bereits bei der ersten Haarnadel brennen die Oberschenkel. Bis zum Kulminationspunkt auf der Grenze zum Kanton Aargau bleibt es steil. Allzu lange muss man aber nicht kämpfen, der Wittnauer-Berg ist halt doch nur ein besserer Hügel. Und wir werden mit einer kurvenreichen Abfahrt durch lichten Wald nach Wittnau belohnt.

Mit Überschall

Nach diesem langezogenen Aargauer Dorf biegen wir rechts ab und kommen nach Wölfinswil und Oberhof. Hier beginnt der Anstieg zum Benkerjoch. Das Ziel liegt auf 675 Metern über Meer. Sicher, das ist nicht die Alpe d’Huez. Früher allerdings wurden die Teilnehmer der Züri Metzgete von der Südseite her über diesen Pass gejagt, bei Steigungsprozenten von 16 Prozent kein Zuckerschlecken. Wir aber erklimmen den Berg von der Nordseite her, was einfacher ist. Die Landschaft ist prächtig. Nur die Motorradfahrer stören die Ruhe. Tolle Sportler, wie sie mit Überschall durch die Kurven fetzen, denkt man, während man mit allem Keuchen nicht mehr als 9 Kilometer pro Stunde auf den Tacho kriegt.

Oben angekommen, rasten wir kurz. Ein Bergrestaurant wie auf der nahen Saalhöhe gibt es hier nicht. Die Abfahrt vom Benkerjoch ist im oberen Teil kein Vergnügen. Arme und Nacken vertragen die Bremserei im Steilhang nicht be­sonders gut. Später kann man es aber sausen lassen, hier erreichen auch wir Überschall auf unseren dünnen Pneus. Oder wenigstens 60 bis 70 Stundenkilometer.

Teufelsschlucht

Unten in Küttigen, in der Nähe des Wohnhauses des Velohelden Steffen Wesemann, zweigen wir bei einem Brunnen Richtung Erlinsbach ab. Damit handeln wir uns zwar eine neue Steigung ein, die nun schon ganz schön schmerzt. Auf der Alternativroute hinunter nach Aarau hätte es aber mehr Verkehr gehabt. In Richtung Niedergösgen und Winznau führt die Route nun der Aare entlang; die Fahrt ist ruhig, die Strasse gut. Wer jetzt schon seine Beine spürt, könnte hier abzukürzen. Der Weg würde über die Schafmatt (steil) zurück ins Baselbiet führen. Später, in Olten, könnte man den bequemeren Weg über den Unteren Hauenstein nehmen.

Über die folgenden Kilometer (durch Olten bis Hägendorf) gibt es wenig zu berichten. Ab dem Kreisel in Hägendorf wird die Fahrt dann wieder toll. Und sehr, sehr anstrengend: Die Strasse (Wegweiser Langenbruck) führt in mehreren Kehren hinauf in die wunderbar lauschige Teufelsschlucht und dann hoch ins Wanderparadies Bärenwil.

Pasta und Reis

Oben angekommen könnte man jauchzen, so schön ist es, und so entschliessen wir uns, hier die grosse Pause einzulegen. Im «Chilchli»-Garten ordern wir eine Rösti. Wir brauchen neue Energie, denn das höchste Hindernis des Tages steht uns noch bevor. Nach der Abfahrt nach Langenbruck folgt der Anstieg zum Chilchzimmersattel knapp unterhalb der Belchenfluh. Hier ist er, der König aller Baselbieter Pässe, das schönste Ziel, das man als Velofahrer weit und breit finden kann.

Von der Südseite her führt der Weg vorbei am wunderbaren Kloster Schönthal. Der Weg bis auf die Passhöhe ist zwar nur wenige Kilometer lang, aber gnaden- und humorlos steil. Zittrig kommen wir auf 991?m ü. M. an, mächtig erschöpft und mit leeren Beinen. Jetzt denken wir an die Asiaten mit ihrem Reis. Das nächste Mal halten wir uns an die Italiener, die sind gut auf dem Rennvelo, und die essen Pasta. Vielleicht aber würden vor einer solchen Tour auch ein paar Trainingskilometer mehr nicht schaden. Nach fünfeinhalb Stunden und 75 Kilometern sind wir zurück. hiess.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 28.05.2010, 04:06 Uhr

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1 Kommentar

Marcel Oehler

29.05.2010, 17:01 Uhr
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Ein sehr schöner Bericht. Danke. Die Schönheit des Velofahrens im Jura habe ich in den letzten Jahren auch er-fahren. Sehr zu empfehlen ist auch die Runde Liestal-Gempen-Bretzwil-Reigoldswil-Waldenburg-Hauenstein-Chilchzimmersattel-Läufelfingen-Wiesen-Anwil-Sissach-Liestal. Antworten



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