Basel
Treffen von vier Millionen Bergfinken
Von Franziska Laur. Aktualisiert am 26.01.2010 5 Kommentare
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Bei Laufenburg geht die Reise über die neue Brücke und bei Albbruck hoch in den Hotzenwald. Trutzig stehen links und rechts der kurvenreichen Strasse Fichten, da und dort führt ein idyllischer Weg durch Buchenwälder. Zum Schluss der halbstündigen Fahrt tut sich der Wald auf – und mitten in der Einsamkeit steht eine Flotte parkierter Autos. Vogelfreunde aus Süddeutschland und der Nordwestschweiz harren in eisiger Kälte geduldig aus.
Sie warten auf das Spektakel, wenn Schwärme von Bergfinken eine halbe Stunde vor dem Eindunkeln zum Übernachten anfliegen. Schon vor fünf Uhr haben sich die Vogelfreunde im Lindauertal versammelt, zücken Feldstecher, halten Kameras bereit und suchen spähend den Horizont ab. Noch liegt der Fichtenwald ruhig da, nur das Lachen der wartenden Kinder durchbricht hie und da die Stille. Dann tauchen am Horizont die ersten Schwärme auf.
Ein rares Naturschauspiel
In eleganter Formation zischen sie über die Köpfe der Vogelfreunde hinweg. Kleine Schwärme zunächst, dann folgen grössere. Und plötzlich sind alle da: Millionen von Bergfinken verwandeln das stille Tal in einen Hexenkessel. Sie trillern und pfeifen, sie schiessen wie kleine Pfeile hoch über den Köpfen der Wartenden hin und her – tosendes Rauschen von Millionen kleinen Flügeln schlägt ans Ohr, ein durchdringender Geruch dringt in die Nase, gelbe Flecken von Kot färben den Schnee.
Seit Wochen übernachten die Bergfinken im Lindauertal oberhalb von Rotzingen im Hotzenwald. «Ein seltenes Schauspiel – so etwas sieht man nur etwa alle vier Jahre», sagt Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach. Die kleinen Gäste kommen aus Skandinavien und Russland und überwintern in unseren Breitengraden. Sie ernähren sich von Bucheckern – und diese gibt es zurzeit im Hotzenwald in rauen Mengen. Allerdings schätzen die Bergfinken auch den Aargauer Jura. Wie Matthias Kestenholz sagt, gab es in der Nordwestschweiz in den 90er-Jahren dieses Phänomen gleich drei Mal im Fricktal zu sehen.
Tagsüber sind die Bergfinken in kleinen bis mittleren Formationen in einem Umkreis von 50 Kilometern auf Nahrungssuche, abends treffen sich die Millionen von Vögeln, um gemeinsam im windgeschützten Lindauertal zu übernachten. Ende Dezember gingen Vogelkundler von einem einige Tage dauernden Spektakel aus – nun sind die Gäste immer noch da. Doch sie können auch auf einen Schlag wieder weg sein. «Wenn die Gegend leer gefressen ist oder wenn der Schnee zu hoch liegt, ziehen sie weiter», so Kestenholz. Häufig seien sie dann als kleinere Schwärme unterwegs und würden nicht mehr zu Millionen zusammen nächtigen. Im März ziehen sie wieder in ihre Heimat im Norden zurück.
Schutz vor Kälte und Feinden
Während des Wartens wird klar, weshalb die Vögel sich das Lindauertal als Schlafplatz ausgesucht haben – wegen der windgeschützten Lage und des ausgedehnten Fichtenbestands. In diesen Bäumen sind die Vögel vor der Kälte und vor ihren Feinden sicher. Denn Feinde gibt es viele – Sperber und Wanderfalken, die auf geschwächte Finken aus sind.
Doch können die Millionen von Bergfinken dem Wald nicht auch schaden? Friedbert Zopf, stellvertretender Leiter des Kreisforstamts Waldshut, sagt: «Das ist kein Problem. Die Natur reguliert das.» Alle paar Jahre gebe es ein besonders reichhaltiges Bucheckernjahr und dies sei jetzt der Fall. Sie reichen gut für die Millionen von Bergfinken. «Die Vögel können aus dem Vollen schöpfen», so Zopf. Die Zuschauer schauen immer noch fasziniert in die Höhe. Noch mehr Schweizer sind mittlerweile angekommen. Einige haben den Auftakt verpasst, denn der Weg ist nicht leicht zu finden. Die Schwärme fliegen in Wellen zwischen den Bäumen hindurch: elegant und sehr schnell. Doch langsam setzen sie sich zur Ruhe, nur noch das tosende Piepsen tönt aus dem dichten Fichtenwald. Wenn sich die Nacht über die Bäume gesenkt hat, ist das Spektakel vorbei.
(Basler Zeitung)Erstellt: 26.01.2010, 14:21 Uhr
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5 Kommentare
Am Samstag (30.1.10), gegen 16:30 Uhr beobachteten wir während mindestens 15 Minuten einen enormen, ununterbrochenen Schwarm von Bergfinken. Alle flogen von Ettingen richtung Aesch. Es war äusserst beeindruckend so viele Vögel zu sehen und zu hören. Auch die Flugkünste waren sehr toll anzusehen. Es sah aus wie ein Schwarm von Fischen im Meer. Antworten
Ich habe dieses Spektakel Ende 70 er Jahre bei Liestal/BL erlebt. Es ist sehr beeindruckend das hautnah zu sehen und ich kann allen die in der Nähe wohnen, empfehlen dem einmal beizuwohnen. Nehmen Sie aber besser einen Schirm mit wenn Sie unter den Bäumen stehen die sie sich als Schlafplätze aussuchen. (Kot-Gefahr) Vor ca. 4 Wo.Habe ich auch einen Schwarm gesehen allerdings viel viel kleiner. Antworten
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Günter Dinzen
Gestern, am Karnevalsonntag (kein Karnevalscherz!), gegen 10Uhr, tauchte an unserem Vogelfutterplatz ein, bis dahin nie gesehener, sehr schöner Vogel auf. Ich schaute sofort in meinem schlauen Vogelbuch nach und fand heraus, dass es sich nur um einen Bergfink handeln konnte. Am Nachmittag tauchte ein zweites Exemplar auf. Auch heute am Montag waren sie wieder mehrmals hier, und das in der Stadt. Antworten