Basel

Vogelwarte warnt vor Windrädern im Baselbiet

Von Daniel Ballmer. Aktualisiert am 01.10.2012 31 Kommentare

Vor kurzem hat die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion geeignete Standorte für Windkraftwerke präsentiert. Nun meldet sich die Vogelwarte Sempach warnend zu Wort – und schlägt eine Lösung vor.

Stehen Windräder zu weit auseinander, können sie für den Rotmilan gefährlich werden.

Stehen Windräder zu weit auseinander, können sie für den Rotmilan gefährlich werden.
Bild: Christian Gelpke

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Nur wenige Tage sind ver­gangen, seit Bau- und Umweltschutz­direktorin Sabine Pegoraro einen Standortkataster für Windkraftwerke im Baselbiet präsentiert hat. Und bereits reicht die Vogelwarte Sempach eine Studie nach. Demnach gehören Greifvögel zu den häufigsten Opfern von Windenergieanlagen. Gemäss der neuen Studie ziehen sich die grossen Vögel aber seltener tödliche Verletzungen zu, wenn Windräder in Windparks gruppiert werden.

Um den Einfluss von Windrädern auf die Greifvogelpopulation zu kennen, führte die Schweizerische Vogelwarte Sempacheine Computersimula­tion durch. Diese basiert auf einer Rot­milan-Population, die jährlich um fünf Prozent wächst. Auf einer virtuellen Landschaftsfläche von 100 auf 100 Kilometern wurden 250 Rotmilan-Horste platziert. Zusätzlich wurden 50 Windanlagen auf die virtuelle Fläche verteilt.

Da der Rotmilan nur in Europa brütet und die Schweiz eines der wenigen Länder ist, in denen sein Bestand zunimmt, trage sie eine internationale Verantwortung für die Erhaltung des Rotmilans, sagt Studienleiter Michael Schaub.

Nur wenige Standorte

Nun zeigt die Studie: Werden Windräder in einem Windpark an einem Ort gruppiert aufgebaut, so wird das Wachstum der simulierten Rotmilan-Popula­tion nur wenig gebremst. Ganz anders sieht es aus, wenn dieselben Windräder einzeln aufgestellt und über eine grössere Fläche verteilt werden: In diesem Fall nahm die Rotmilan-Population sogar ab.

Die Schweizerische Vogelwarte schlägt deshalb in ihrer Studie vor, Windräder generell an möglichst wenigen Standorten aufzustellen. Und: um zu beurteilen, inwiefern eine neue Anlage für eine Greifvogelpopulation eine Gefährdung darstelle, erfordere es eine über­regionale Planung bei neu zu bauenden Windrädern. Damit ändere sich nur die räumliche Anordnung der Anlagen. Die Stromproduktion bleibe konstant.

Die Baselbieter Baudirektion präsentiert in ihrem Kataster nun 15 ­mög­liche Windparks. Die Schwerpunkte liegen etwa auf dem Oberbaselbieter Jurakamm, im Gebiet Laufental/ Blauen, aber auch auf den Höhenzügen zwischen Münchenstein und dem Ergolztal sowie in der Muttenzer Hard. Insgesamt rund 100 Turbinen sollen im besten Fall in den windreichen Gebieten 500 Gigawattstunden Strom produzieren. Damit würden die Ziele des Bundes, der für die Schweiz bis ins Jahr 2050 sieben Prozent des Strombedarfs aus Windkraft decken will, bei Weitem über­troffen. Noch ist allerdings völlig offen, ob und welche Windkraftwerke im ­Baselbiet dereinst realisiert werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.10.2012, 16:05 Uhr

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31 Kommentare

Bernhard Folda

01.10.2012, 19:15 Uhr
Melden 37 Empfehlung 9

Der Schutz der Greifvögel, also auch der Rotmilane, ist bei Planung und Erstellung von Windparkanlagen ein unabdingbar wesentlicher Aspekt. Wenn wir schon auf alternative Energien umsteigen, sollten wir nicht der unglaublichen Ignoranz von Bundesrat und Parlament folgen, die das nur mit der Zerstörung der Natur zu realisieren vor haben! Ein Umstieg muss nachhaltig sein - ohne Wenn und Aber! Antworten


Jürg Stähli

01.10.2012, 18:46 Uhr
Melden 27 Empfehlung 13

Ich bin sicher, dass diese Diskussion am Ziel vorbeigeht, andere Lösungen wurden bisher negiert. Wie wäre es z.B. mit einem Gitter um die Rotoren, wie bei einem durchschnittlichen Ventilator. Mit dieser Methode wurden meines Wissens in Kalifornien gute Erfahrungen gemacht.
Also: nicht einfach gegen Windkraft schimpfen, sondern innovativ weiterdenken!
Antworten



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