Basel
WM-Startspiel vor leeren Rängen
Von Alan Cassidy. Aktualisiert am 12.06.2010 20 Kommentare
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Die Szene hatte Symbolkraft. Auf der Bühne unterhalb der Grossleinwand stand kurz vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels der südafrikanische Konsul für die Schweiz, Solomon Tshivhula. Eben hatte er ins Mikrofon gesagt, wie wichtig die Weltmeisterschaft für sein Land sei. Nun sollte Tshivhula auf der Bühne mit einem Schuss auf ein kleines Tor die WM-Übertragung in der Region anstossen. Der Konsul legte sich feierlich den Fussball zurecht – und schoss aus wenigen Metern daneben.
Der Auftritt des Diplomaten war Teil des umfangreichen Rahmenprogramms, das die Organisatoren des Public Viewing auf der Pferderennbahn Schänzli in Muttenz auf die Beine gestellt hatten. Vorgesehen war, dass auch der südafrikanische Botschafter dabei sein sollte. Dieser sagte seinen Besuch jedoch wegen einer Einladung an den Fifa-Hauptsitz in Zürich kurzfristig ab. Vor Ort waren dafür die amtierende Miss Schweiz, Linda Fäh, und der Laufner Italo-Barde Piero Esteriore. Er hatte eigens für das Schänzli eine WM-Hymne komponiert.
Fans aus Südafrika
Gehört wurde Esteriores Lied nur von wenigen: Bei seinem Auftritt am Nachmittag spielte der Sänger vor leeren Rängen. Nur gerade fünfzig Personen waren es, die der Eröffnungsfeier beiwohnten. Gegen Ende des Spiels zwischen Südafrika und Mexiko dürften es rund hundert Fans gewesen sein – was immer noch weit unter den Erwartungen der Organisatoren lag. 1500 Gratistickets hatten diese für das Freitagsprogramm abgegeben. Bei den Fans, die sich dennoch im Schänzli eingefunden hatten, waren die Sympathien klar verteilt: Gejubelt wurde dann, wenn der Ball für die afrikanische Heimmannschaft lief.
Zum ersten Mal in der Schweiz waren die Brüder Clive (15) und Oliver (16) aus Johannesburg, die vor wenigen Tagen nach Bern kamen, wo sie ihre Familie besuchen. Sie waren sich sicher: Ihre Mannschaft wird es dank der Fussballeuphorie in der Heimat bis mindestens in die Achtelfinals schaffen. Auch die meisten Schweizer Fans, die sich das Spiel auf dem Holzschnitzelplatz oder der Tribüne ansahen, drückten die Daumen für das Team in den gelben Trikots. Jacqueline Kessler kam mit ihrem Mann aus dem luzernischen Schüpfheim ins Schänzli, weil sie die Südafrikaner «einfach sympathisch» findet: «Diese Lebensfreude, diese Begeisterung – von diesen Leuten können wir viel lernen.»
«Die Sache muss sich erst herumsprechen»
Beim Abendspiel zwischen Uruguay und Frankreich blieb das Schänzli ebenfalls leer. Maikel Sins, Produktionsmanager der RS Electronic AG, die das Public Viewing zusammen mit Basel United organisiert, war enttäuscht über den geringen Publikumsaufmarsch. Zu einem Teil sei dieser allerdings zu erwarten gewesen: «Für die meisten Leute war der Freitag ein normaler Arbeitstag.» Bauchschmerzen habe er nicht. «Die Sache muss erst anlaufen und sich herumsprechen», sagte Sins. Die Voraussetzungen für einen Erfolg seien gegeben: Die Sicht auf die Leinwand sei toll, das kulinarische Angebot gross, die Eintrittspreise für Erwachsene mit acht Franken für einen Stehplatz moderat.
Gerade Letzteres war beim hochdefizitären 9. EM-Stadion in Bubendorf noch anders. Und doch müssen die Organisatoren jetzt bangen, dass ihr Projekt nicht dasselbe Schicksal erleidet. (Basler Zeitung)
Erstellt: 12.06.2010, 02:04 Uhr
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20 Kommentare
Da bahnt sich der nächste Flop an - wie schon im 9. Stadion in Bubendorf bei der EM 08 und jetzt bei der TdS-Ankunft in Liestal. Tragisch nur, dass dabei auch immer wieder Steuergelder zum Fenster rausgeworfen werden! Tröstlich: Die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Dann gilt's wie beim Telefonieren: Falsch gewählt, sofort unfähige selbstdarstellende Politiker/Volksvertreter aufhängen! Antworten
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