Basel

Warten in Flüh, weil alle auf Bern warten

Von Peter de Marchi. Aktualisiert am 17.09.2011 30 Kommentare

Ab Dezember verschlechtert sich der Tramtakt zwischen Ettingen und Rodersdorf. Schuld sind die regionalen Politiker, die den Doppelspurausbau der Linie 10 verschlafen haben.

Einspur bleibt. In Witterswil im Leimental kreuzt nur selten ein Tram die Strasse. Bis Ettingen hingegen fährt der Zehner ab Dezember so häufig wie ein Tram in der Stadt.

Einspur bleibt. In Witterswil im Leimental kreuzt nur selten ein Tram die Strasse. Bis Ettingen hingegen fährt der Zehner ab Dezember so häufig wie ein Tram in der Stadt.
Bild: Mischa Christen

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Endstation Ettingen. Der Tramchauffeur hat Pause, trinkt einen Kaffee, vertritt sich kurz die Beine und fährt wieder los – zurück in Richtung Basel. Die Fahrgäste bis nach Rodersdorf hinten stehen sich beim Warten derweilen die Füsse in den Bauch; sie müssen auf den nächsten 10er warten, nur jedes zweite Tram kann weiter ins Hintere Leimental fahren.

Am 11. Dezember verkürzt die BLT den Takt auf der Linie 10 von zehn auf siebeneinhalb Minuten. Paradox aber wahr: Zum Ärger aller Fahrgäste zwischen den Haltestellen Sonnenrain und Rodersdorf verschlechtert sich der Takt für sie. Während beispielsweise in Oberwil künftig alle siebeneinhalb Minuten ein Tram hält, müssen die Witterswiler nach der Taktverdichtung 15 Minuten warten, statt wie heute noch zehn Minuten. Grund: Nach Ettingen ist die Linie 10 noch nicht auf Doppelspur ausgebaut, die Trams kommen im Siebeneinhalb-Minuten-Takt auf nur einem Gleis nicht mehr aneinander vorbei.

Dabei wäre alles bereit für den Doppelspurausbau, wie BLT-Chef Andreas Büttiker sagt: Die Besitzverhältnisse mit den Landeigentümern sind geklärt, der Bund hat die Baubewilligung erteilt, die Vorlage an den Landrat liegt seit einem Jahr auf der Bau- und Umweltschutzdirektion. 28 Millionen Franken würde der Doppelspurausbau kosten, 17 Millionen davon müssen bis 2015 so oder so in die Sanierung der Gleise gesteckt werden, bleiben also 11 Millionen, die der eigentliche Doppelspurausbau kostet, davon übernimmt der Bund 30 Prozent. Gerade mal 8 Millionen würde der Ausbau die beiden Kantone Baselland und Solothurn noch kosten, rechnet Büttiker vor.

Hinterher Jammerbriefe schreiben

Markus Meisinger, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr auf dem kantonalen Amt für Raumplanung, kann nicht genau abschätzen, wann mit dem Doppelspurausbau begonnen wird. Vielleicht 2013, vielleicht erst 2014. Alles hänge vom Bund ab. Bis 2012 sei bereits alles Geld verbraucht, das von Bern aus in den öffentlichen Verkehr in die Kantone fliesst. Das neue Paket für die Jahre 2013 bis 2016 werde erst noch geschnürt. Das Geld für den Doppelspurausbau sei noch nicht gesprochen. «Wir müssen auf den Bund warten», sagt Meisinger. Letztlich sei es ein Vabanquespiel, ob der Bund dann tatsächlich auch Geld für das Tram im Hinteren Leimental gebe.

Warten auf Bern? Nein, sagt Andreas Büttiker, die Politiker in Liestal wie auch die National- und Ständeräte müssten selber aktiv werden. «Abwarten ist eine schlechte Strategie, Handeln ist angesagt.» Der Kanton Baselland warte immer ab, und schicke dann hinterher Jammerbriefe nach Bern, weil die Region schon wieder nicht berücksichtigt wurde. Für milliardenschwere Projekte, ja, da würden sich die Politikerinnen und Politiker nur allzu gerne stark machen; für ein paar Milliönchen für das Hintere Leimental aber mache niemand einen Finger krumm. Tatsächlich sind es nur ein paar Milliönchen, macht der Bund zwischen 2009 und 2012 doch 1,7 Milliarden locker für den öffentlichen Verkehr in den Kantonen. Dieser Betrag sei sogar nochmals um 200 Millionen aufgestockt worden, sagt Büttiker weiter, für das Hintere Leimental aber habe sich niemand einsetzen wollen – wohl zu wenig prestigeträchtig für Politiker.

«Eine absurde Situation»

Der Doppelspurausbau sei zwingend, sagt Andreas Büttiker. Im Hinteren Leimental werde kräftig gebaut. «Wir müssen diese Leute aufs Tram bringen, sonst haben wir sie auf der Strasse.» Auch Lotti Stokar, Gemeindepräsidentin von Oberwil und Präsidentin der Verkehrskommission Leimental, befürchtet, dass die Menschen wieder vermehrt ins Auto steigen, wenn sie so lange auf ein Tram warten müssen. Lotti Stokar hat im Namen der Verkehrskommission denn auch einen Brief an Baudirektorin Sabine Pegoraro geschrieben mit der Bitte, den Doppelspurausbau im Hinteren Leimental voranzutreiben.

Eine absurde Situation, sagt Büttiker: «Die Trams stehen bereit, das Depot wurde ausgebaut, das Personal ist da, die Tramführer aber müssen wenden in Ettingen.» Nur weil in Bern niemand das Hintere Leimental kennt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.09.2011, 13:43 Uhr

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30 Kommentare

karl stöcklin

17.09.2011, 14:05 Uhr
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die geben lieber geld aus für überflüssige parteiwerbung an der strasse im hinteren leimental das keiner lesen kann beim autofahren . Antworten


René Grossenbacher

17.09.2011, 15:19 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Wer auf Politiker und -innen hofft, kann die Hoffnung aufgeben - die erlauchten Damen und Herren hängen gersade Plakate auf! Antworten



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