Basel

Windräder können ein tödliches Hindernis sein

Von Dina Sambar. Aktualisiert am 15.10.2010 12 Kommentare

Die Challhöchi ist Vogelzuggebiet und Heimat seltener Fledermäuse. Nun soll genau abgeklärt werden, ob das dort geplante Windkraft-Turbinenwerk für diese Tiere zur Gefahr werden könnte.

Schlechte Sicht: In der Nacht und bei dichtem Nebel können Vögel und Fledermäuse die Windräder nicht sehen oder orten.

Schlechte Sicht: In der Nacht und bei dichtem Nebel können Vögel und Fledermäuse die Windräder nicht sehen oder orten.
Bild: Wildlife

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Auf der Challhöchi sollen neun Windkrafträder erstellt werden. Fachleute sagen, dies sei eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse. Hat die Natur Vorrang vor Projekten für erneuerbare Energie?

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Auf ihrem Weg in den Süden fliegen viele Zugvögel über die Jura-Hochebene Challhöchi zwischen dem Leimen- und dem Laufental. Nun planen dort die Industriellen Werke Basel (IWB) ein Windkraftwerk mit neun Windrädern (die BaZ berichtete).

«Das ist ein heikler Standort. Hier findet ein intensiver Vogelzug statt. Wie gross die Gefahr für die Vögel aber tatsächlich ist, werden wir wahrscheinlich im Auftrag der IWB im Detail abklären können», sagt Matthias Kestenholz, Biologe und Sprecher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Die Challhöchi sei bisher nicht umfassend beobachtet worden, sodass noch keine verbindliche Aussage über eine mögliche Gefahr möglich sei. Da die Vogelzugsaison bereits zu weit fortgeschritten ist, wird die Vogelwarte detaillierte Fakten erst im nächsten Jahr aufzeichnen können.

Die schlechte Sicht der Vögel

Generell könnten Windkraftwerke aber verschiedene Auswirkungen auf Vögel haben, welche die Vogelwarte bereits 2003 in einer Beurteilung für den Bund zusammengefasst hat. Eine direkte Auswirkung ist der Tod der Vögel durch eine Kollision mit dem Mast oder den Rotorblättern: «Zwei Drittel der Vögel sind in der Nacht unterwegs und sehen die Anlagen nicht. Gerade im Herbst sorgt Nebel für schlechte Sichtbedingungen», sagt Kestenholz. Zudem könne ein Vogel die Geschwindigkeit der Rotoren nur schlecht einschätzen.

Nebst den toten Vögeln sei aber auch die notwendige Erschliessung von abgelegenen Gebieten ein Problem: «Die neu gebauten Strassen bringen Unruhe in diese Gebiete, da sie dann vermehrt für die Freizeitgestaltung genutzt werden. Auf der Challhöchi ist dies aber kein Problem, da diese bereits erschlossen ist», sagt Kestenholz. Eine weitere Gefahr seien oberirdische Hochspannungsleitungen. Vor allem Grossvögel wie Störche und Uhus verunglückten oft in Stromleitungen.

Tödliche Druckwelle

Für Fledermäuse komme noch eine weitere potenzielle Gefahr hinzu, sagt Elias Bader, Fledermausschutz-Beauftragter des Kantons Solothurn: «Es ist zwar selten, dass Fledermäuse durch eine Kollision mit den Rotorblättern getötet werden, doch können sie sterben, weil durch die Druckwelle ihre Lungenbläschen platzen.» Auch Bader hat im Auftrag der IWB Vorabklärungen unternommen und ist zum Schluss gekommen, dass die Challhöchi Konfliktpotenzial bergen könnte. Denn die Landschaft dort sei abwechslungsreich und deshalb sei die Artenvielfalt höher als zum Beispiel auf einem offenen Feld: «Es ist bekannt, dass in der Region mehrere seltene Fledermausarten vorkommen. Es müssen detailliertere Abklärungen getroffen werden», sagt Elias Bader.

Die Abklärung der Gefahren für Vögel und Fledermäuse durch Spezialisten sei in der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht vorgeschrieben, sagt Erik Rummer, Sprecher der IWB: «Wir wurden aber in den Gesprächen mit den Gemeinden darauf hingewiesen, dass in einer Gemeinde ein Vogelzuggebiet sein könnte. Deshalb haben die IWB zugesagt, diesen Aspekt vertieft anzuschauen.» Würde die Studie ergeben, dass die Turbinen tatsächlich eine Gefahr für Zugvögel darstellten, hätte dies Auswirkungen auf das Projekt: «Denkbar wäre zum Beispiel die Massnahme, die Turbinen zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten abzustellen. Aber es gibt natürlich auch eine Grenze, bei der ein solches Projekt dann nicht mehr realisiert werden kann», sagt Rummer.

Potenzielle Opfer

Obwohl die Windenergie im Moment boomt, ist sie in der Schweiz relativ neu. Zurzeit führt die Vogelwarte Sempach deshalb Referenzstudien am Gotthard und in den Freiburger Voralpen und im Jura durch. Die Information, wie viele Vögel bei welcher Wetterlage in welcher Höhe an diesen potenziellen Windparkstandorten vorbeiziehen, werde Rückschlüsse auf eine mögliche Gefährdung und die Zahl der potenziellen Opfer ermöglichen, sagt Kestenholz.

Im freiburgischen Schwyberg werde die Situation vor und nach dem Bau von Windkraftwerken analysiert, um diese Prognosen zu überprüfen. Diese Zahlen seien vor allem für die Zukunft sehr wichtig, sagt Kestenholz: «In der Schweiz sind erst wenige Anlagen vorhanden, und die Todesopfer sind mengenmässig noch nicht bedeutend für den Vogelbestand.» Das Anliegen der Vogelwarte sei, dass die Nutzung der Windenergie an Standorten stattfinde, die für die Vögel unproblematisch seien. Denn angesichts des Booms der Windenergie könne die Zahl der gefährdeten Vögel eine grosse Bedeutung bekommen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.10.2010, 08:11 Uhr

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12 Kommentare

Marc Kéry

16.10.2010, 20:15 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

In der Diskussion um Windkraftwerke hat sich in weiten Teilen der Bevoelkerung dieses seltsame "Entweder-oder"-Gefuehl in Bezug auf AKWs etabliert. In Wirklichkeit aber werden bei uns in Zukunft einfach AKWs in den Taelern UND Windkraftwerke auf den Kreten gebaut. Das bisschen Windstrom kann auch im besten (d.h., fuer die Natur schlechtesten) Fall nur ein paar % des Schweizer Verbrauchs decken. Antworten


Fritz Nussbaumer

15.10.2010, 10:58 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Versucht es schon gar nicht. Auf dem Blauen wird es keine Basler Windräder geben. Baut doch zwei Stück auf die Türme des Basler Münsters, aber lasst unseren Berg in Ruhe. Antworten



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