Basel
Zugpendler müssen früher aufstehen
Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 03.01.2009 7 Kommentare
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Der Teufel steckt im Detail. Das gilt auch für den neuen Fahrplan der SBB, der seit Mitte Dezember in Kraft ist. Für Basler bringt er hervorragende Verbindungen nach Zürich: neu jede halbe Stunde einen Nonstop-Intercity (IC), jeder zweite davon als durchgehende Verbindung nach Chur. Und auch die drei langsameren Interregio (IR) bleiben bestehen. Einer fährt unter Umgehung des Zürcher Hauptbahnhofs direkt zum Flughafen, ein zweiter IR verbindet Basel über das Fricktal mit dem HB Zürich und der dritte IR führt über Liestal, Sissach nach Aarau, Lenzburg und Zürich HB.
So weit, so gut. Doch die Abfahrtszeiten des letztgenannten IR haben sich geändert. Er kommt nun jeweils kurz vor der vollen Stunde im Zürcher Hauptbahnhof an. Das hat für Pendler aus Liestal und Sissach erhebliche Nachteile, denn ihnen steht, anders als den Baslern, nur gerade dieser IR als stündliche Direktverbindung nach Zürich zur Verfügung. Seit der Einführung des neuen Fahrplans kommen sie entweder zu spät zur Arbeit oder sie müssen eine halbe Stunde früher aus den Federn kriechen. Oder sie wählen eine dritte Variante: eine umständliche und 15 Minuten längere Umsteigeverbindung über Olten. Die neue Situation stösst bei den Pendlern aus dem mittleren und oberen Baselbiet auf Unmut. Der Sissacher Thomas Lüthi bringt es auf den Punkt: «Mit dem alten Fahrplan war die Verbindung perfekt und ideal auf den Arbeitsbeginn von 8 Uhr angelegt.» Er habe bisher um 6.38 Uhr in Sissach «in den bequemen Doppelstockzug» einsteigen können, sei um 7.24 Uhr im Zürcher Hauptbahnhof angekommen und habe um 7.40 Uhr Zürich-Stettbach erreicht, wo er bei einer grossen Krankenkasse arbeitet.
Mit dem neuen Fahrplan kann Lüthi zwar weiterhin direkt nach Zürich in seinem bevorzugten Doppelstockwagen fahren, aber er muss 35 Minuten früher als bisher, um 6.03 Uhr, auf dem Bahnhof sein. Nimmt er den Zug eine Stunde später, dann kommt er erst um 8.10 Uhr in Stettbach an. So wie Lüthi geht es auch zahlreichen andern Pendlern aus dem Baselbiet. Denn nur ein Teil von ihnen arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof.
SBB-Sprecher Roman Marti räumt ein, dass jeder Fahrplanwechsel «neben vielen Verbesserungen für manche auch einige Wermutstropfen mit sich bringen kann». Das Ausarbeiten eines neuen Fahrplans sei eine komplexe Aufgabe. Jedem Zug müsse «wie im Flugverkehr» ein Zeitfenster zugeordnet werden. Auf dem dicht befahrenen Netz der SBB gebe es dabei nur wenig Handlungsspielraum. Bei der Fahrplanausgestaltung achte man zwar darauf, dass dieser einer möglichst grossen Mehrheit der Bahnbenutzer Verbesserungen bringe. So habe man nun zwischen Zürich und Basel beispielsweise tagsüber für den IC den Halbstundentakt eingeführt. Es sei jedoch nicht zu vermeiden, dass mit einem neuen Fahrplan in einzelnen Ortschaften das Angebot nicht mehr so optimal sei wie vorher. «Doch so sehr wir uns bemühen – allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann», meint Marti.
Thomas Lüthi hingegen wundert sich: «Die SBB führen regelmässig Fahrgastbefragungen über Abfahrts- und Zielort durch – da müssten sie doch wissen, dass es immer mehr Pendler aus Liestal und Sissach nach Zürich gibt.» Er selber habe in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme beobachten können.
Der schlechtere Anschluss nach Zürich kommt daher, weil mit dem Fahrplanwechsel die Zeitfenster der IR nach Zürich und nach Luzern (der bisher nur bis Zofingen verkehrte) vertauscht wurden. Das bringt Zugreisenden aus Liestal und Sissach auch einen Vorteil. Das bisher mühsame Umsteigen in Zofingen entfällt. Doch für Pendler Lüthi ist dies ein schwacher Trost: «Es pendeln viel weniger Leute nach Luzern als nach Zürich.» Dennoch differenziert auch er: «Ich und viele Pendler aus Sissach und Liestal gehören dieses Mal zu den Verlierern. Doch ich gehörte auch schon zu den Gewinnern, nämlich beim Fahrplanwechsel 2004, als die direkte Verbindung von Sissach nach Zürich eingeführt wurde.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 03.01.2009, 14:06 Uhr
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7 Kommentare
Was hier von Thomas Lüthi beklagt wird, kann ich bestätigen. Ich pendle zwischen Aarau und Liestal. Das Problem früher "aus den Federn" zu müssen, stört mich weniger, als dass der Zug zurück eine halbe Stunde früher fährt. So muss ich einen späteren Zug zu nehmen und komme später heim. Die Busverbindung in Liestal passt am Abend ab 19h auch nicht mehr auf den Zug aus Zürich, wieder 1/2h warten. Antworten
Dazu kommt noch, dass die AAGL die Busverbindungen ab/von Bahnhof Liestal nur noch auf Züge die von/nach Basel kommen abgestimmt hat . Namendlich die Busverbindungen der Linien 76 und 78 fahren einem vor der Nase ab. Anscheinend ,gibts laut Kommentar von AAGL ,nicht genug Pendler Richtung Sissach,Aarau,Zürich. , Liestal ist wohl nur noch Provinz am Rand der Agglomeration Basel zu finden! ? Antworten
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