«Es bleibt immer ein Restrisiko»

Gemeinderat Edi Jermann war als Mitglied des Krisenstabs auf dem Flugplatz. Nach dem Unglück ist nicht klar, ob die Dittinger Flugtage in zwei Jahren wieder stattfinden werden. Man möchte aber keine überhasteten Entscheidungen treffen.

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BaZ: Edi Jermann, Sie sind Vizepräsident der Gemeinde Dittingen und dort für das Ressort Sicherheit zuständig. Wie haben Sie vom Absturz erfahren?
Edi Jermann: Ich war selber auf dem Platz und habe der Staffel zugeschaut. Als ich mich für einen kurzen Moment um- und danach wieder zurückdrehte, war nur noch ein Flugzeug am Himmel. Relativ schnell war klar, dass etwas passiert sein musste. Da ich von Amtes wegen im Krisenstab bin, hab ich sofort meinen Rucksack gepackt und bin zu unserem Treffpunkt gerannt. Die Feuerwehr und die Polizei sind an die Absturzstelle, und der Krisenstab hat, nach Absprache mit den teilnehmenden Piloten, beschlossen, die Flugtage abzubrechen.

Wussten Sie sofort, was zu tun war?
Wir haben alle zwei Jahre eine Sitzung, in der mögliche Unfallszenarien durchgespielt werden. Obwohl alle Leute emotional sehr betroffen waren und immer wieder aufkommende Gefühle unterdrücken mussten, wurde das Geplante professionell umgesetzt. Es war beispielsweise auch ein Careteam vor Ort, das die Frauen der verunglückten Piloten betreute.

Wie gehen Sie persönlich damit um?
Ich bin zutiefst betroffen und habe allen mein Beileid ausgesprochen. Das ist nicht nur für alle Betroffenen und für die Dittinger Flugtage eine Tragödie, sondern auch ein schwerer Schlag für die Gemeinde. Wir sind ein 800-Seelen-Dorf. Auf dem Flugplatz waren 330 Helfer, die zu einem grossem Teil aus Dittingen stammen. Meine kleinen Kinder haben beispielsweise dort Lose verkauft. Wir identifizieren uns mit den Flugtagen, sie sind für uns wie ein Dorffest.

Eines der Flugzeuge ist mitten im Dorf in einer Scheune gelandet, das andere 170 Meter weiter am Dorfrand. Man muss fast von Glück im Unglück sprechen, dass nicht noch mehr passiert ist.
Ich bin gottenfroh, ist sonst niemand zu Schaden gekommen. Es ist das erste Mal, dass so etwas im Dorf selber passiert. Die Flieger dürfen normalerweise nicht über das Dorf fliegen – es gibt Flugkorridore um das bewohnte Gebiet herum. Der Zusammenstoss war über unbewohntem Gebiet, doch bei dem Absturz sind die Flugzeuge ins Dorf geraten.

Sie sind als Gemeinderat für die Sicherheit im Dorf zuständig. Müssen Sie nun über die Bücher?
Absolute Sicherheit gibt es nie. Es bleibt stets ein Restrisiko. Das ist bei jeder Autofahrt so. Im Krisenstab waren wir auf das Szenario eines Flugzeugabsturzes vorbereitet, auch wenn man immer hofft, dass nichts geschieht. Die Dittinger Flugtage sind sehr professionell organisiert. In Sachen Sicherheit wurde in den letzten 20 Jahren viel unternommen. Seit dem tragischen Unglück in Ramstein fliegen die Flugzeuge beispielsweise nicht mehr so tief wie früher. Das ist zwar weniger spektakulär, dafür sicherer.

Könnte es auch sein, dass die Gemeinde nun das Aus der Dittinger Flugtage fordert? Und wie geht man mit den Ängsten der Bevölkerung um?
Der Gemeinderat will keine überhasteten Entscheide treffen. Bis zu den nächsten Flugtagen dauert es noch zwei Jahre – falls sie stattfinden. Wir werden mit der Dorfbevölkerung über das Unglück sprechen. Wir wollen wissen, was sie dazu meint.

Waren die Flugtage immer unbestritten, oder gab es bereits zuvor kritische Stimmen?
Es gab immer schon Leute, welche die Flugtage zu gefährlich fanden oder sogar wollten, dass der Flugplatz ganz zugeht. Doch zu einem grossen Teil standen die Dittinger hinter den Flugtagen. Diese Tage sind für uns so etwas wie für die Basler die Fasnacht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.08.2015, 10:46 Uhr

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