Schülerbewertungen bleiben geheim

Die Ergebnisse der Leistungsvergleiche von Primarschulen in der Nordwestschweiz liegen vor, werden aber nicht veröffentlicht.

Die Leistungschecks wuren in der dritten und der sechsten Primarstufe durchgeführt. (Symbolbild)

Die Leistungschecks wuren in der dritten und der sechsten Primarstufe durchgeführt. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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An der Primarschule in den vier Kantonen des Bildungsraums Nordwestschweiz sind erstmals alle 13'000 Schülerinnen und Schüler des dritten Primarschuljahrs einem standardisierten Leistungscheck unterzogen worden. Die Ergebnisse liegen zwar vor, doch die Kantone wollen ein Ranking verhindern.

Die Checks liessen einen Vergleich der Schülerinnen und Schüler im gesamten Bildungsraum Nordwestschweiz zu, sagte der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) am Donnerstag vor den Medien in Olten. Zum Bildungsraum Nordwestschweiz gehören die Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn. 12'814 Schülerinnen und Schüler in 845 Klassen des dritten Primarschuljahrs an 449 Schulen absolvierten den sogenannten «Check P3». Geprüft wurden Deutsch und Mathematik. Die Tests waren erstmals für alle obligatorisch.

Zudem wurden die Kompetenzen der Schüler des sechsten Primarschuljahrs («Check P6») gemessen. Es machten 11'375 Schüler in 727 Klassen an 391 Schulen mit. Im Kanton Solothurn nahmen rund die Hälfte der Schüler teil; der Test war noch nicht obligatorisch. Bei diesem Check wurden neben Deutsch und Mathematik teilweise auch die Leistungen in Englisch und Französisch gemessen.

Leistungsstand der Schüler

Die standardisierten Leistungsmessungen sollen Auskunft geben über den individuellen Leistungsstand der Schüler, über den Stand der Klasse sowie der Schulen. Zudem soll im Bildungsraum Nordwestschweiz ein Vergleich auf Kantonsebene möglich sein, wie es vor den Medien weiter hiess.

Regierungsrat Ankli, der auch stellvertretender Vorsitzender des Regierungsausschusses Bildungsraum Nordwestschweiz ist, präsentierte am Donnerstag jedoch keine konkreten Ergebnisse. Er verglich die vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich ausgewerteten Checks als eine Art «Fiebermesser» der Volksschule.

Man könne so rechtzeitig «gewisse Entwicklungen» sehen. Die Checks sollten das Wissen und Können der Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzeigen. Es seien also Momentaufnahmen, sagte Ankli weiter.

«Umgang mit Daten sensibel»

Mit der Zurückhaltung wollen die Kantone auf jeden Fall ein Ranking zwischen den Kantonen, den Schulen, Klassen und Schülern verhindern. Die Rückmeldungen der Check-Resultate erfolgten «adressatengerecht» und seien «datenschutzrechtlich geregelt», hiess es.

Mit anderen Worten: Die Lehrperson erhält die individuellen Resultate ihrer Schüler. Die Schulleitung bekommt die Resultate ihrer Schule zu sehen, und die vier kantonalen Bildungsdepartemente erhalten die Ergebnisse als Kantonsvergleich.

«Jeder erhält das, was er braucht», sagte Dieter Baur, Leiter Volksschulen des Kantons Basel-Stadt. Er machte auch klar, dass die Checks «kein Ersatz für die Zeugnisse» seien. Monika Feller, Schulleiterin der Kreisschule TED in Diegten BL sagte es so: «Der Umgang mit den Daten ist sehr sensibel». Die Checks seien jedoch hilfreich, weil Lernen sichtbar werde. Die vier Kantone lassen sich die Tests insgesamt 4,5 Millionen Franken pro Jahr kosten.

Muttersprache beeinflusst Schulleistung

In den veröffentlichten Ergebnisberichten zu den Checks P3 und P6, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden, wird anders als zum Check P3 von 2014 auf Interpretationen und auf ein Fazit verzichtet. Aufgeführt sind einige Eckwerte und Daten, die sich dem Normalverbraucher kaum für ein Gesamtbild erschliessen. Eine Aussage von vor zwei Jahren bestätigte sich jedoch: Die Brandbreite der Leistungen sind bei den Schülern in der dritten Primarschule im Kanton Basel-Stadt am grössten - und in den Kanton Aargau, Basel-Landschaft sowie Solothurn viel geringer.

Eine Erklärung für die breite Streuung und den tieferen Durchschnitt der Ergebnisse in Basel-Stadt ist wohl der grosse Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache. Es sind also Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist - und sie haben eher Mühe, auch in anderen Fächern als Deutsch den Anschluss zu finden. Dieser Anteil der Schüler mit Deutsch als Zweitsprache beträgt in der Stadt Basel 50,3 Prozent, während er in den anderen Kantonen bei knapp 30 Prozent bis 36,9 Prozent (Kanton Aargau) liegt.

Auch sind in der Stadt Basel gemäss Auswertung 42 Prozent der geprüften Primarschüler bei den Lernvoraussetzungen benachteiligt. Der Wert für die Schüler im Kanton Aargau liegt bei 23 Prozent, bei 18 Prozent im Kanton Basel-Landschaft und bei 21 Prozent im Kanton Solothurn. (nim/sda)

Erstellt: 16.03.2017, 15:03 Uhr

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