Basel
Basel unterbricht Schuldnern den Strom schneller
Von Jonas Hoskyn. Aktualisiert am 22.07.2012 15 Kommentare
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«Inkasso mit der Beisszange» wird die Massnahme, säumigen Zahlern den Strom abzuschalten in der Branche genannt. Und immer öfter müssen die Baselbieter Energieversorger zu diesem Mittel greifen: Bei der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) wurden im ersten Halbjahr 123 Zähler plombiert, nachdem Rechnungen monatelang nicht beglichen worden waren. Eine deutliche Steigerung im Vergleich zum ersten Semester 2011 mit 75 Fällen. «Der Anteil der Kunden ohne jegliche Zahlungsbereitschaft hat deutlich zugenommen», sagt Pressesprecher Jo Krebs. Bei der Elektra Baselland (EBL) spricht man von rund 200 Kunden pro Jahr, denen der Strom abgestellt werden muss – Entwicklung konstant. «Aber wir müssen immer öfter mahnen, um unser Geld zu erhalten», sagt EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner. Insgesamt rechnet man im Baselbiet bis Ende Jahr mit 450 bis 500 Fällen.
Mehr Geduld im Baselbiet
Im Vergleich zu den Zahlen der Industriellen Werke Basel (IWB) ist das geradezu vernachlässigbar: Diese greifen rund 500 Mal pro Monat zur Ultima Ratio, um ihren säumigen Kunden Druck zu machen. Im Klartext: In Basel wird in einem Monat so vielen Leuten der Strom abgedreht wie im Baselbiet in einem ganzen Jahr. Dabei sind die Stromversorger quasi 1:1 vergleichbar. EBM und EBL kommen zusammen auf rund 175?000 Kunden, die IWB mit 180?000 auf unwesentlich mehr.
Auffallend und wohl auch entscheidend ist jedoch die unterschiedliche Praxis gegenüber säumigen Zahlern: Die IWB fahren eine deutlich striktere Linie. Ist die Rechnung innert 30 Tagen nicht beglichen, folgen zwei Mahnungen, wobei in der zweiten auch das rechtliche Gehör zum allfälligen Unterbruch der Energielieferung gewährt wird. Als letzte Massnahme erlassen die IWB eine Verfügung, aufgrund der die Energiezufuhr unterbrochen werden kann. Alles in allem dauert es rund zwei Monate, bis säumigen Zahlern der Strom abgedreht werden kann. «Wir haben den Verrechnungsprozess 2005 so gestrafft, dass allen klar ist: Wenn sie nicht zahlen, wird der Strom abgestellt», sagt Erik Rummer von den IWB.
Milde bei Härtefällen
Gegebenenfalls werden auch betreibungsrechtliche Schritte eingeleitet. Seither gehen die Ausstände konstant zurück. Beliefen sich die unbezahlten Rechnungen 2003 noch auf sieben Millionen Franken, seien sie mittlerweile auf ein Zehntel, also 700?000 Franken, gesunken. Eine Summe im Promillebereich des gesamten IWB-Umsatzes von 650 Millionen Franken. «Es ist eine Frage der Fairness gegenüber unseren zahlenden Kunden, dass wir hier konsequent durchgreifen», so Rummer. Bei Härtefällen arbeite man eng mit der Basler Schuldenberatung Plusminus zusammen.
Bei der EBM hat man diese quasi im eigenen Haus: «Nach zwei erfolglosen Mahnungen schicken wir unsere Einzüger vorbei», erklärt Krebs das Vorgehen. Die Einzüger sind Inkasso und Sozialberatung in Personalunion. Sie klären vor Ort direkt ab, ob und wie ein Schuldner zahlen kann. «In der Regel fliesst dann das Geld», so Krebs. Er betont, dass die EBM eine «sehr soziale Haltung» einnimmt. «Es gab auch schon Härtefälle: der Vater arbeitslos, die Mutter krebskrank, und zwei Kinder, wo wir auf das Geld verzichtet haben.»
Münzzähler
Wenn auch der zweimalige Besuch keinen Fortschritt bringt oder der Schuldner die Kontaktaufnahme verweigert, wird der Energieunterbruch oder als möglicher Zwischenschritt ein Münzzähler angedroht. «Die Geräte installieren wir, wenn wir den Eindruck haben, der Schuldner könne einigermassen mit Geld umgehen», sagt Krebs. Strom gibt es dann nur noch, wenn vorher ein Fünfliber eingeworfen wird. Allerdings sind die Münzzähler ein Auslaufmodell, auch weil sie immer wieder geknackt wurden. Aktuell sind im Baselbiet nur noch rund 50 Exemplare im Einsatz. Aufgrund der langen Prozedur dauert es auf dem Land mindestens ein halbes Jahr, bis der Strom abgedreht wird. «Dann geht es meist sehr schnell, bis das Geld da ist», so Steiner. (Basler Zeitung)
Erstellt: 22.07.2012, 12:26 Uhr
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15 Kommentare
die IWB hat sich in den letzten Jahren mit Hilfe von uns Steuerzahlern zu einem ISO zertifizierten Profit-Unternehmen mit straffer Führung hoch geboxt. Das edel umgebaute Gebäude mit den rich designten Innenräumen macht Eindruck und passt zu Basel, so wie auch der unerbittliche Umgang mit den Kunden, versteckt hinter EDV Bürokratie und Unmenschlichkeit... halt ganz wie auch sonst in Basels Ämtern. Antworten
Härtefälle gibt es sicher auch. Ansonsten wundert das überhaupt nicht, man kann ja nicht jeden Tag in der Beiz hocken, grosse Sprüche klopfen und dann zu Hause auch noch die Rechnungen bezahlen! Das wäre nun wirklich zuviel verlangt :-)!!! Antworten
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