Basel

Die Khat-Invasion

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 04.12.2010 16 Kommentare

In diesem Jahr haben Basler Grenzwache und Polizei bereits 557 Kilo der Kaudroge Khat beschlagnahmt. Das ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009. Grund ist die steigende Zahl afrikanischer Immigranten.

In islamischen Ländern Ostafrikas – wie hier auf dem Bild in Jemen – gilt Khat als Teil der Kultur. Die Blätter werden auf der Strasse verkauft.

In islamischen Ländern Ostafrikas – wie hier auf dem Bild in Jemen – gilt Khat als Teil der Kultur. Die Blätter werden auf der Strasse verkauft.

Stichworte

In Deutschland stellt die Polizei jährlich zwischen 20 bis 30 Tonnen der aus Afrika stammenden Droge Khat sicher. Der grösste Teil der Lieferungen ist für die skandinavischen Länder bestimmt, wo die mitgliederstärksten Gemeinschaften von Ostafrikanern leben, oder für Deutschland selbst. Doch auch die Schweiz verzeichnet einen wachsenden Konsum. Experten bringen den steigenden Khat-Schmuggel mit der Zunahme von afrikanischen Immigranten in Zusammenhang. Markus Melzl, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, stellt fest: «Khat konsumieren Personen aus Ostafrika und der Süd-Sahelzone.»

In Ländern wie Äthiopien, Somalia, Jemen und Kenia ist die Droge ein Teil des sozialen Lebens und hat eine lange kulturelle Tradition. Das erklärt auch, warum Khat zwar in den verschiedenen Beschlagnahmungsverzeichnissen der Staatsanwaltschaften auftaucht, die Süchtigen aber nicht bei den Suchtberatungsstellen vorsprechen. «Im Kanton Basel-Stadt sind uns keine Fälle bekannt, bei denen es zu einer Beratung aufgrund eines problematischen Khat-Konsums gekommen wäre», sagt Eveline Bohnenblust, Leiterin der Abteilung Sucht im Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Die Blätter müssen frisch sein

Khat wird meistens über den Frachtflughafen Frankfurt nach Europa geschmuggelt. Grund: Zwischen Ernte und Konsum darf nicht zu viel Zeit verstreichen. Die Blätter müssen noch grün sein, sonst sind sie für das Kauen nicht mehr geeignet. Eine kleine Anekdote: Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat vergessen, einen sichergestellten Sack mit Khat-Blättern rechtzeitig zu entsorgen. Der Gestank, den die verfaulenden Blätter verbreiteten, sei unerträglich gewesen, berichtet Markus Melzl.

Vom Flughafen packen die Dealer die Ware direkt in die Autos und fahren sie zu ihren lokalen Abnehmern. Melzl: «Die Ware, die über Basel in die Schweiz gelangt, ist für das ganze Land bestimmt.»

Basel liegt verkehrstechnisch günstig

Aus verkehrstechnischen Gründen gilt Basel als das Einfallstor für Khat. Dieses Jahr wurden gemäss Medienmitteilungen schon rund 560 Kilo Khat konfisziert. Immer im Auto, immer in Mengen von weit über hundert Kilo. Den bislang grössten Aufgriff machten Grenzwächter im vergangenen April: Im Wagen eines Niederländers fanden sie in mehreren Kartonschachteln und Jutesäcken insgesamt 215 Kilo ostafrikanisches Kaukraut.

Die aktuelle Khat-Welle ist allerdings kein neues Phänomen. 2008 stellten Zollfahnder bereits die zweieinhalbfache Menge im Vergleich zum Jahr 2007 fest, nämlich 1484 Kilo. In der Grenzregion Basel bewegen sich die jährlichen Beschlagnahmungen immer um 500 Kilo. Wie bei allen Drogengeschäften ist auch der Khat-Handel gut organisiert und schwierig zu durchschauen.

Verstopfungen, Verwahrlosung, Wahnvorstellungen

Aufklärungsstellen wie die Suchtprävention der Stadt Zürich schreiben über den Konsum, dass 100 bis 200 Gramm frische Blätter und Triebe der Khat-Pflanze im Mund über mehrere Stunden gekaut würden. Dann stelle sich beim Konsumenten ein euphorisierter Zustand ein. Fachleute sind sich nicht ganz einig, ob Khat wirklich zu den Drogen gehört, doch Konsum, Besitz und Handel sind in der Schweiz verboten.

Die Suchtstelle Zürich begründet dies so: «Khat führt zu einer psychischen Abhängigkeit mit Wiederholungszwang und einer Zentrierung auf das Suchtmittel mit der Vernachlässigung von Körperhygiene und Ernährung (Verwahrlosung).» Dazu kommen körperliche Folgeschäden wie Entzündungen der Mundschleimhaut, Blähungen, Verstopfungen, geschwächter Allgemeinzustand, Appetithemmung oder Wahnvorstellungen. Konsumiert wird Khat in Privatwohnungen, Lokalen oder Treffpunkten, wo meist ausschliesslich Afrikaner verkehren.

Afrikanische Dealer benutzen Kanäle von Kokainhandel

Drogenfahnder vermuten, dass die Schmuggler teilweise die gleichen Kanäle benutzen, über die auch das Kokain verteilt wird. Der Preis, der für die Strauchblätter zu bezahlen ist, zeigt ebenfalls, dass es sich bei Khat nicht einfach um eine spezielle Teesorte handelt: Ein Kilo hat einen Marktwert von rund 200 Euro (rund 260 Franken). (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.12.2010, 07:40 Uhr

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16 Kommentare

Rolf Schlumpf

06.12.2010, 08:47 Uhr
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Konsum, Besitz und Handel sind in der Schweiz verboten... Um das geht es hier doch. Man mag es als *Espresso-Ersatz* (zu verharmlosend) oder als *Droge* (zu übertrieben) ansehen, Fakt ist, es ist hier nicht erwünscht (und das hat nichts mit meiner persönlichen Meinung zu tun), daher müssen die Behörden ja dagegen vorgehen, what else... Antworten


silvie kuemmin

04.12.2010, 08:27 Uhr
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Die Kaht-Invasion,wäre auch die Afrikanische-Einwanderungs-Invasion in Europa.Was interessiert es uns,ob diese Droge in Afrikanischen Länder eine lange Tradition hat.Die hat in Europa nichts verloren,diese Afrikaner sollten dort vor Ort darüber aufgeklärt werden.Oder noch besser gar nicht nach Europa kommen,diese Kultur passt sich uns auch nicht an.Man sieht es ja,die kennen keine Regeln usw. Antworten



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