Basel
Hohe Frankenpreise für deutsche Heftli
Von Peter Schenk. Aktualisiert am 09.07.2011 48 Kommentare
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Sind die Frankenpreise für Heftli gerechtfertigt?
Deutsche Zeitschriften sind – besonders seit der Euro schwächelt – in der Schweiz viel teurer als im nahen Ausland. Sind die Frankenpreise gerechtfertigt?
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Die Verkäuferin entschuldigt sich, obwohl der Kunde sich noch gar nicht beschwert hat. «Wir können nichts für die Preise. Die werden nicht von uns gemacht.» Anlass für die Ausführungen der Dame an der Kasse der Bahnhofsbuchhandlung im Badischen Bahnhof waren der Kauf eines Dumont-Heftes über die deutsche Nordseeküste in Schleswig-Holstein und ein kurzes Zögern beim Zücken des Portemonnaies. 15.80 Franken kostet das Heft – statt 8.50 Euro im deutschen Weil am Rhein oder in Lörrach, beide nur einen Katzensprung von Basel entfernt. Bei der Berücksichtigung des derzeit tiefen Eurokurses ergibt sich ein Preisunterschied von über fünf Franken.
In Basel viel teurer
Noch heftiger wird der Schweizer Kunde beim Kauf eines «Geo.Wissen» zur Kasse gebeten. Statt 9 Euro muss er 18.60 Franken zahlen – das entspricht einem Eurokurs von über zwei Franken, obwohl der Eurokurs bei den Basler Banken nur wenig über 1.20 Franken liegt. Der Preisunterschied zwischen Deutschland und der Schweiz beträgt 7.60 Franken.
Ähnlich sieht es bei «Brigitte woman», «Geo» oder «Feinschmecker» aus. Auch «Spiegel», «Stern» oder «Stern Neon» sind in Basel viel teurer als im nahen Deutschland, auch wenn der Preisunterschied weniger spürbar ist, weil diese Zeitschriften billiger sind.
Kunden wollen Europreis zahlen
Da ist es nicht verwunderlich, dass die Damen an der Kasse der gut sortierten Bahnhofsbuchhandlung im Badischen Bahnhof oft mit dem Ärger der Kunden konfrontiert sind. «Deutsche Kunden wollen den Europreis zahlen, der drauf steht, und Schweizer sagen, es sei zu teuer», erzählt eine Verkäuferin. «Ich finde den Preisunterschied unverständlich und kaufe deshalb selten Zeitschriften aus Deutschland», kommentiert eine Kundin, die gerade ein «Geo» an der Kasse bezahlt. Wer glaubt, er könne dem hohen Frankenpreis entgehen, indem er mit Euro bezahlt, wird enttäuscht. Hinter der Kasse hängt, gut sichtbar, ein A4-Blatt, auf dem die Kunden informiert werden, dass sich das Geschäft in der Schweiz befindet. «Aus diesem Grund erfolgt der Verkauf, wie gesetzlich vorgeschrieben, zu Schweizer Preisen.» Die Bezahlung mit Euro sei zwar möglich, «allerdings müssen wir in diesem Fall den Schweizer Preis zum Tageskurs in Euro umrechnen. Der auf den Produkten aufgedruckte Europreis hat in der Schweiz keine Gültigkeit. Wir bitten um ihr Verständnis.»
Preise empören Kunden
Beim Anruf am Heidelberger Sitz der Firma Karl Schmitt Bahnhofsbuchhandlungen, zu der das Geschäft gehört, erzählt eine Mitarbeiterin: «Es ist schon passiert, dass Kunden uns die Zeitschriften vor die Füsse geworfen haben.» Die Firma betreibt in Deutschland 72 Bahnhofsbuchhandlungen und eine in der Schweiz, die besagte am Badischen Bahnhof. Geschäftsführer Friedrich Hacker bestätigt, dass es seine Mitarbeiterinnen dort nicht immer einfach hätten, aber kein «böser Wille» hinter den Preisen stecke: «Aufgrund des derzeitigen Wechselkurses haben wir immer wieder Beschwerden wegen der hohen Preise, die von den Verlagen festgesetzt werden. Insbesondere, wenn in Euro bezahlt wird, fällt der Unterschied zum Europreis in Deutschland auf.» Friedrich Hacker bestätigt die naheliegende Vermutung, dass es Einkaufstourismus auch für Zeitschriften gibt: «Viele potenzielle Kunden gehen den Weg über die Grenze und kaufen zum deutschen Europreis, was für uns natürlich negativ ist, aus Kundensicht aber verständlich.»
Kein Nutzen aus dem Wechselkurs
Mit dem Ärger von Schweizer Kunden schlägt sich auch der Schweizer Kioskkonzern Valora herum. So berichtet Mediensprecherin Stefania Misteli von «vereinzelten Kundenreklamationen aufgrund des aktuellen Eurokurses». Wie Friedrich Hacker betont sie, dass die Verlage die Preise definieren. Auch generiere Valora aus der Wechselkursentwicklung keinen Nutzen, da Kosten und Ertrag in Schweizer Franken entstehen.
Ferner argumentiert sie unter anderem mit der unterschiedlichen Margen- und Kostenstruktur der Schweiz, zudem würden die deutschen Verlage in der Regel aus der Schweiz keine Werbeeinnahmen erhalten und sich bei der Preisgebung in der Schweiz an ihren jeweiligen Schweizer Konkurrenzprodukten orientieren, «welche allgemein deutlich teurer sind».
Vertriebskosten verursachen höhere Preise
Wenig Verständnis für den Ärger der Schweizer Kundinnen und Kunden hat man auch beim deutschen Grossverlag Gruner und Jahr im fernen Hamburg, der unter vielen anderen «Geo», «Stern» und «Brigitte» herausgibt. Mediensprecher Christian Merl begründet höhere Preise ausserhalb Deutschlands im Wesentlichen mit höheren Vertriebskosten. «Preiserhöhungen folgten in den vergangenen Jahren stets analog zu den Preisanhebungen in Deutschland.»
Auf Kursschwankungen reagiere der Verlag grundsätzlich nicht und dies gelte in Zeiten eines schwachen wie eines starken Frankens. «Zur Zeit eines starken Schweizer Frankens bedeutet das zwar einen Kursvorteil für den Verlag, aber im Gegenzug für ihn gestiegene Kosten bei Vertrieb und Transport in der Schweiz, da die Schweizer Wirtschaft in Franken abrechnet und nicht in Euro. Von daher ist der Eindruck, die Schweizer Leser würden ungerechtfertigt zur Kasse gebeten, falsch.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.07.2011, 07:45 Uhr
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48 Kommentare
Immer wieder und gebetsmühlenartig dieselben Bergündungen und faulen Ausreden. Der Kunde hat's in der Hand und entscheidet selbst. Ich hab's mir abgewöhnt überhaupt noch Zeitschriften in der Schweiz zu kaufen. Mit Arbeitsplatzerhalt etc. ist das nicht mehr zu begründen. Anstatt sich zu beschweren was ja nichts bringt, ist die Konsequenz "nicht mehr Kaufen" die einzig richtige Schlussfolgerung. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


