Basel
Im Führerstand bin ich mein eigener Chef
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Für Markus Wirth (46) war Lokführer ein Bubentraum. Und er hat ihn sich erfüllt. Nach einer Lehre als Maschinenmechaniker liess sich der gebürtige Emmentaler 1989 zum Lokführer weiterbilden. Seit 2007 arbeitet Wirth zu 60 Prozent als Ausbildner und Klassenlehrer in der Lokführerschule von login in Olten und zu 40 Prozent als Lokführer bei den SBB im Depot Basel. Während er in den ersten Jahren auch noch Güterzüge führte, ist er seit 2009 im Personenverkehr im Einsatz.
BaZ: Braucht man heute noch eine
mechanisch-technische Lehre als
Voraussetzung für die Weiterbildung
zum Lokführer?
Markus Wirth: Nein. Die moderne
Elektronik im Führerstand hat das
überflüssig gemacht. Ein gewisses
technisches Flair ist aber nicht
schlecht. Das ist zwar nicht Voraussetzung,
aber es ist von Nutzen.
BaZ: Gibt es eine Altersbegrenzung nach
oben oder unten für den Einstieg?
Markus Wirth: Da eine abgeschlossene dreijährige
Lehre oder Matura vorausgesetzt
wird, fängt niemand an, der
jünger ist als 20. Das Bundesamt
für Verkehr schreibt keine Alterslimite
nach oben vor. Aber in der
Regel gilt: Ein Einstieg zwischen
20 und 40 ist ideal.
BaZ: Braucht es bestimmte Charaktereigenschaften
und bestimmte körperliche Voraussetzungen?
Markus Wirth: Vor Beginn der Ausbildung gibt es
eine medizinische und eine psychologische
Abklärung. Neben
guter Gesundheit ist ein gutes Sehund
Hörvermögen Voraussetzung.
Wer farbenblind ist, wird nicht
aufgenommen. Beim psychologischen
Test wird unter anderem
Multitasking geprüft. Wenn jemand
zum Beispiel so stark auf die
Geschwindigkeit fokussiert, dass
er ein Warnsignal übersieht oder
überhört, ist er als Lokführer ungeeignet.
Nur wer alle Tests besteht,
erhält die Zulassung zur
Ausbildung. Zu den grundlegenden
Charaktereigenschaften eines
guten Lokführers zähle ich Verantwortungsbewusstsein,
Gewissenhaftigkeit
und Zuverlässigkeit.
BaZ: Wie lange dauert die Ausbildung?
Markus Wirth: Sie dauert ein Jahr. Wer mit der
Schule beginnt, hat bereits eine
Vereinbarung mit einem Transportunternehmen
wie zum Beispiel
SBB oder BLS. Bei den SBB
bilden wir derzeit deutlich mehr
Lokführer im Bereich Personenverkehr
aus als im Bereich Cargo.
Die zwei Frauen und neun Männer,
die ich aktuell in meiner
Klasse habe, haben alle eine Ausbildungsvereinbarung
mit SBB
Personenverkehr. Das heisst, sie
werden nach bestandener Abschlussprüfung
auch dort arbeiten.
BaZ: Wann ist man zum ersten Mal im Führerstand?
Markus Wirth: In den ersten drei Monaten drückt
man die Schulbank – von einigen
Exkursionen abgesehen. Da sieht
man sich einmal eine Weiche ganz
genau an oder erhält erklärt, wie
die Fahrleitung aufgebaut ist. Diese
Basisausbildung wird mit der
ersten Zertifikatsprüfung abgeschlossen.
Danach erfolgt die Vertiefungsbildung.
Man ist als Begleitperson
zum ersten Mal im
Führerstand dabei. Nach und nach
lernt man dann die Triebfahrzeuge
kennen. Man beginnt mit dem
modernen Regionaltriebzug Flirt,
weil der relativ einfach zu fahren
ist. Nach neun Wochen gibt es die
«Qualitätskontrolle 1». Dann folgt
die Einschulung im Rangierdienst.
Die Schüler dürfen zum ersten
Mal selber bei der Zugsvorbereitung
aktiv sein. Zum Beispiel ter Aufsicht einen Zug im Bahnhof
bereitstellen. Während der ganzen
Ausbildung wird allerdings auch
am Simulator trainiert. So können
Standardprozesse und Störungen
geübt werden, und der Schritt in
den «echten» Führerstand ist nicht
mehr so gross.
BaZ: Die ersten Versuche im Führerstand sind immer begleitet?
Markus Wirth: Natürlich. Die eigentliche Fahrschule
beginnt sogar erst ab der
19. Woche der Vertiefungsbildung,
wenn sie die «Qualitätskontrolle
2» absolviert haben. Nach
ersten Fahrten mit dem Flirt lernen
die angehenden Lokführerinnen
und Lokführer nach und nach
die anderen Fahrzeuge kennen,
vom NPZ – dem Vorgänger des
Flirt im Regionalverkehr – über
die alten Re 4/4 bis zur Lok 2000.
Ab Mitte November wird die aktuelle
Klasse dann zum ersten Mal
im Fernverkehr eingesetzt. Dann
lernen sie zum Beispiel auch den
ICN fahren. Dafür braucht es zusätzliche
Erfahrung. Die Schlussprüfungen
beginnen ab Anfang
Januar. Dieser Ausbildungsablauf,
insbesondere welche Züge trainiert werden, unterscheidet sich
aber je nach Klasse und ist abhängig
davon, in welchem Depot die
Lokführer/innen nach der Prüfung
eingesetzt werden.
BaZ: Und wie sehen die Prüfungen aus?
Markus Wirth: Sie sind dreigeteilt. Zuerst die Prüfung,
die durch das Bundesamt für
Verkehr erfolgt. Sie ist schriftlich
und mündlich. Dann die Triebfahrzeugprüfung,
die einen ganzen
Tag dauert. Da müssen auf allen
möglichen Fahrzeugen Manipulationen
vorgenommen werden.
Und schliesslich die ganztägige
Fahrprüfung auf den verschiedenen
Fahrzeugen. Wer alles bestanden
hat, ist Lokführer. Man
darf bei Nichtbestehen einmal
wiederholen.
BaZ: Was macht Spass an diesem Beruf?
Markus Wirth: Das ist bei Cargo und Personenverkehr
etwas unterschiedlich. Im
Güterverkehr ist das Führen von
schweren Zügen mit bis zu 2000
Tonnen Gewicht sehr speziell. Es
setzt eine andere Fahrweise als im
Personenverkehr voraus. Im Cargo
fährt man auch längere Strecken.
Von Basel bis Buchs beispielsweise.
Im Personenverkehr ist unter
anderem das höhere Tempo speziell.
Mit 200 km/h auf der Neubaustrecke…
Und man hat mit Regional-
und Fernverkehr einen interessanten
Mix an Aufgaben. Als
Lokführer erlebe ich auch immer
Landschaften, sehe Herbstwälder,
oder spezielle Winternächte. Das
bekommt man trotz der Konzentration
im Führerstand ja schon
auch mit, und ich schätze das nach
wie vor. Zudem: Als Lokführer bin
ich mein eigener Chef.
BaZ: Aber Sie sind immer allein im Führerstand.
Muss man Einzelgänger sein, oder ist das bloss ein Klischee?
Markus Wirth: Ich sage es immer so: Wenn man
nicht alleine sein kann, ist man für
diesen Beruf ungeeignet. Aber ich
selber betrachte mich nicht als
Einzelgänger. Nach getaner Arbeit
habe ich dann einfach in der Freizeit
Bedürfnis nach Gesellschaft.
Ich habe Familie und Freunde und
geniesse es, ein gutes Sozialleben
zu haben. Ich brauche durchaus
Menschen um mich herum.
BaZ: Wie kann es gelingen, mehr Frauen für den Beruf zu gewinnen?
Markus Wirth: Das ist eine schwierige Frage. Ich
glaube, wir müssen noch mehr
Werbung machen mit den Frauen,
die schon in unserem Beruf sind
und Spass an dieser Arbeit gefunden
haben. Das müssen wir in der
Öffentlichkeit noch mehr hervorheben.
Wir haben jetzt zwei Frauen in
meiner aktuellen Klasse und bisher
vier Frauen, die dem Depot Basel
zugewiesen sind. Da besteht schon
noch Nachholbedarf. Aber das neue
Angebot, als Lokführer auch Teilzeit
zu arbeiten, wird da bestimmt
helfen, denn Teilzeitarbeit ist gerade
bei Frauen ja sehr gesucht.
Erstellt: 01.11.2011, 13:57 Uhr
Basel
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


