Basel

11'125 Lärmklagen allein von einer Person

Von Alexander Müller. Aktualisiert am 17.09.2012 61 Kommentare

Der EuroAirport wird jährlich mit Zehntausenden Beschwerden eingedeckt. Fast alle dieser Klagen stammen jedoch nur von einigen Dutzend Extrem-Reklamierern. Wird das Lärmproblem überschätzt?


EuroAirport: Beschwerden 2011

Schweiz Frankreich

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Der EuroAirport erhielt im letzten Jahr 28'517 Beschwerden – meistens wegen Fluglärms. Doch nur 444 verschiedene Personen haben sie eingereicht. Ist der Fluglärm ein Problem?

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Der EuroAirport erhielt im letzten Jahr 28'517 Beschwerden zugesandt. 2010 registrierte der Flughafen sogar 36'733 Beschwerden. Die meisten dieser Reklamationen sind Lärmklagen. Die halbe Region Basel scheint massiv unter dem Lärm des Flughafens zu leiden. Doch tut sie das wirklich? «Das Fluglärmproblem wird überschätzt», ist Thomas Burckhardt, Präsident der IG Luftverkehr Basel, überzeugt. Die Zahlen scheinen ihm recht zu geben.

Wer sich die Beschwerdezahlen etwas genauer anschaut, dem präsentiert sich nämlich ein ganz anderes Bild. Die 28'517 Beschwerden des letzten Jahres wurden nämlich von gerade mal 444 verschiedenen Personen eingereicht. Im Schnitt hat also ein einzelner Beschwerdeführer über 64 Klagen eingereicht. Schauen wir noch etwas genauer hin: 2011 kamen 23'749 Beschwerden von nur gerade sechs Personen. Oder anders ausgedrückt: Ein halbes Dutzend Personen war für über 83 Prozent aller Lärmklagen verantwortlich. Das ist aber noch nicht alles: 20'020 Beschwerden sind nämlich an drei in Frankreich wohnhaften Beschwerdeführern festzumachen. Diese drei Personen waren im Vorjahr für sagenhafte 97,2 Prozent aller in Frankreich abgeschickten Lärmklagen verantwortlich.

Spitzenreiter ist jener Profi-Nörgler, der den EuroAiport im letzten Jahr im Alleingang mit 11'125 Klagen eingedeckt hat – über 30 pro Tag. Damit zeichnet er für fast 40 Prozent aller letztjährigen Beschwerden verantwortlich. Der überwiegende Teil aller Reklamationen aus Frankreich wird übrigens in Buschwiller, der Nachbargemeinde von Allschwil, abgeschickt. Dort sind nach Angaben des Flughafens im Wesentlichen zwei Personen sehr aktiv, die die Zahl der Beschwerden in schwindelerregende Höhen treiben.

Lärmklagen als Vorwand

Würden diese beiden Personen sich eine neue Wohnung etwas weiter weg vom EuroAirport suchen, die Lärmklagen aus Frankreich würden fast auf null zurückgehen. Flughafenbefürworter Burckhardt ärgert sich, dass Menschen in die Flugschneise ziehen und sich danach beschweren, dass Flugzeuge über ihre Köpfe fliegen. Die Lärmklagen seien oftmals nur ein Vorwand, um gegen den EuroAirport Stimmung zu machen. «Bei den meisten steckt nicht viel mehr dahinter», ist der Basler Anwalt überzeugt.

Auch in der Schweiz wohnen einige empfindliche Personen, die offenbar so sehr unter dem Fluglärm leiden, dass sie Hunderte, teilweise sogar Tausende Beschwerden per E-Mail, Fax oder Brief einreichen. So wurden im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fast zwei Drittel der bislang 4185 Beschwerden aus der Schweiz von nur gerade drei Personen eingereicht. Einer alleine hat seit Jahresbeginn bereits rund 1419 Klagen abgeschickt. Die 30 aktivsten Fluglärmkritiker waren im letzten Jahr zusammen für rund 91 Prozent aller Beschwerden aus der Schweiz verantwortlich.

Es sind also nicht Tausende Anwohner, die unter dem Fluglärm leiden, sondern einige Dutzend Aktivisten, die jährlich Tausende Beschwerden einreichen. «Ich bezweifle, dass die Leute, die sich so vehement beschweren, wirklich die Nachteile in Kauf nehmen würden, die ein reduzierter oder eingestellter Flugbetrieb am EuroAiport mit sich bringen würde», sagt Burckhardt. Hier gehe es vor allem um ein Kultivieren der eigenen Befindlichkeit.

Mehr Starts und Landungen

Der Basler Anwalt weist zudem darauf hin, dass der Flughafen viel unternimmt, um die Lärmemissionen so gering wie möglich zu halten. Und dies scheint sich auch auszuwirken: Seit 2008 ist die Zahl jener Personen, die sich beim EuroAirport beschwert haben, stetig gesunken, obwohl die Anzahl Starts und Landungen in der gleichen Zeit um rund acht Prozent zugenommen hat. Langsam nähert sich die Beschwerdesituation wieder den Werten aus der Zeit vor dem Dezember 2007, als die Einführung des Instrumentelandesystems Veränderungen gebracht hatte: Einige Gemeinden wurden damals entlastet, während andere vermehrt überflogen werden.

«Seitdem kann man davon ausgehen, dass sich ein Teil der Bevölkerung daran gewöhnt hat», sagt Flughafensprecherin Vivienne Gaskell. Sie hält fest, dass die in der Lärmschutzverordnung festgelegten Immissionsgrenzwerte überall eingehalten werden. Und dass die Zeit der extrem lärmenden Flugzeuge bald der Vergangenheit angehört: «Nicht zuletzt wegen der lärmemissionsbezogenen Gebühren setzen die Fluggesellschaften immer leisere Maschinen ein.» Schlechte Aussichten also für die Profi-Reklamierer: Sie müssen sich vielleicht bald eine neue Beschäftigung suchen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.09.2012, 07:28 Uhr

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61 Kommentare

Philip Yeager

17.09.2012, 08:56 Uhr
Melden 165 Empfehlung 1

Ein schönes Beispiel, wie mit ein paar Zahlen eine verschwindend kleine Minderheit von "Lärmgeschädigten" medial ein riesiges Tam-Tam durchführt. Bei 30 Klagen/Person/Tag ist wohl eher die psychiatrische Abteilung des Kantonspitals als der Flughafen zuständig... Antworten


Lucas Meier

17.09.2012, 08:47 Uhr
Melden 135 Empfehlung 2

Ich bin in Binningen aufgewachsen, lebe direkt in/unter der Abend-Anflug-Schneide, fliege um die 50 Mal pro Jahr (NIEMALS Swiss) und habe keinen Grund zu reklamieren. Zudem, jeder der mehr als 20 Jahre in Binningen wohnt, weiss dass es früher einiges schlimmer war als jetzt !!! Ich verstehe dieses Gemotze nicht, wir haben Fluglärm und Andere haben halt Auto- oder Innerstadt-Party Lärm... Antworten



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