Basel

400 Carrotmobber shoppen für die Umwelt

Mit einem umgekehrten Boykott verdoppeln Aktivisten den Umsatz eines Quartierladens. Stadtpräsident Guy Morin war der prominenteste Kunde an einem speziellen Tag im Alban Market, wo virtuell organisierter Konsum eine Premiere erlebte.

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Gut gelaunt zum Einkauf: Die ersten Carrotmobber decken sich kurz vor Mittag mit Essen und Getränken ein. Bitte weiterblättern…
Joël Gernet

   

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Die Teilnahme am ersten «Carrotmob» der Schweiz hat sich für Ladenbesitzer Fadil Jakupaj ausgezahlt: Nachdem er versprochen hatte, 50 Prozent des Tagesumsatzes in Energiesparmassnahmen zu investieren, strömten gestern rund 400 Käufer aus der ganzen Region in seinen Laden. Zwar blieben die medienwirksamen Warteschlangen aus – dies war jedoch Teil der Strategie, wie Organisator Raphel Faeh erklärt: «Es bringt mehr, wenn viele Leute über den ganzen Tag verteilt einkaufen, als wenn alle eine Stunde lang Schlange stehen», sagt er. Das Ziel, den Umsatz des Quartierladens zu verdoppeln, sei auf jeden Fall erreicht worden: Rund 7000 Franken nahm Jakupaj gestern ein. An einem normalen Freitag in den Sommerferien rechnet er mit der Hälfte.

Auch Prominenz mit von der Partie

Zu den Carrotmobbern gesellte sich auch Prominenz: Stadtpräsident Guy Morin stattete dem Alban Market persönlich einen Besuch ab – und brachte auch gleich Unterlagen zum Thema Energiesparen mit. Damit rannte er allerdings offene Türen ein: Die Carrotmob-Organisatoren und Jakupaj hatten bereits zuvor einen Experten eingeladen, der Umbaumöglichkeiten im Laden aufzeigte. Angereist waren die Mobber aus der ganzen Region, meist mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Verkehr. So etwa Jürgen Koch aus Weil am Rhein, der für die Deutsche Bahn am Badischen Bahnhof arbeitet. «Ich habe in der BaZ von der Aktion gelesen und war gleich begeistert», sagt er. Es sei viel besser, Läden finanzielle Anreize für einen ökologischeren Betrieb zu bieten, als sie zu boykottieren: «Dann könnte so ein kleiner Laden ja gleich zumachen.»

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Genau dies ist auch die Message der Organisatoren: «Wir wollen zeigen, dass organisierter Konsum etwas bewirken kann», sagt Faeh. Auch wenn ein Carrotmob im Quartierladen vorerst nicht viel mehr als ein Tropfen auf einen heissen Stein sei, habe das Konzept Zukunft. Wenn die Konsumenten sich ihrer Marktmacht bewusst seien, könnten auch grosse Firmen zum Umlenken bewegt werden, sagt er. Umweltschutz könne statt Verzicht auch lustvollen, bewussten Konsum bedeuten.

Die meisten Carrotmobber waren über das Internet mobilisiert worden. «Ich habe Einladungen von Facebook-Freunden erhalten», sagt etwa die 23-jährige Studentin Ann-Kathrin Martin. Sie findet die Aktion gut – hätte sich im Alban Market aber mehr Bioprodukte gewünscht. Auch die 29-jährige Primarlehrerin Anne Fontana hatte über das Internetportal von der Aktion erfahren. Sie kaufte sich Fleisch und Snacks, um am Abend zusammen mit anderen Carrotmobbern am Rhein zu grillieren. Die Spontaneität ist beim Carrotmob Konzept: Bis in die späten Abendstunden versuchten Faeh und sein Mitorganisator Klaus Bernhard, per Twitter und Facebook noch mehr Kunden in den Laden zu locken – nicht zuletzt in der Hoffnung, doch noch eine medienwirksame Schlange vor dem Laden hinzukriegen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.08.2009, 10:03 Uhr

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