Basel
Aggressive Türsteher verprügelten Club-Gäste
Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 01.02.2012 20 Kommentare
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Das Basler Strafgericht hat über vier Vorfälle zu entscheiden, welche alle von Mitarbeitern des Basler Disco-Clubs Fame ausgeübt worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem aus Marokko stammenden Franzosen, zwei Italienern – darunter der Night-Manager des Fames –, drei Türken, einem Iraker sowie zwei Schweizern mit Migrationshintergrund mehrfache schwere versuchte Körperverletzung vor, versuchte vorsätzliche Tötung, Angriff, Freiheitsberaubung, Raub sowie Nötigung und Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz .
Der erste Vorfall ereignete sich am 22. März 2008: Einer der Türsteher, ein aus Marokko stammender Franzose (40), arbeitete als Security-Mitarbeiter im Fame. Als zwei Discobsucher verdächtigt wurden, einen WC-Spülkasten beschädigt zu haben, holte der Franzose einen der beiden Besucher und zerrte ihn in die Küche. Dort kam es zur gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der zumindest der Fame-Night-Manager auf den Besucher eingeschlagen hat. Das Opfer spricht aber davon, dass mehrere ihn massiv mit Fäusten geschlagen hätten.
Auf Studenten eingeprügelt
Am 31. Januar kam es zum zweite Vorfall, der vor Gericht behandelt wird: Zwei Studenten der St. Galler Hochschule für Wirtschaft sollen einem Italiener, der in engem Kontakt mit dem Night-Manager stand, nicht den nötigen Respekt entgegen gebracht sowie den Italiener gestossen haben. Darauf kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit Schimpfwörtern und Beleidigungen. In der Folge verliessen die Gäste das Fame, um in der Kleinbasler MacDonalds-Filiale etwas zu essen. Der Italiener verfolgte die Studenten, und es kam im McDonalds zu einer weiteren verbalen Auseinandersetzung. Nachdem die Gäste wieder in den Club zurückgekehrt waren, wurden sie von einem Security-Mitarbeiter aufgefordert, ihm zu folgen und in einen Raum geführt. Gemäss Anklageschrift gingen dort dann sofort mehrere Männer (angeblich fünf oder sechs) auf die Studenten los. Eines der Opfer sagte gestern vor Gericht: «Es hat nur so geklöpft und getätscht und mein Kollege schrie dauernd ‹aufhören!›» Die Notfallstation des Unispitals Basel attestiterten den Studenten mehrere Hämatome um die Augenhölen und auf dem Nasenrücken sowie eine Kratzwunde.
Zum dritten Vorfall kam es in der Nacht vom 20. März auf den 21. März 2009, als einige Kollegen die Disco besuchen wollten. Gemäss Anklageschrift soll es zwischen dem marokkanisch-französischen Türsteher und einem Dunkelhäutigen zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei geriet der Türsteher so in Rage, dass die Kollegen das Lokal wieder verliessen und in der Clarastrasse in ein Auto einstiegen. Der angeschuldigte Franzose soll darauf mit einem Schlagstock durch das halb geöffnete Fenster geschlagen haben, mit dem Ziel, den Dunkelhäutigen zu verletzten, heisst es in der Anklageschrift. Der Beschuldigte habe insbesonders durch die Schlägen mit dem Schlagstock gegen den Kopf des Opfers, eine schwere körperliche Schädigung des Mannes in Kauf genommen.
Abrechnung wegen Differenzen
Beim vierten Vorfall am 9. April 2009 sollen mehrere Männer um den Fame-Night-Manager wegen «massiven Differenzen» eine Abrechnung geplant und brutal durchgeführt haben. Im Café Bar Royal im Gundeli haben sie mit Fäusten, Füssen und Schlagstöcken ihr Opfer bearbeitet. Personen, welche die Staatsanwaltschaft bisher noch nicht ermitteln konnte, standen dabei Schmiere, um den Tätern zu einer raschen Flucht zu verhelfen, sollte eine Polizeipatrouille auftauchen. Ein Schweizer mit Migrationshintergrund sowie ein Türke sind wegen versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt, der Fame-Night-Manager und ein Schweizer mit Migrationshintergrund wegen versuchter schwerer Körperverletzung.
Für das Vierer-Gericht mit Dorrit Schleiminger (FDP) als Vorsitzende wird es nicht einfach sein herauszuschälen, wie sich die Vorfälle tatsächlich zugetragen haben. Die Aussagen und Angaben zu den Vorfällen sind widersprüchlich und die Angeschuldigten halten sich an das eiserne Gesetz der Halbschattenwelt, keinen anderen zu belasten. Der Fame-Night-Manager hat sich bisher nur zu wenigen Handgreiflichkeiten bekannt, weist aber die Schuld von sich, mit dem Streit angefangen zu haben.
Der Prozess dauert mehrere Tage. Die Urteilsverkündigung ist auf den 9. Februar angesetzt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.02.2012, 10:35 Uhr
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20 Kommentare
Fassen wir mal zusammen: Ein aus Marokko stammender Franzose, zwei Italiener – darunter der Night-Manager des Fames –, drei Türken, ein Iraker sowie zwei Schweizer mit Migrationshintergrund - angesichts solcher Meldungen zu behaupten dass die Stressköpfe auf Basels Strassen sehr oft ausländischer Herkunft sind wäre natürlch äusserst hetzerisch und fremdenfeindlich, aber leider realität ... Antworten
Wer den Club kennt, weiss dass die Türsteher dort schon seit langem sehr viel Aggressivität ausstrahlen und ihre Position als "Machthaber" so richtig zu geniessen scheinen. Dieses Alpha-Männchen-Getue sieht man aber in und vor vielen Clubs, und nicht nur in Basel. Ich hoffe jedenfalls, das Urteil wird hart sein und vorbeugend wirken. Antworten
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