Am Bahnhof noch rasch zum Arzt

Von Claudia Kocher. Aktualisiert am 25.11.2010 7 Kommentare

Nun hat Basel auch eine Permanence am Bahnhof mit Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr. Nächstes Jahr geht am Kinderspital zudem eine Notfallpraxis für Kinder auf.

Das Medix-Team: Sarah Steidle, Myrjam Kummer, Sonja Rowedder, Axel Rowedder und Marc Stöckli (von links).

Das Medix-Team: Sarah Steidle, Myrjam Kummer, Sonja Rowedder, Axel Rowedder und Marc Stöckli (von links).
Bild: Elena Monti

Neue Notfallpraxis am Kinderspital

Gleichzeitig mit der Eröffnung des Universitätskinderspitals beider Basel (UKBB) am 29. Januar 2011 wird an der Spitalstrasse 33 eine Kinder-Notfallpraxis eröffnet. Die praktizierenden Kinderärzte, die bis anhin den Notfalldienst in ihren Arztpraxen abgedeckt haben, werden dort nach einer Triage Notfälle bei Kindern und Jugendlichen ambulant behandeln, erklärt Marie-Anne Steinemann, Präsidentin der Gesellschaft Kinder- und Jugendmedizin Regio Basel.

Gesamtschweizerisch gebe es die Tendenz, dass akut erkrankte Personen zunehmend direkt die Notfallstationen der Spitäler aufsuchen und die Notfallstationen überlastet seien. «Deswegen müssen Dienstärzte dorthin, wo die Patienten sind», so Steinemann. Die Öffnungszeiten der Kindernotfallpraxis ergänzen die Öffnungszeiten der Praxen der Kinder- und Jugendärzte. Die Kindernotfallpraxis am neuen UKBB arbeite eng mit der Notfallstation zusammen, so dass eine Betreuung der Kinder durch Spezialisten 24 Stunden täglich gewährleistet sei.

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Eine ältere Dame betritt die Notfallpraxis. Sie kennt sich offenbar aus. «Ist Doktor Stöckli hier?», fragt sie ungeduldig. Als man ihr bescheinigt, dass der Doktor gleich komme, mäkelt sie dennoch. Wenig später steht Doktor Stöckli vor ihr. Schnelligkeit ist ein erklärtes Ziel der Medix-toujours-Praxis. Der ärztliche Leiter Axel Rowedder will mit kurzen Wartezeiten die Notfallstation im Spital konkurrenzieren. «Darauf zielen wir ab.» Viele Leute würden zwar wissen, dass sie mit einem Husten oder einem Schnupfen nicht in den Notfall gehen sollten. Doch hätten sie bisher keine Alternative gehabt. Bereits vor fünf Jahren war in Basel von einer Notfallpraxis am Bahnhof die Rede. Das Projekt kam nicht zustande. Der damals verhängte Praxisstopp machte dem Betreiber der Permanence in Zürich, Jürg Müller, einen Strich durch die Rechnung. Nun hat Axel Rowedder, Facharzt für Innere Medizin, Anfang November die Notfallpraxis Medix toujours eröffnet. Aber nicht in den vorgesehenen Räumen im Bahnhof, wie dies die Railcity vor fünf Jahren gewünscht hatte. Sondern an der Centralbahnstrasse 3, vis-à-vis von Denner.

Wie in Zürich

Die Räume des ehemaligen Pizzabetriebs standen schon lange leer. Doch erst als auf Nachfrage ein Reisebüro sein Geschäft verlegte, konnte sich Rowedder mit seinem Team einrichten. Der Arzt kennt das Konzept der Permanence, einer permanent geöffneten Arztpraxis, aus Zürich, wo er fünf Jahre lang als Allgemeinmediziner arbeitete. Vor zwei Jahren hat er zudem die Stauffacher-Notfallpraxis in Zürich eröffnet.

Das Konzept in Basel funktioniert wie jenes in Zürich. Die Öffnungszeiten sind von 7 bis 22 Uhr, 365 Tage im Jahr. Mindestens zwei Ärzte arbeiten täglich im Schichtbetrieb. Über Mittag, wenn erfahrungsgemäss viele Patienten kommen, sind mindestens zwei Ärzte anwesend. «Wir passen unser Personal der Nachfrage an», sagt Rowedder. Noch sei man zu Beginn nicht überrannt worden. Doch Rowedder glaubt an sein Konzept. Tagsüber kämen eher jüngere Leute, weiss er von Zürich. Häufig seien sie neu hierhergezogen, hätten noch keinen Hausarzt oder bei ihrem Hausarzt keinen günstigen Termin erhalten. Die insgesamt fünf Ärzte behandeln Schnittverletzungen und Platzwunden, Infektionen, Hals- und Ohrenschmerzen, Husten, Bauchschmerzen, Durchfallerkrankungen, Augenentzündungen, impfen gegen Grippe oder machen Bluttests – was alles so anfällt in einer Arztpraxis. Wenn nötig organisiere man den Termin beim Facharzt oder veranlasse eine Spitaleinweisung. Falls jemand normalerweise bei einem Hausarzt in Behandlung sei, werde man diesen nach erfolgter Behandlung orientieren, sagt Rowedder.

Ohne Spezialisten

Keine primäre Zielgruppe sind Kinder (siehe Text links). Bei einem überschaubaren Problem wie Ohrenschmerzen würde man Kinder ab zwei Jahren behandeln. «Wir schicken Kinder sicher nicht weg», sagt Rowedder. Einen Kinderarzt werde man aber nicht einstellen. Auch sonst keine Spezialisten. «Wir bieten medizinische Grundversorgung an.» Ein Spezialist müsste sonst ja während der gesamten Öffnungszeiten zur Verfügung stehen. Was pro Tag zwei Spezialisten erfordern würde.

Für Kantonsärztin Anne Witschi stellt die Notfallpraxis am Bahnhof kein Problem dar. «Es ist positiv, dass es in der Grundversorgung ein gutes Angebot gibt.» Als es um die Permanence vor fünf Jahren ging, habe man keinen Bedarf gesehen, für den damals gültigen Zulassungsstopp für Arztpraxen eine Ausnahme zu machen, so Witschi. Andreas Bitterlin, Mediensprecher des Universitätsspitals Basel, kann sich vorstellen, dass die Notfallpraxis Medix am Bahnhof vor allem für Pendler attraktiv ist. Die Erfahrung aus Zürich habe aber gezeigt, dass eine solche Institution wie die Permanence wenig bis gar keine Auswirkungen auf die Notfallstation im Spital habe, meint Bitterlin. «Wir bleiben das wichtigste Notfallzentrum, mit einem breiten Angebot hochkomplexer Spitzenmedizin bis hin zur Hausarztmedizin.» Die Medix-Praxis sei keine Konkurrenz. «Wir glauben nicht, dass wir deswegen unser Notfallkonzept am Universitätsspital ändern müssen», so Bitterlin. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.11.2010, 07:16 Uhr

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7 Kommentare

Daniel Bösch

25.11.2010, 09:52 Uhr
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Als Konkurenz für das Uni-Spital würde ich das nicht sehen, eher eine entlastung des Notfalls. Weil heute jeder meint, wenn ihm der kleine Zeh juckt, sofort in den Notfall zu müssen. So kann sich das Uni-Spital um die wirklich schlimmen Fälle kümmern und alle anderen können zu Medix. Finde ich eine gute sache. Profitieren alle davon. Antworten


Andreas Kofler

25.11.2010, 09:40 Uhr
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Warum reisen die Aerzte nicht in den Zügen mit? Dann könnten sie die Pendlerleiden gleich vor Ort behandeln. Als Anregung für findige Erfinder: Ein Ohrenspiegel, welcher an den iPod angeschlossen werden kann, damit bei der Untersuchung der Ohren keine Entzugserscheinungen auftreten. Antworten



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