Basel

Am Samstag herrschte Alarmstufe rot

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 28.09.2011 38 Kommentare

Der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips erklärt das Vorgehen der Polizei in der Krawallnacht rund um den Voltaplatz.

«Beim Polizeieinsatz ging es um die Verhältnismässigkeit», sagte Polizeikommandant Gerhard Lips.

«Beim Polizeieinsatz ging es um die Verhältnismässigkeit», sagte Polizeikommandant Gerhard Lips.
Bild: Henry Muchenberger

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Bereits Tage vor vergangenem Samstag war die Polizei gewarnt. Eine SMS mit dem Inhalt «Basel brännt» und «Basel HB» wies darauf hin, dass fürs Wochenende eine gewalttätige Aktion geplant war. «Wo und wann, wussten wir jedoch nicht», sagt Gerhard Lips.

Die Polizei versuchte den Sender der Information zu ermitteln, um herauszufinden, was sie bedeutet. Ohne Erfolg. Die Einsatzleiter wussten also nicht, ob die Aufrufe Basler Chaoten galten, die nach Zürich reisen sollten. Oder ob Zürcher Chaoten nach Basel kommen würden, um sich hier mit Gleichgesinnten zu treffen. Gewiss war nur: Am Samstag war Alarmstufe rot.

Polizei wegen mehreren Festen gebunden

Ein weiteres Problem: Am Samstag kamen die FCB-Fans in Zügen von dem Auswärtsmatch gegen Thun zurück. Lips: «Es bestand die Möglichkeit, dass sich Choaten daruntermischen, um nicht aufzufallen.» Ausserdem gab es mehrere kleine Feste in der Stadt, welche die Polizei im Auge behalten musste. «Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, genügend Polizisten aufzubieten», sagt Lips. Wie viele es genau waren, verrät er aus taktischen Gründen nicht.

Dann kam der Samstagabend. Die Polizisten im Sondereinsatz patrouillierten nicht getrennt durch die Stadt, sondern blieben zusammen stationiert, um rasch eingreifen zu können, sollte etwas passieren. Das Hauptaugenmerk der zivilen Patrouillen lag auf dem Hauptbahnhof und in der Innenstadt. Als sich dann die Lärmklagen wegen einer Party auf der Voltamatte häuften, habe die Polizei zwar Einsatzkräfte geschickt, aber zu diesem Zeitpunkt habe nichts auf eine Gewalteskalation hingewiesen, sagt Gass. Und er ergänzt: «Die friedliche Nutzung eines Parkes ist an sich nicht illegal.»

Aus dieser Deckung heraus zugeschlagen

Nach Mitternacht dann brennt Basel Nord wirklich, wie angekündigt. Und Fensterscheiben werden eingeschlagen. Schadensumme: Gegen 200'000 Franken. Die Polizei schätzt, dass 15 Chaoten die Anonymität der Voltamatte-Besetzerparty benutzten, um aus dieser Deckung heraus zuzuschlagen. Lips: «Beim Polizeieinsatz ging es um die Verhältnismässigkeit.»

David Gelzer, Präsident des Polizeibeamtenverbandes Basel-Stadt, gibt dem Kommandanten recht, was den Einsatz in der Nacht auf Samstag betrifft. Gelzer aber kritisiert die Regierung scharf, was die Hintergründe angeht, die zu diesen Krawallen führten. «Der Grundfehler geschah, als die Regierung im vergangenen Mai entschieden hat, die illegale Besetzung der Voltamatte zu dulden. Es wäre besser gewesen, das Areal damals gleich zu räumen, wie die Polizei dies ursprünglich geplant hat», sagt Gelzer. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.09.2011, 10:01 Uhr

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38 Kommentare

Remo Gallacchi

28.09.2011, 10:39 Uhr
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Ich kann Herr Gelzer nur zustimmen. Die Polizei führt nur aus. Der Polizei die Schuld in die Schuhe zu schieben ist völlig fehl am Platz.
Es ist die Regierung, die diese verfehlte Strategie leider immer noch weiter verfolgen will.
Antworten


Paul Meyer

28.09.2011, 10:11 Uhr
Melden 34 Empfehlung

In einem Rechtsstaat entscheidet die politische Führung, wie und wann illegale Aktionen zu unterbinden sind. Hier hat der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt seine Pflicht verletzt. Die Folgen sind gravierend: hoher Sachschaden, hohe Kosten für Polizeieinsätze usw. Die Bürger - und vor allem die Geschädigten - interessiert, wer hier was geduldet hat. Und dann sind Konsequenzen fällig. Antworten



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