Basel
An dieser Herbstmesse ist Flexibilität gefragt
Von Ralph Schindel. Aktualisiert am 28.10.2011 10 Kommentare
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Es ist schon beeindruckend, was am Messeplatz derzeit entsteht. Die Baustelle für den neuen Messebau ragt riesig in die Höhe. Die Citylounge ist in ihren Grundzügen bereits zu erkennen. Das 430 Millionen Franken teure, 32 Meter hohe Bauwerk soll 2013 fertig sein. Der Platz liegt im dunklen Schatten. Von den Baurampen tropft es. Lärm kommt aus allen Richtungen. Und mittendrin bauen Standbesitzer ihre Essbuden für die morgen beginnende Herbstmesse auf. Sie zwängen sich mit ihren Fahrzeugen und Ständen in den engen Tunnel, die früheren Arkaden der Wurst-Allee bei der Halle 3.
«An dieser Herbstmesse müssen alle flexibel sein», sagt Chäs-Pierre aus Liesberg. Der Standbesitzer bezeichnet die Baustelle als «Schock» und rechnet mit einem halbierten Umsatz, um aber gleich nachzuschieben, dass man Optimist sein sollte und froh, dabei sein zu dürfen. Gleichwohl: «Die Ambiance ist kaputt», ist Pierre Schaub, wie er mit vollem Namen heisst, überzeugt. Seinen Humor hat er aber nicht verloren. Zur Luft im neuen Tunnel meint Chäs-Pierre, dass verbrannte Käseschnitten besser riechen würden. Er muss es wissen.
«Momentan scheusslich»
Martin Pfister aus dem zürcherischen Hittnau mit seinem Ofe-Gschwellti-Stand ist zum ersten Mal dabei. «Wir wurden über die Baustelle informiert», sagt Pfister, der gerade an der Deichsel seines Anhängers hantiert. Dass das Fahrgeschäft Tower mit einer Höhe von 35 Metern auf dem Messeplatz steht, findet er gut: «Da kann man gleich eine Baustellenbesichtung machen», sagt Pfister mit einem Augenzwinkern. Hinsichtlich Herbstmesse ist er zuversichtlich. «Vielleicht kommen die Leute ja erst recht.»
Im Gegensatz zu Pfister ist Herbert Beigel ein alter Hase. Seit 32 Jahren ist er an der Herbstmesse, seine Familie gar seit über 70 Jahren. «Es gibt überall Veränderungen über die Jahre», sagt Beigel gelassen, während er den Boden seines Candyland-Cafés feucht aufwischt. «Wichtig ist, dabei zu sein, und jeder soll das Beste daraus machen.» Die Herbstmesse bezeichnet Beigel als wichtigen Teil des Schaustellerlebens. «Es gibt in der Schweiz nur zwei oder drei so grosse Anlässe.»
Zur Baustelle sagt Martin Pfister, dass sie «momentan scheusslich aussieht, das neue Gebäude allerdings wird traumhaft». Er verstehe den Anspruch Basels, das schönste Messegelände haben zu wollen. Grössere Auswirkungen auf seine Verkäufe erwartet er nicht. «Wir sind vor allem wetterabhängig, das kann bis zu einem Drittel ausmachen.» Bei der Confiserie von Beat Leuppi ist man überzeugt, dass die Leute trotzdem kommen. Eigentlich sei der Standplatz unverändert, es könne aber eng werden für die Passanten. «Damit müssen wir leben.»
«Das erste Wochenende abwarten»
Lotti Kyburz von Lottis Chnobli-brot will sich noch nicht konkret zu ihren Erwartungen an die diesjährige Herbstmesse äussern. «Wir müssen das erste Wochenende abwarten», sagt die Frau aus dem bernischen Aarwangen und hievt eine Seitenwand des Standes aus dem Weg. Den Baulärm findet Kyburz unangenehm, das sei aber halt so. Für sie ist klar: «Wenn mehr Leute kommen, ist das sensationell.» Ohne die Bahnen auf dem Messeplatz verliere dieser vielleicht an Attraktivität, andererseits müssten die Besucher der Rosentalanlage durch die Wurst-Allee. «Und die ist an einer Herbstmesse sowieso Pflicht.»
Gemischte Gefühle umschreiben die Gemütslage der Standbesitzer unter den traditionsreichen Arkaden wohl am besten. Aber alle nehmen die Situation mehr oder weniger mit Humor. Klar ist für sie jedoch auch, was stellvertretend Chäs-Pierre so ausdrückt: «Wir Standbesitzer sind froh, dass wir einen Standplatz von den Verantwortlichen erhalten haben.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 28.10.2011, 08:10 Uhr
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