Basel
Avec-Shop bringt alle in Rage
Von Muriel Gnehm. Aktualisiert am 05.08.2011 39 Kommentare
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Sie regen sich alle auf: die Geschäftsführer der Lokale in der Steinenvorstadt, diejenigen der Kleiderläden, die Anwohner sowie der Vorstand des Wirteverbands Basel-Stadt. Dieser hat am Mittwoch seinem Missmut in einem Newsletter Luft gemacht. Grund für seinen Ärger ist der übermässige Alkoholkonsum der Jugendlichen. Im engeren Rahmen: der Avec-Shop in der Steinenvorstadt, der während der Woche bis um 1 Uhr und am Wochenende bis um 2 Uhr geöffnet sei. Das Sortiment des Shops nebst einiger Snacks: Bier, Wein und viel harter Alkohol in allen möglichen Farben.
Maurus Ebneter, Vorstandsdelegierter des Wirteverbands, spart auch auf Nachfrage der BaZ nicht mit Kritik: «Seit es diesen Shop gibt, hat sich das Bild in der Steinenvorstadt verändert.» Und zwar nicht zum Guten: «Man sieht mehr betrunkene Jugendliche als früher, die Probleme mit ihnen haben zugenommen.» Während der letzten Monate hätten sich viele Mitglieder bei ihm beschwert.
Mehr Securitas nötig
Einer von ihnen ist Manuel Alvarez, Geschäftsführer vom «The Venue Club & Lounge» in der Nummer 58: «Die Jugendlichen besetzen Plätze an unseren Tischen, bestellen sich eine Cola und schütten ihre Spirituosen hinein.» Das sei alles andere als erfreulich. «Manchmal schmuggeln sie sogar Alkoholflaschen in den Club.» Deshalb brauche der Club heute zum Beispiel mehr Securitas-Mitarbeiter als früher. Ein anderer ist Astrit Dervishay, Geschäftsführer der Caffè Bar Lounge Bücheli in der Nummer 50. Ihm gefällt nicht, dass die Jugendlichen nach 10 Uhr noch Alkohol zum Take-away-Preis kaufen können und sich deshalb auch nach 2 Uhr noch in der Steinen aufhalten.
Was sie und der Wirteverband jedoch nicht wissen: dass seit zwei Wochen alles anders ist. Der Avec-Shop schliesst um 22 Uhr seine Türen – so wie es sich die Barbetreiber und viele andere wünschen. Hintergrund für die kürzeren Öffnungszeiten ist, dass sich die Baurekurskommission Basel-Stadt kürzlich mit der Frage beschäftigte, ob «Avec» ein Laden oder ein Restaurationsbetrieb ist. Denn genau das ist das Faktum, das über die Öffnungszeiten entscheidet: Ist ein Betrieb vorwiegend auf den Verkauf von Waren ausgerichtet, muss er wie alle anderen Quartierläden, die als Familienbetriebe gelten, um 22 Uhr schliessen. Ist er allerdings ein Restaurationsbetrieb, darf er bis 2 Uhr offen haben.
Laden oder Restaurant?
Dem Wirteverband ist bekannt, dass ein Verfahren läuft. Denn er hat Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, in einem Brief auf die Zustände in der Steinen aufmerksam gemacht. «Wir haben ihn gebeten, etwas dagegen zu tun», sagt Ebneter. In der Antwort des Regierungsrates, die der BaZ vorliegt, steht, dass den Behörden die Situation nur allzu gut bekannt sei und dass ein Rekursverfahren bei der Baurekurskommission zum Fall hängig sei. Die Baurekurskommission will sich zum Verfahren nicht äussern. «Wir vermuten aber», sagt Ebneter vom Wirteverband, «dass die Baurekurskommission den ‹Avec› als Laden eingestuft hat und ‹Avec› dieses Urteil nun angefochten hat.»
Diese Interpretation bestätigt Antonina Stoll, Leiterin Bereich Arbeitsbedingungen beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Und sie erklärt, wie es so weit gekommen ist: Nachdem «Avec» 2009 die Bewilligung für einen Restaurationsbetrieb erhalten habe, habe das Arbeitsinspektorat, das für den Vollzug des Ladenschlussgesetzes zuständig ist, das Konzept des Avec-Shops nochmals überprüft. Darauf sei ihm die Restaurationsbewilligung Ende 2010 wieder entzogen worden. «Wir stellten fest, dass der ‹Avec› entgegen seinem anfänglichen Beschrieb ein Laden und kein Restaurant ist», sagt Stoll. Entscheidend bei dieser Einstufung sei das Erscheinungsbild: Um als Restaurant durchzugehen, reichten eben ein paar Stühle und ein Tisch nicht aus. Deshalb stufte das Bauinspektorat ‹Avec› als Laden ein.
Urteil weitergezogen
«Gegen diesen Entscheid hat der Kioskkonzern Valora, zu der die Avec-Shops gehören, rekurriert», sagt Stoll. «Die Baurekurskommission Basel-Stadt hat unseren Entscheid nun aber gestützt.» Damit ist freilich noch nichts entschieden, da Valora das Urteil der Baurekurskommission weitergezogen hat. Nun ist es Sache des Verwaltungsgerichts, den nächsten Entscheid in der Causa Avec zu fällen. Valora wollte gestern keine Stellung nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, so Ursula Wulfsen von der Kommunikationsabteilung. Mitarbeit: David Weber (Basler Zeitung)
Erstellt: 05.08.2011, 02:21 Uhr
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39 Kommentare
Als 30 Jähriger nur noch hin und wieder ausgehender meide ich die Steinen mittlerweile schon eine Weile, weil sich um den Laden rum wirklich extrem viele angetrunkene und aggressive Gestalten herumtreiben! Mensch, wir sind doch im kleine Basel und nit in der Bronx... Antworten
"Ein anderer ist Astrit Dervishay, Geschäftsführer der Caffè Bar Lounge Bücheli in der Nummer 50. Ihm gefällt nicht, dass die Jugendlichen nach 10 Uhr noch Alkohol zum Take-away-Preis kaufen können"
Sonst gehts noch?! In jedem normalen Land kann man rund um die Uhr einkaufen, blos in der Bünzlischweiz nicht.
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