Basel

BVB dulden keine Atheistenwerbung

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) lehnen Werbung mit dem Slogan «Da ist wahrscheinlich kein Gott» ab. Die Freidenker-Vereinigung Schweiz findet das inkonsequent, weil das Credo-Tram der evangelisch-reformierten Kirche bewilligt wurde.

Weil die Verkehrsbetriebe deutscher Städte ihre Message ebenfalls ablehnten, tourten die Atheisten mit diesem Bus durch Deutschland. (Foto: www.buskampagne.de)

Weil die Verkehrsbetriebe deutscher Städte ihre Message ebenfalls ablehnten, tourten die Atheisten mit diesem Bus durch Deutschland. (Foto: www.buskampagne.de)

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Die Freidenker-Vereinigung Schweiz hatte grosse Pläne: Auf Bussen und Trams in zehn Städten sollten Werbeaufkleber mit dem Slogan «Da ist wahrscheinlich kein Gott» prangen. So wie es vor Kurzem in London der Fall war. Dort fuhren Doppeldeckerbusse mit der englischen Variante der Atheistenwerbung herum.

Hierzulande ist dies nicht möglich. «In keiner Schweizer Stadt waren die Betreiber des öffentlichen Verkehrs bereit, diesen Werbeauftrag anzunehmen», sagt Reta Caspar von der Freidenker-Vereinigung Schweiz. In Basel findet sie dies besonders stossend. Der Grund: Seit bald einem Jahr ist das sogenannte Credo-Tram auf dem Basler Schienennetz unterwegs. Dieses wirbt für die evangelisch-reformierte Kirche. «Das ist ungerecht – hier liegt eine bevorzugte Behandlung der reformierten Kirche vor», sagt Caspar.

Anstössige Reklame?

«Von Ungleichbehandlung kann nicht die Rede sein», entgegnet Dagmar Jenny, Sprecherin der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) auf Anfrage der BaZ. In den allgemeinen Vertragsbedingungen für Werbung stehe, dass anstössige Reklamen abgelehnt werden könnten. Das sah die BVB im aktuellen Fall erfüllt.

Hingegen seien Plakate der Freidenker-Vereinigung, die auf eine Veranstaltung zum Thema «Leben ohne Religion» hinwiesen, bewilligt worden. «Anders als beim reinen Slogan kann der Fahrgast hier selbst teilnehmen, sich eine eigene Meinung bilden und diese schliesslich auch äussern», sagt Jenny. Auch den Machern des Credo-Trams hätten die BVB gewisse Auflagen gemacht. So musste beispielsweise auf religiöse Symbole und das Wort «Amen» verzichtet werden.

Ganz verbieten wollten sie die Kirchenwerbung nicht. «Die soziale Tätigkeit der Kirche steht im Vordergrund», begründet Jenny. Ausserdem sei die evangelisch-reformierte Kirche in Basel stark verankert. «Sie wird sogar in der Kantonsverfassung genannt», so Jenny.

Dieses Argument will Caspar nicht gelten lassen: Schliesslich habe es in Basel etwa gleich viele Konfessionslose wie Protestanten. «Natürlich ist nicht jeder Konfessionslose ein Atheist», räumt Caspar ein. «Aber es ist auch nicht jeder, der bei der Volkszählung 'protestantisch' ankreuzt, ein Gläubiger.»

Enormes Medienecho

Ob die Werbung der Freidenker nun auf den Basler Trämli und Bussen kleben, spielt inzwischen gar keine so grosse Rolle mehr: Immerhin habe die Kampagne die Öffentlichkeit sensibilisieren und öffentliche Stellungnahmen provozieren können, sagt Caspar. «Mehr Medienecho als wir es hatten, kann man wohl kaum haben – für ein Plakat, das noch keiner gesehen hat.»

Ab 28. Oktober hängen über die ganze Schweiz verteilt mehr als 200 Plakate mit dem Aufdruck «Da ist wahrscheinlich kein Gott» – 32 davon in Basel. Und zumindest für diese hat Caspar den Segen der Basler Behörden. André Frauchiger, Sprecher des Tiefbauamts, sagt: «Das Plakat ist diskutabel, ist aber nicht diffamierend und kann deshalb auch aufgehängt werden.»
(Mitarbeit: los) (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.10.2009, 14:02 Uhr

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5 Kommentare

Wehlan Martin

13.10.2009, 15:52 Uhr
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Meinetwegen können die Atheisten so viel Werbung machen wie sie wollen. Das Restrisiko, dass es doch einen Gott gibt, ist völlig ausreichend. Kein Christ muss Gott verteidigen. Das kann Gott ganz allein. Es reicht, wenn die Kirche auf das Restrisiko hinweist. Also sollte sich die Kirche an dem Plakat der Freidenker beteiligen. Antworten


Markus Schwarz

13.10.2009, 00:01 Uhr
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Anstössig ist das BVB-Plakatverbot zu Lasten der Freidenker und nicht das Plakat für freies denken. Offensichtlich gibt es zwei Plakatgesetze im Kanton Basel-Stadt: Im öffentlichen Raum ist das Freidenker-Plakat erlaubt und im öffentlichen Verkehrsmittel nicht. Welcher verantwortliche BVB-Kirchenjünger hat diesen grotesken Entscheid getroffen und damit 10'000-ende Ungläubige diskriminiert? Antworten


Adrian Engler

12.10.2009, 16:55 Uhr
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In BVB-Fahrzeugen habe ich oft christliche Werbung gesehen - manchmal waren es diffamierende Bibelsprüche, die sinngemäss aussagten, man müsse an Jesus Christus glauben, sonst sei man verloren. Im Sinne der Meinungsfreiheit wäre ich bereit, solche Propaganda zu akzeptieren, aber vollkommen inakzeptabel ist es, wenn die BVB religiöse Propaganda akzeptieren, Werbung der Freidenker aber nicht. Antworten


Pat Merz

12.10.2009, 14:41 Uhr
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Wer definiert, wann ein Plakat "anstössig" ist und wann nicht? Ich zum Beispiel finde die Plakate mit den gelben Bibelzitaten auf blauem Hintergrund anstössig und diskriminierend, weil sie Nichtgläubigen unterstellen, keine "vollständigen" Menschen zu sein ... Müsste man m.E. dann auch verbieten. Antworten


Adrian Rudin

12.10.2009, 08:42 Uhr
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Ich finde Werbung in beider Richtung eher Bloedsinn. Aber wenn die Kirch "Fuer Gott" Werben darf, dann duerfen andere auch "Gegen Gott" Werben. Alles andere waere diskriminierend! Antworten



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