Basel

Basel erwacht aus der Eiszeit

Von Michel Schultheiss. Aktualisiert am 14.02.2012 4 Kommentare

Welche Auswirkungen hatten die zwei Wochen Minustemperaturen auf das Spital, den Zolli sowie auf den Strassen- und Tramverkehr? Und wie haben sich Obdachlose durch diese frostigen Tage geschlagen? Baz.ch hat nachgefragt.

1/20 Ein Highlight im Zolli während den verschneiten Tagen: Mit ihrem dicken Fell sind die beiden Schneeleoparden bestens gerüstet für kalte Wintertage.
Bild: Zoo Basel

   

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Nach zwei frostigen Wochen überschreitet Basel nun die Nullgradgrenze. Während der Kältewelle sehnte sich ein mancher nach einer warmen Stube – auch diejenigen, die nicht über eine solche verfügen. Dennoch sei bei der Notschlafstelle die Anzahl Belegungen in den letzten zwei Wochen unverändert geblieben, heisst es bei der Sozialhilfe Basel-Stadt. Anders klingt es jedoch beim Männerheim der Heilsarmee. Während den Kältetagen hätten mehr Leute Unterschlupf gesucht. Es handle sich dabei meist um Rumänen, berichtet Philipp Joss vom Männerheim. Im Gegensatz zur kostenpflichtigen Notschlafstelle könne man ihnen bis zu drei Tagen gratis Unterkunft bieten.

Eine erhöhte Nachfrage gab es auch bei der Wärmestube«soup & chill». Rund 30 bis 40 Prozent mehr Leute seien dort betreut worden, sagt Co-Leiter Andreas Tännler. Pro Tag hätten sich bis zu 130 Leute, ein gutes Drittel davon Obdachlose, zum Container beim Bahnhof SBB begeben. Zudem werden seit drei Wochen Gutscheine für die Notschlafstelle abgegeben, da es angesichts der Minustemperaturen nicht ausreiche, Schlafsäcke zu verteilen. Es sei allerdings falsch, nur der Kälte die Schuld für diesen Andrang in die Schuhe zu schieben, betont Tännler. Verschiedene Faktoren wie die Asylproblematik und die Lücken im Angebot für Obdachlose seien ebenfalls für die Engpässe beim «soup & chill» verantwortlich. Die Kälte habe das Ganze aber noch verschärft. Was den Obdachlosen ebenfalls zu schaffen mache, sei die seit einer Woche grassierende Grippewelle. Da diese Leute jeweils am Morgen die Notschlafstelle verlassen müssen, hätten sie tagsüber keine Bleibe, um die Krankheit auszukurieren. Die Einrichtung eines Krankenzimmers wäre daher erstrebenswert, meint Tännler.

Rund 20 Glatteis-Opfer am ersten Wochenende

Der Anstieg von Viruserkrankungen in Lunge und Bronchien war auch im Spital bemerkbar. «Wegen der Kälte fahren mehr Leute mit den öffentlichen Verkehrsmittel, diese stehen dann in Bus und Tram näher zusammen und stecken sich rascher an – das merken wir deutlich», meint Andreas Bitterlin, Sprecher des Universitätsspital Basel. Vermehrt ins Spital eingeliefert worden seien in den letzten Tagen auch Asthmatiker mit Atemnot: Die Kälte verstärke die Symptome der Atemwegserkrankung. Es seien auch deutlich mehr Sturzopfer als sonst im Unispital behandelt worden – insbesondere nach dem Kälteeinbruch vorletztes Wochenende, als rund 20 Glatteis-Opfer im Unispital landeten. «Das kalte Wetter hat sich bemerkbar gemacht», betont Bitterlin. Kälteopfer seien jedoch keine eingeliefert worden.

Kein Ausbüxen der Rentiere über die Eisfläche

Im Gegensatz zu manchen Zweibeinern reagierten die Tiere gelassen auf die Kälte. Zolli-Mediensprecherin Tanja Dietrich berichtet: «Wir sind auf Kälte eingestellt. Es gibt geheizte Ställe für jene Tiere, die die Kälte nicht so gut ertragen. Wir mussten aber bei jenen Gewässern aufpassen, die als Abgrenzung für die Tiere dienen: Bei den Bisons und den Rentieren mussten wir die Teiche und Bäche aufbrechen, damit sie nicht frei herumspazieren können.» Die Kälte habe aber auch für Highlights gesorgt. So habe der Marsch der Pinguine sehr viele Leute angezogen. Auch die Schneeleoparden-Teenager, welche den Schnee in vollen Zügen genossen, hätten einige Besucher in den Zolli gelockt.

Keine Rede von einem Anstieg der Verkehrsunfälle

Im Strassenverkehr habe es eher weniger Unfälle gegeben, meint der Basler Polizei-Sprecher Klaus Mannhart. Die Automobilisten hätten sich auf die Verhältnisse eingestellt und seien vorsichtiger gefahren. Es sei auch zu deutlich weniger Lärmreklamationen gekommen. Sein Baselbieter Kollege Meinrad Stöcklin beobachtet auch keine gravierenden Folgen der Temperaturen: «Es handelt sich um die gleichen Phänomene wie jedes Jahr.» Es spiele keine Rolle, ob die Temperaturen nun -2° oder -15° betragen. Zu Beginn der Kältewelle habe es zwar erhöhte Unfallzahlen gegeben und es seien auch Fahrzeuge mit vereisten Scheiben unterwegs gewesen. Je länger die Kältephase aber andauere, desto mehr gewöhnten sich die Leute daran. Die Kälte tat aber den derzeit hohen Einbruchszahlen keinen Abbruch.

Komplimente für die BVB

Bei der BVB wird nach der Kälteperiode eine durchwegs positive Bilanz gezogen. Die Verkehrsbetriebe hätten sogar Komplimente für das schnelle Räumen der Haltestellen erhalten, berichtet Pressechefin Dagmar Jenny. Die Tramlinien seien auf die Kälte vorbereitet, so etwa mit Frostschutzmittel auf den Fahrleitung und beheizten Weichen. Einzig auf dem Bruderholz sei eine Fahrleitung gerissen, sagt Jenny. Auch bei der SBB können noch keine Kälteschäden ausgemacht werden. Mediensprecher Daniele Pallecchi kommentiert dazu: «Wir mussten mehr Geld für die Heizungen in den Zügen und für die insgesamt 360 Mitarbeiter ausgeben, die im Winter für kurzfristige Einsätze bereit stehen. Tendenziell hatten wir wegen der Kälte mehr Fahrgäste unter der Woche und dafür weniger Freizeitreisende.»

Strassenschäden sind noch nicht sichtbar

Auch für die Strassen waren die Auswirkungen des Wetter nicht allzu dramatisch. «Eigentlich hatten wir einen milden ersten Teil des Winters – deshalb haben wir bis jetzt insgesamt noch sehr wenig Salz auf den Strassen gebraucht,» meint Urs Hess, Strasseninspektor des Kantons Baselland. Erst in den vergangenen kalten Wochen hätte man nun den Winterdienst auf den Strassen im gewohnten Rahmen durchführen müssen. Da das Wetter aber nach den anfänglichen Schneemassen relativ trocken blieb, habe man keine Probleme gehabt; auch nicht wegen dem eingeschränkten Winterdienst auf gewissen Kantonsstrassen. «Die Leute haben diese Massnahmen akzeptiert», sagt Hess.» Was die Strassenschäden betrifft, so kämen diese erst zu Tage, wenn das Eis wieder auftaut. Je älter die Strassen, desto grösser werden wohl die Schäden sein, welche das gefrorene Wasser in den Schlaglöchern und Rissen der Kantonsstrassen angerichtet habe. Allerdings rechnet Hess auch hier mit keiner Häufung von Schäden – diese würden sich wohl in gewohnten Rahmen bewegen.

Eine ähnliche Meinung vertritt Andreas Flück, der beim Tiefbauamt Basel-Stadt verantwortlich ist für den Strassenunterhalt: «Die Kälteperiode ist kein Problem für die Strassen, Sorge bereitet uns eher der mehrfache Wechsel von wärmeren und kälteren Phasen», sagt Flück. Wie gross die Schäden sind, lasse sich gemäss Flück noch nicht abschätzen. Er rechnet jedoch nicht mit überdurchschnittlich vielen Frostschäden – sofern die Temperaturen nicht noch all zu Wechselhaft werden. «Jetzt hoffen wir, dass es Frühling wird», lacht er.

Mitarbeit: Lukas Bertschmann, Joel Gernet und Fabian Kern.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.02.2012, 14:11 Uhr

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4 Kommentare

Hurni Fritz

14.02.2012, 15:09 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich (und viele viele andere) musste am Montag vor einer Woche morgens um 08:15 ca. 30 Minuten in der Eiseskälte auf den 3er warten am Burgfelderplatz. Nimmt das die BVB auch unter "wir waren gut vorbereitet auf die Kälte"? Die Beschreibung von Frau Jenny klingt gut, einige Passgiere haben es anders erlebt. Antworten


Martin Burgi

15.02.2012, 00:24 Uhr
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Naja, beim Räumen ist die BVB leider auch an einigen Stellen seit Jahren sehr nachlässig, bzw. kommt Ihrer Verpflichtung nicht nach. Z.B. Endstation 3er Burgfeldergrenze. Der Zugang (Trottoir des BVB Areals) zur Haltestelle, der Ganz klar in der Verantwortung der BVB liegt, wird seit Jahren nicht geräumt und das Glatteis ist dort sehr gefährlich und oft massiv. Antworten



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