Basel

Basel ist weiterhin ein weisser Fleck auf der Landkarte

Von Tilman Pauls. Aktualisiert am 12.10.2012 6 Kommentare

Vor zehn Jahren wurde die St.-Jakob-Halle eröffnet – die Verkörperung der Basler Eishockey-Träume. Eine Bestandesaufnahme.

25 Millionen Franken teuer, in nur elf Monaten erbaut. An der Halle liegt es wohl nicht, dass sich kaum ein Basler für den EHC interessiert.

25 Millionen Franken teuer, in nur elf Monaten erbaut. An der Halle liegt es wohl nicht, dass sich kaum ein Basler für den EHC interessiert.
Bild: Georgios Kefalas

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Basel. 12. Oktober 2002. Es sind gerade erst 197 Sekunden gespielt, als Stürmer Rolf Badertscher den Puck so ablenkt, dass er den Weg ins Tor findet. Etwas mehr als drei Minuten hat es gedauert, bis sich die 6330 Zuschauer in der St.-Jakob-Arena zum ersten Mal aus ihren blauen Sitzschalen erheben.

Premiere

Zwei Stunden später ist alles vorbei, die St.-Jakob-Arena hat ihren ersten Einsatz erfolgreich hinter sich gebracht. Der EHC Basel hat deutlich 4:0 gegen Olten gewonnen, das Publikum den Heimweg angetreten. Es ist ein guter Abend für die Spieler. Für den Club soll er der Startschuss in eine noch bessere Zukunft sein. Ein erfolgreicher Auftakt in eine Ära, die das Basler Eishockey aus den Niederungen der zweithöchsten Spielklasse befreien soll.

Die modernste Eishalle des Landes steht jetzt in Basel. 25 Millionen Franken teuer, in nur elf Monaten erbaut.

Einige Tage zuvor

EHC-Präsident Michael Geiger steht inmitten der Baustelle in der Brüglinger Ebene und kann seinen Stolz nicht verbergen. Er erzählt vom «Business-Plan» des EHC, während hinter ihm die Fangnetze montiert werden. Geiger präsentiert den Sechsjahresplan: Innerhalb dreier Jahre «muss» der Sprung in die Nationalliga A gelingen. Geiger geht die einzelnen Schritte durch. Erstes Jahr: Platz 4 in der Meisterschaft, dann Halbfinal. Zweites Jahr: «Wir sind jetzt zum Erfolg verdammt», Meister der Nationalliga B. Drittes Jahr: Aufstieg.

Jetzt sei der Zeitpunkt, diesen Weg zu gehen. Der Bau des Stadions sei die Gelegenheit. Jetzt oder nie. Volles Risiko.

Bern, Sitz der Nationalliga

Werner Kohler, damals noch Präsident des Schweizerischen Eishockeyverbands, sitzt in seinem Büro und spricht über die Landkarte des Eishockeys. «In der Westschweiz sind wir gut abgedeckt, im Tessin und im Rest des Landes auch», sagt er. Nur in der Nordwestschweiz gebe es noch einen unbesiedelten Fleck. Er spricht von Basel. Es sei das letzte «Puzzleteil», das noch fehle zur Vervollständigung seiner Traum-Landkarte. Doch es dauere nicht mehr lange, dann sei auch Basel, dank neuer Arena, endlich erschlossen. Die Stadt sei bereit.

Die Euphorie ist greifbar in diesen Tagen, als der EHC seine neue Heimat nach vielen Jahren auf der «Kunschti» Margarethen bezieht. Plötzlich ist von internationalen Turnieren die Rede, Auftritten der Nationalmannschaft, von Konzerten. Den Begriff «internationale Anziehungskraft» hört man oft. Die Basler Zeitung schreibt, dass die Sportfans der Region jetzt endlich eine Alternative mehr neben dem FC Basel haben. Schmuckstück ohne Zuschauer

Oktober 2012

Das Büro Stephan Musfelds sieht noch immer so aus wie vor zehn Jahren. An den Wänden seines Konferenzraums hängen die Bilder der St.-Jakob-Arena. «Ein Schmuckstück, noch immer», sagt er, der massgeblich an der Umsetzung des Projekts beteiligt ist. Er erinnert sich an die Zeit, als das Vorhaben ins Rollen kommt. 1999, als die «Genossenschaft Regionale Eissport­halle St. Jakob/Münchenstein/Basel» sich formiert. Musfelds Augen leuchten, wenn er erzählt. Vom Spatenstich, von den Aufstiegspartien gegen Lausanne. Er weiss noch, mit welcher Freude die Spieler damals die Kabinen bezogen.

«Der sportliche Erfolg ist ausgeblieben»

Aber Musfeld weiss auch, dass die Geschichte «seiner» Arena nicht nur eine erfolgreiche ist. Trotz der sensationellen Geschwindigkeit beim Bauen. «Der sportliche Erfolg ist ausgeblieben», sagt er. Zwar steigt der EHC mit dem Geld von Mäzen Rudolf Maag in die Nationalliga A auf. Aber es geht schnell wieder in die andere Richtung. Das erste Zwischenspiel in der höchsten Liga dauert eine Saison. Beim zweiten Mal sind es immerhin drei Spielzeiten.

Es ist die Zeit, in denen die Arena ihre besten Tage erlebt. In den Playoffs 2006 gegen Davos kommen mehr als 5000 Zuschauer in die Halle – mehr als zur gleichen Zeit in Zug oder Davos. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Erwartungen erfüllt, das Schweizer Eishockey hat sein letztes Puzzleteil gefunden.

Dann folgt der Abstieg

Mit der Rückkehr in die Zweitklassigkeit bleiben auch die Zuschauer aus. «Der Basler will NLA-Hockey. Und dort soll der EHC immer vorne mitspielen», sagt Geiger, wenn man ihn heute fragt, «mit Inseraten lockt man hier keinen zu einem Spiel zwischen Basel und Visp. Egal in welcher Halle.» Doch nicht nur der EHC als Hauptmieter des Stadions hat seine Probleme. Auch für andere Anlässe auf dem Eis lassen sich die Basler nicht begeistern.

Der Skoda-Cup findet in Basel statt, es kommen knapp 3000 Zuschauer. Bei der Curling-EM 2006 ist auch nicht viel los. Vom Sommerturnier des EHC ganz zu schweigen. Am 11. Februar 2007 spielt die Nationalmannschaft zum letzten Mal in der St.-Jakob-Arena. Weil selbst in Arosa, Sierre oder Herisau der Zuspruch grösser ist. Von der «internationalen Anziehungskraft» der Arena ist nach zehn Jahren nicht viel geblieben.

Es gibt Zuschauer, die seit mehr als 40 Jahren regelmässig zu den Spielen des EHC gehen. Selbst sie sind, wenn sie sich in der Halle umschauen, traurig ob der tristen Atmosphäre. Dann, wenn erneut nur 1000 Verlorene gekommen sind. Wenn wieder einmal Blau die dominierende Farbe ist – die Farbe der leer gebliebenen Sitze. «Es hat sich nichts von dem erfüllt, was man sich vor zehn Jahren beim Bau der Halle versprochen hat», sagt einer. Es klinge hart, das wisse er. Aber es sei die Wahrheit.

Grosses Verdienst der Macher

Es ist müssig, darüber zu diskutieren, warum die zehnjährige Geschichte der Basler Arena nicht nur eine erfolgreiche ist. Die Antwort darauf ist so bekannt wie simpel: Es fehlt der Erfolg. Auch wenn die Geschichte der Arena nicht mit der des EHC Basel gleichzusetzen ist – beide Wege sind miteinander verbunden. Nur der Erfolg des Clubs als Hauptmieter kann dafür sorgen, dass die Arena bessere Zeiten erlebt. Dem EHC – und dem Stadion – fehlt eine Generation, die sich nicht für den Sport interessierte, als die Basler in der 1. und der 2. Liga spielten. Das spürt man noch heute, es wird um Zuschauer gekämpft.

Das Argument, neben dem FC Basel könne kein Club bestehen, ist häufig zu hören. Aber stimmt das? Zu behaupten, der FCB lasse keinen Platz, weil er Zuschauer und Sponsoren absorbiere, ist einfach. Allerdings gab es auch Zeiten, als die Massen zum Eishockey pilgerten und der FCB vor 5000 Leuten spielte. Erfolg entscheidet, was gesehen wird. Nicht die Sportart. Nicht die Spielstätte.

Zumindest eine Chance

Die Geschichte der St.-Jakob-Arena jedoch als eine komplett erfolglose abzutun, wird der Arbeit der Initianten um Pio Parolini, Johannes Randegger und Musfeld nicht gerecht. Denn ohne ihr Engagement wäre das Stadion nie entstanden. Und das hätte von vornherein das Ende des Spitzeneishockeys in Basel bedeutet. Ob NLA oder NLB – ohne Arena wäre beides undenkbar.

Das Innenleben ist ein anderes Thema. Denn nach zehn Jahren muss man festhalten: Den Fleck auf der Landkarte, den man vor zehn Jahren ausradieren wollte, es gibt ihn noch immer. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.10.2012, 14:59 Uhr

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6 Kommentare

Ugo Fantozzi

12.10.2012, 16:07 Uhr
Melden 32 Empfehlung 3

Seit der Verein dieses komisches Tier aus dem Meer eingeführt hat, hat man einen Teil der Fanszene verloren. Sogar zu 1. Liga-Zeiten hatte man zum Teil mehr Zuschauer und das draussen auf der Kunschti. Antworten


René Kummerle

12.10.2012, 19:51 Uhr
Melden 21 Empfehlung 1

Vor 10 Jahren erbaut - und noch immer weiss die BaZ nicht das es St.-Jakob-Arena heisst und nicht St.-Jakob-Halle. Antworten



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