Basel
Basel rüstet sich gegen Amokläufe
Von Nadja Widmer. Aktualisiert am 28.01.2010 9 Kommentare
Vorbereitung: Die Basler Polizei will den Einsatz in Schulhäusern üben, wie ihre Churer Kollegen (Bild vom März 2009). (Bild: Keystone)
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Im Turnunterricht: Ein Schüler einer Mannschaft, die am Verlieren ist, erhält von einem Gegner einen Tritt ans Schienbein. Der Schüler sagt «du Arschloch» und wird vom Lehrer deshalb aus dem Spiel geschickt. Der Jugendliche wird wütend und droht: «Ich kill dich.» Szenen wie diese kommen im Schulalltag vor. Müssen solche Aussagen ernst genommen werden? Wie soll mit solchen Drohungen umgegangen werden?
Diese Fragen stellen sich auch die Basler Lehrkräfte vor dem Hintergrund der Amokläufe von Erfurt und Winnenden (D) immer wieder. Das Erziehungsdepartement (ED) und das Ressort Besondere Prävention der Kantonspolizei haben reagiert und den «Leitfaden Bedrohungsmanagement» verfasst. Dies als Vorsichtsmassnahme, Fälle von Beinahe-Amokläufen gab es in Basel bisher nicht.
Drohungen ernst nehmen
Der zwanzig Seiten umfassende Leitfaden enthält Checklisten, anhand derer Schulleitungen und Sicherheitsdelegierte Drohungen und Gefahrenpotenzial eines Schülers einschätzen können. Wurden Bedrohungen geäussert, in Zeichnungen oder Aufsätzen extreme Gewalt entdeckt, so kommt das neue Bedrohungsmanagement zum Zug: Drei Sicherheitsdelegierte (ausgewählte Personen aus Schulleitung, Lehrerteam und Abwart) des betroffenen Schulhauses erstellen unabhängig voneinander mithilfe der Checklisten aus dem Leitfaden eine Beurteilung.
Kommt die Gruppe zum Ergebnis, dass die Drohungen ernst zu nehmen sind, melden sie sich bei der dafür eingerichteten Helpline des Ressorts Besondere Prävention. Gewaltberater Martin Stocker und sein Team machen dann eine Expertenanalyse. «Durch die bisherigen Amokläufe und die Wissenschaft haben wir Erkenntnisse, die helfen, potenzielle Amokläufer zu erkennen», sagt Stocker.
In der Regel seien Amokläufer – im Fachjargon School Shooter genannt – eher Einzelgänger, fühlten sich verletzt und zeigten die Bereitschaft, Probleme mit Gewalt zu lösen. Auch eine gewisse selbstmörderische Komponente sei festzustellen, so Stocker.
Ein längerer Prozess
Wichtig ist für den Experten vor allem die Vorgeschichte der Amokläufe: Es gebe immer wieder kleinere Vorfälle, die im Nachhinein wie Puzzleteile wirken. «Amokläufe an Schulen passieren nicht aus dem Affekt heraus», sagt Stocker. Es sei ein längerer Prozess, bis aus der Idee eine Bluttat werde. «Wenn wir Krisen, die bei Teenagern nun mal vorkommen, rechtzeitig erkennen, können wir reagieren.»
Wird ein gefährdeter Schüler erkannt, gehe es nicht darum, ihn als Amokläufer abzustempeln. «Der Fall wird von Schulpsychologen und anderen Fachleuten begleitet», so Stocker. Ziel: eine Eskalation verhindern. Der Leitfaden wurde vergangenes Jahr erstellt, im November wurden die Sicherheitsdelegierten instruiert. Die Schulen können die Experten der Kantonspolizei für Vorträge vor dem Lehrerkollegium buchen. «Die Betroffenheit ist gross», sagt Stocker, der an diesen Anlässen zusammen mit den Interventionsverantwortlichen auftritt.
Durch die Beschäftigung mit dem Thema werde vielen Lehrern bewusst, dass ein Amoklauf auch in ihrer Schule geschehen könnte. In den Vorträgen erfahren die Lehrer auch, wie sie sich und ihre Klassen am besten im Zimmer verbarrikadieren oder dass sie sich einem Amokläufer nicht in den Weg stellen sollen.
Basel konzentriert sich nicht nur auf die Prävention. Die Polizisten trainieren seit Längerem, wie sie bei Fällen von School Shooting vorgehen müssen. Als Nächstes sollen Übungen in den Schulhäusern folgen – ohne Schüler. Bei all den Vorbereitungen und präventiven Massnahmen sind sich ED und Polizei in einem Punkt einig: Absolute Sicherheit wird es nie geben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 28.01.2010, 01:55 Uhr
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9 Kommentare
Uebungen sind das eine, aber die Wirklichkeit sieht anderst aus! Bei Drohungen sofort die Polizei einschalten und den Schüler/Schülerin wegsperren. Aber: bei unseren Richtern kommt sowieso nichts gescheites heraus. Man muss doch solche Kriminellen Jugendliche resp. junge Erwachsene verstehen und besser integrieren...ob CH oder Ausländer, das ist die Realität! Antworten
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