Basler Politiker wollen unten durch

Nach Leuthards Kritik an Wessels schliessen sich überraschend die Reihen hinter dem Verkehrsdirektor Politiker von rechts bis links sprechen sich für eine unterirdische Osttangente aus.

Die Strecke des Anstosses. Die rot eingezeichnete Osttangente zwischen Gellertdreieck und Schwarzwaldtunnel soll unterirdisch verlaufen.<br>Grafik BaZ/mm

Die Strecke des Anstosses. Die rot eingezeichnete Osttangente zwischen Gellertdreieck und Schwarzwaldtunnel soll unterirdisch verlaufen.
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Pure Eintracht in Basel: Nachdem Bundesrätin Doris Leuthard (Uvek) bei einem CVP-Anlass am vergangenen Montag ihren Missmut über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels (BVD) unverblümt kundtat, stellen sich die Basler Politiker unerwartet hinter ihren Verkehrsdirektor.

Leuthard forderte einen oberirdischen Ausbau der Osttangente (Nationalstrasse zwischen Gellertdreieck und Schwarzwaldtunnel), die durch Gellert, Breite und Kleinbasel führt. Der Basler Regierung warf sie in diesem Zusammenhang vor, sich für keine Lösung entscheiden zu können und damit den Baubeginn empfindlich zu verzögern.

Ungeschickterweise hatte Wessels Vorgängerin Barbara Schneider dem Bundesamt für Strassen (Astra) zwei Projektvorschläge zukommen lassen, einer davon die unterirdische Lösung. Erst im Mai 2011 folgte die konkrete ­Positionierung: Eine Basler Delegation überreichte Bundesrätin Leuthard die Petition zugunsten der Unterführungs-Lösung. Unterstützung fand diese von links bis rechts. Mit einem konkreten Vorschlag wurde sogleich nachgedoppelt: Der Süd-Nord-Verkehr sollte in einen unterirdischen Tunnel ausgelagert werden, während der Nord-Süd-Verkehr weiterhin oberirdisch verlaufen könnte. Ausgereift war diese Lösung, die laut Fachleuten etwa 3,5 Milliarden kosten dürfte, aber nicht. Hier setzt auch Leuthards Kritik an. Hätte man damals bereits konkreter geplant, würden heute die Chancen für einen Tunnel besser stehen.

Ein einig Volk von Tunnelbauern

SVP-Grossrat Bruno Jagher fasst die Basler Befindlichkeit zusammen: «Leuthard will sechs Spuren ober­irdisch. Wir wollen einen Tunnel.» Die Bundesrätin solle sich nach den Ansprüchen der Region richten und nicht danach, «was sie selber gern möchte». Grossrat Heiner Vischer (LDP) erinnert sich an eine Präsentation des BVD, bei der auch die angedachte Tunnelvariante dabei gewesen sei. Dann sei es nicht mehr weitergegangen. Warum, bleibt unklar. Am wichtigsten ist Vischer, bald mit Bauen zu beginnen. Grossratspräsident Christian Egeler (FDP) hält eine rasche Abwicklung des Projekts aber nur mit einer unterirdischen Lösung für möglich: «Eine oberirdische Variante wird beim Volk Schiffbruch erleiden.»

Sogar die Basler CVP steht hinter Wessels Politik: «Die Osttangente muss unterirdisch verlaufen, das ist die einzige Möglichkeit», sagt Grossrat Oswald Inglin. Wie seine Bundesrätin hat aber auch er den Eindruck, dass die Projekte im Bau- und Verkehrdsdepartement (BVD) nur langsam vorwärtsgehen: «Der Entscheidungswille beim BVD scheint nicht wahnsinnig gross, das ­Projekt Osttangente liegt seit Jahren auf dem Tisch.» Das liege aber auch am Konfliktpotenzial und dem finanzpolitischen Aspekt der Sache. Letzterer, befürchtet Inglin, sei auch der Grund für Leuthards klare Worte: «Man könnte dahinter ein taktisches Manöver des Bundesrats vermuten: Soll Basel den Aufpreis für die Tunnelvariante selber zahlen?» Über das Ziel sind sich alle einig. Viele zweifeln allerdings daran, ob dies mit Wessels Politik zu erreichen ist. Eine gestern eingereichte Interpellation von Inglin fordert beim Regierungsrat nämlich die Klärung von Leuthards Vorwürfen. Die Tunnelvariante soll nicht an politischen Fehlern scheitern.

Klar auf Leuthards Linie ist Christophe Haller, FDP-Grossrat und Präsident des TCS beider Basel: «Laut Fachleuten ist eine unterirdische Führung kaum möglich.» Zudem seien die verschiedenen Ausfahrten unklar, die Projektplanung würde sich dadurch um Jahre verzögern. Dabei sei eine schnelle Lösung das Wichtigste. Der Basler empfiehlt eine überdachte, oberirdische Lösung. «Beim Astra liegt ein baufertiges oberirdisches Projekt vor, nehmen wir es nicht an, laufen wir Gefahr, die Bundesgelder zu verpassen», sagt Haller.

Astra ist offen für alles

Hallers Angst scheint, vorerst, unbegründet. Das Bundesamt für Strassen (Astra) bestätigt, dass in Bern beide Varianten geprüft werden. Im Sommer werden zwei Lösungsvorschläge präsentiert. «Ohne Zustimmung aus der Region können wir solche Grossprojekte nicht bauen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Aber: «Für den Transitverkehr müssten wir nicht ausbauen, das Projekt entsteht für Basel.» Zwar liegt der Ball laut Rohrbach aktuell beim Astra, würde Basel aber einen neuen Vorschlag für die unterirdische Lösung bringen, sei das Astra bereit, zuzuhören. Eigeninitiative wäre empfehlenswert. Beide Varianten zu prüfen, heisst nicht, beiden Varianten zuzustimmen, sondern: Gegenargumente zu suchen.

Mitarbeit: Franziska Laur (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.05.2014, 06:52 Uhr

Umfrage

Der Nationalstrassenabschnitt zwischen Gellertdreieck und Schwarzwaldtunnel ist überlastet und muss ausgebaut werden. Soll die Osttangente mit der teuren Lösung unterirdisch verlaufen?

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57.9%

1596 Stimmen


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