Basel
Basler Sex-Markt auf der Probe
Von Nina Jecker. Aktualisiert am 13.10.2012 5 Kommentare
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Seit Langem strömten nicht mehr so viele Frauen nach Basel, um hier sexuelle Dienste anzubieten. Im laufenden Jahr haben die basel-städtischen Behörden bis Ende September 2796 Frauen aus EU- und Efta-Ländern registriert, die sich im sogenannten Meldeverfahren in Basel aufhalten oder aufgehalten haben. Das sind bereits nach neun Monaten mehr als im gesamten letzten Jahr (2722), als die Erweiterung der Personenfreizügigkeit für Staatsangehörige der EU-8 per 1. Mai bereits für einen markanten Anstieg sorgte.
«Momentan kommen viele Deutsche und Osteuropäerinnen, besonders aus Rumänien und Ungarn, hierher, um den hiesigen Markt zu testen. Manchmal bleiben sie nur ein paar Tage, manchmal länger», sagt Sicherheitsdepartementssprecher Martin Schütz. Viele kommen mehrmals wieder, wobei sie sich erneut beim Kanton melden müssen. Mehrfachmeldungen sorgen denn auch dafür, dass die Gesamtzahl der Meldungen im laufenden Jahr bei 4822 liegt. Ein solches Meldeverfahren ist möglich für Personen aus dem EU-Raum und berechtigt ohne Arbeitsbewilligung zur Ausübung der Prostitution während 90 Kalendertagen innerhalb eines Jahres.
Ein Dutzend Puffs mehr
Zu den gemeldeten Frauen kommen sogenannte Pseudo-Touristinnen, die angeblich nur eine Reise in die Schweiz machen und hier dann auf den Strich gehen, anstatt Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Zur Anzahl gibt es hier nur Schätzungen. «Letztes Jahr gingen wir von ungefähr 350 Frauen aus», sagt Schütz. Die Einreise als Touristin nützen beispielsweise Frauen aus sogenannten Drittstaaten, also Ländern ausserhalb der EU und Efta. Denn für sie gibt es weder ein Meldeverfahren noch bekommen sie eine Arbeitsbewilligung für Basel-Stadt. «Genau wie ein Hilfskoch aus Thailand keine Bewilligung erhält, gilt das auch bei Prostituierten», sagt Hansjürg Dolder, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt. «Hier gilt der Grundsatz, dass einheimische Arbeitskräfte oder solche aus der EU Vorrang haben.»
Nicht nur die Zahl der Sexarbeiterinnen, sondern auch die der Salons, in denen die Frauen arbeiten, hat zugenommen. 2011 gab es in Basel deren 225, dieses Jahr werden in 237 Etablissements sexuelle Dienste angeboten – etwa je zur Hälfte auf das Gross- beziehungsweise Kleinbasel aufgeteilt. Ein Teil der Prostituierten lacht sich die Freier aber gleich auf der Strasse an. 2011 waren der Polizei 85 solcher Frauen bekannt, vor allem Drogenkranke aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland. Strassenprostitution – gemeint ist das Anwerben der Kunden – wird in Basel-Stadt nur in bestimmten Zonen toleriert. Diese sogenannten Toleranzzonen finden sich beim Bahnhof Wolf sowie in Teilbereichen der Ochsen-, Webergasse und dem Teichgässlein im Kleinbasel.
Konkurrenz drückt die Preise
Die neu anreisenden Frauen sorgen für einen immensen Konkurrenzdruck im Milieu. Dieser verleitet die eine oder andere Sexarbeiterin dazu, ausserhalb der Toleranzzonen auf Kundenfang gehen zu wollen. «Es gibt immer wieder Versuche, auch ausserhalb der erlaubten Areale anzuschaffen», sagt Schütz. Die Polizei reagiert darauf mit verstärkten Kontrollen und einer «Vergällungstaktik»: Freier, die vom Auto aus Ausschau nach einer Gespielin halten, werden beispielsweise für «unnötiges Herumfahren» gebüsst.
Als zweite Konsequenz unterbieten sich die Frauen gegenseitig mit ihren Angeboten. «Die Preise sind massiv unter Druck geraten», sagt Schütz. Um am Ende des Tages auf den gleichen, sogenannten «Dirnenlohn» zu kommen, müssen die Frauen heute also deutlich mehr Männer bedienen als noch vor ein paar Jahren.
Freier erpressen Prostituierte
Weit gefährlicher ist aber, dass die Freier die Frauen aufgrund der grossen Konkurrenz erpressen können, was Sexpraktiken und Schutzmassnahmen angeht. «Es gibt Männer, die die Situation der Frauen ausnützen, beispielsweise auf Sex ohne Kondom bestehen und dafür etwas mehr Geld anbieten», weiss Daniel Stolz, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Basel. Die Frauen, die den Verdienst brauchen, um ihre Familien durchzubringen, viel Geld einem Zuhälter abgeben oder überhöhte Mieten für ein Zimmer bezahlen müssen, können da nicht immer Nein sagen. «Die Situation ist wie ein brodelnder Vulkan. Noch sind beispielsweise die HIV-Ansteckungen rückläufig. Aber das kann sich dadurch natürlich ändern», sagt Stolz.
Mit Präventionsarbeit auf der Strasse will die Aids-Hilfe das Schlimmste verhindern. Die Prostituierten werden beispielsweise von Mediatorinnen über ihre Rechte aufgeklärt. Aber auch die Freier selbst sind im Fokus. Ein Mitarbeiter der Aids-Hilfe spricht sie im Rahmen des Projekts Don Juan an und weist die Männer auf ihre Verantwortung sich selbst, den Sexarbeiterinnen, aber auch der Partnerin zu Hause gegenüber hin. (Basler Zeitung)
Erstellt: 13.10.2012, 11:37 Uhr
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5 Kommentare
" «Die Preise sind massiv unter Druck geraten», sagt Schütz. Um am Ende des Tages auf den gleichen, sogenannten «Dirnenlohn» zu kommen, müssen die Frauen heute also deutlich mehr Männer bedienen als noch vor ein paar Jahren." Und jetzt? Ist doch im gesamten CH-Arbeitsmarkt mittlerweile so. Prostitution ist ein Beruf wie jeder andere, wie die Damen selber immer wieder betonen. PFZ sei Dank. Antworten
Und warume schreibt niemand was zu den unzählilgenn Indischen Pseudo Touristen, die sich in einer typisch Baslerischen Industrie "prostituieren"? Da werden massenweise Arbeitsplätze für gute, einheimische IT-Fachleute vernichtet! Dort macht niemand Razia... Dafür gibt es keine Statistik! Antworten
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