Basel

Basler fühlen sich weniger sicher

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 20.12.2011 51 Kommentare

Ein Städtevergleich zeigt: In Zürich haben die Bewohner weniger Angst, ein Kriminalitätsopfer zu werden.

Sicherheitsempfinden. In Basel hat sich die Zahl jener, die sich auf der Strasse unsicher fühlen, verdreifacht. In Zürich (r.) hat sich das Gefühl von Sicherheit im öffentlichen Raum verbessert.

Sicherheitsempfinden. In Basel hat sich die Zahl jener, die sich auf der Strasse unsicher fühlen, verdreifacht. In Zürich (r.) hat sich das Gefühl von Sicherheit im öffentlichen Raum verbessert.
Bild: Roland Schmid/Keystone

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Von Samstagabend bis Montagmorgen kam es in Basel zu sechs Raubüberfällen. Vier davon ereigneten sich am frühen Sonntagmorgen zwischen Messeplatz und Bahnhof SBB. «Wir stellen im Moment eine Häufung von Strassenüberfällen fest», sagt Markus Melzl, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. In den vergangenen drei Monaten hat die Staatsanwaltschaft 24-mal von Raubüberfällen berichtet, wobei die Öffentlichkeit nicht über alle Delikte informiert wird. Bei den meisten Raubüberfällen wurden die Opfer verletzt.

Ob die Strassenkriminalität im Jahr 2011 statistisch zu- oder abgenommen hat, wird die Staatsanwaltschaft im kommenden Frühjahr im Rahmen der jährlichen Kriminalstatistik aufzeigen. Eines hingegen ist jetzt schon klar: Das Sicherheitsempfinden der Basler nimmt ab. «Bei der Sicherheitswahrnehmung nachts draussen im Quartier zeigt sich im Städtevergleich ein niedriger Wert für Basel», sagt Madeleine Imhof, Leiterin des Statistischen Amtes Basel-Stadt, zum jüngsten Vergleich zwischen den Deutschschweizer Städten Zürich, Bern, Winterthur und Basel.

«Unsicherheit wird geschürt»

Gut ein Drittel der Basler geben an, sich nachts im eigenen Quartier nicht mehr sicher zu fühlen, wenn sie zu Fuss unterwegs sind. Während sich 74 Prozent der Berner, 79 Prozent der Zürcher und 80 Prozent der Winterthurer positiv zum Thema Kriminalität und Sicherheit im öffentlichen Raum äusserten, waren es nur 62 Prozent der Basler. Demgegenüber stehen die 88 Prozent der Basler, die 2003 noch angaben, sich sicher zu fühlen.

Was ist in den vergangenen neun Jahren passiert? Für Jürg Stöcklin, Präsident der Basler Grünen, hängt das Umfrageresultat mit den Hauptproblemen zusammen, die eine Stadt beschäftigen. In Basel gebe es nicht so grosse Schwierigkeiten mit dem öffentlichen Verkehr oder Wohnungsnot wie in anderen Städten, deshalb habe die Kriminalität einen höheren Stellenwert, sagt Stöcklin. Für die SVP dagegen deckt die Bevölkerungsbefragung nur auf, «was schon längst Tatsache ist und die Regierung nicht wahrhaben will, nämlich dass Basel mit Kriminalitätsproblemen kämpft», sagt Sebastian Frehner, Präsident der SVP Basel-Stadt. Martin Lüchinger, Präsident der SP Basel-Stadt, hingegen findet eine Erklärung für das schlechtere Sicherheitsempfinden in der Themenauswahl der Medien: «Es lässt sich feststellen, dass die Berichterstattung die Aufmerksamkeit auf die Vorfälle fördert und die Unsicherheit schürt.» Aufgrund der Gewalt an den Wochenenden hat die SP vergangene Woche einen Vorstoss eingereicht, in dem sie mehr sichtbare Polizeipräsenz im Bereich Barfüsserplatz–Steinenvorstadt–Heuwaage verlangt. Diese Forderung unterstützt auch Lukas Engelberger, Vizepräsident der CVP Basel-Stadt. Er sagt: «Die Hotspots müssen besser überwacht werden.» Sebastian Frehner weist darauf hin, dass von der Kriminalität nicht nur die Innenstadt betroffen sei, sondern auch die anderen Quartiere.

Mehr sichtbare Polizeipräsenz

Jürg Stöcklin sieht zwar wie Martin Lüchinger einen Zusammenhang zwischen den Medienberichten und dem Sicherheitsempfinden, doch er registriert auch «einen Anstieg der Gewaltbereitschaft im öffentlichen Raum». Grundsätzlich sind sich alle grossen Parteien einig, wie die Politik auf das Unsicherheitsgefühl reagieren soll: Es braucht mehr sichtbare Polizeipräsenz. Die SP will das, die CVP, die FDP, die Grünen und die SVP.

Für die FDP steht jedoch nicht die Frage im Zentrum, wie unsicher die Stadt wo ist, sondern wie sie sich noch sicherer machen lässt. «Hier hat die Politik mit dem Beschluss, 45 Polizistenstellen mehr zu schaffen, sicher einen Schritt in die richtige Richtung gemacht», sagt Baschi Dürr, FDP-Grossrat. Von der Polizei erwartet Dürr mehr Flexibilität, dass sie auch dort eingesetzt wird, wo sie nötig ist. Zum Beispiel am Birsigparkplatz. Dort kam es innert zwei Wochen zu mehreren gewalttätigen Zwischenfällen. «Wir analysieren die Lage und passen unsere Strategie an», sagt Klaus Mannhart, Medienchef der Kantonspolizei Basel-Stadt. Mehr gibt es von Polizeiseite zum Thema nicht zu hören.

So einig sich die Parteien bei der Aufstockung des Polizeikorps zeigen, so unterschiedlich ist die Auffassung, wie viel mehr Polizei Basel denn wirklich braucht. Die Sicherheitsinitiative der SVP möchte 120 Stellen mehr, während der Gegenvorschlag der Regierung 45 zusätzliche Stellen vorsieht. SP, Grüne, FDP und CVP unterstützen diesen Gegenvorschlag. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.12.2011, 07:33 Uhr

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51 Kommentare

Werner Wagner

20.12.2011, 09:02 Uhr
Melden 53 Empfehlung

Wetten, dass wenn Jürg Stöcklin oder Martin Lüchinger mal selber von so einem Überfall betroffen sind, es dann ganz anders tönt. Hört mal auf mit der Verniedlichung. Basel hat ein Problem. Basta! Siehe Claraplatz, siehe Steinen, siehe Hauwaage, siehe St. Johann, siehe Gundeli. Die Aussage und das vermerken auf die Medienpräsenz und der damit verbundenen Angst der Bevölkerung sind ein Witz! Antworten


steve walker

20.12.2011, 07:57 Uhr
Melden 46 Empfehlung

Für den Lacher des Tages sorgt Jürg Stöcklin: Die Basler fühlen sich stärker durch Gewalt bedroht, weil der ÖV hier so gut funktioniert und der Leerwohnungsbestand etwas höher ist als in Zürich.
Ich habe schon viele faule Ausreden gehört, aber diese gehört wirklich in die Champions League.
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