Behördenpreis geht an enge Mitarbeiterin von Guy Morin

Melanie Imhof vom Präsidialdepartement bekam als «Wettbewerbssiegerin» 30 000 Franken vom Amt für Umwelt und Energie.

Fotoabdruck untersagt. Der Architekt von Melanie Imhof verbot der BaZ trotz öffentlichem Wettbewerb die Verwendung eines Projektfotos. Der Ausriss zeigt ein Bild der betreffenden Liegenschaft in der Basellandschaftlichen Zeitung.

Fotoabdruck untersagt. Der Architekt von Melanie Imhof verbot der BaZ trotz öffentlichem Wettbewerb die Verwendung eines Projektfotos. Der Ausriss zeigt ein Bild der betreffenden Liegenschaft in der Basellandschaftlichen Zeitung.

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Das Haussanierungsprojekt an der Feldbergstrasse 39 begeisterte die Fachjury und wurde in höchsten Tönen gelobt. «Die bereits grösstenteils umgesetzte Sanierung war dringend nötig und hat eine soziokulturell wertvolle und mit einfachen technischen Mitteln gelungene, verdichtete Wohn- und Arbeitsstätte geschaffen», heisst es im Bericht zum 3. Basler Modernisierungswettbewerb 2015. Das Projekt stelle zudem einen «wichtigen Beitrag der Standortaufwertung für die Feldberg­strasse und für die Stadt dar».

Für das Projekt an der Feldberg­strasse 39 sprach die Jury einen Beitrag von 30 000 Franken. «Mit einem Förderbeitrag sollen mögliche Massnahmen geplant und umgesetzt werden können, auf welche bisher aus finanziellen Gründen verzichtet werden musste, zum Beispiel eine Fotovoltaikanlage», schrieb die Jury weiter. Und: «Die Anerkennung der Jury gilt dem Engagement und der Kompetenz, mit der dieses Objekt zu einem Modellprojekt für zukunftweisendes, innerstädtisches Wohnen aufgewertet wurde.»

Im Sinne der Stadtentwicklung

Was die wenigsten wissen: Die staatlichen Preisgelder für «eine nachhaltige Gebäudemodernisierung» flossen in die Tasche von Melanie Imhof und ihrem Mann Marco von Orelli. Er ist Musiker, sie Informationsbeauftragte des Präsidialdepartementes und enge Mitarbeiterin von Guy Morin (Grüne), in dessen Departement auch das Stadtentwicklungsbüro angesiedelt ist. Die Stadtentwickler um Thomas Kessler haben zum Ziel, die Feldberg­strasse von ihrem Schmuddel- und Getto­image zu befreien, und planen an der Ecke Feldbergstrasse/Klybeckstrasse einen modernen Bau, der zur Aufwertung des Quartiers beitragen soll. Auf dem Weg zum Erreichen dieses Zieles ist dieses Projekt ein Meilenstein. Auch andere Projekte passen genau in das von Rot-Grün eingeschlagene Konzept: So wird etwa ein mit 100 000 Franken Preisgeld bedachtes Projekt ausgezeichnet, das Urban Farming oder eine Elektrotankstelle anlegen will und damit zu einer «geringen Motorisierung» im Quartier beiträgt.

In der Jury amtete der eben erst in den Ruhestand getretene Kantonsbaumeister Fritz Schumacher als Vorsitzender, ebenfalls Teil des Gremiums ist Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Amtes von Umwelt und Energie (AUE). Das AUE aus dem Departement von Christoph Brutschin (SP) vergibt diesen Preis.

Melanie Imhof sieht kein Problem und auch keine Unsensibilität darin, dass gerade sie als hohe Mitarbeiterin der Kantonsverwaltung von ebenjener einen Preis erhält, notabene für ein Projekt, das den Behörden hilft, ihre strategischen Stadtentwicklungspläne im Quartier zu verwirklichen. «Für mich besteht kein Zielkonflikt zwischen meiner Aufgabe im Präsidialdepartement und dem Preis. Die Teilnahmebedingungen waren klar umschrieben und wurden nicht von unserem Departement definiert.»

Man habe sich aufgrund der vom AUE verschickten Medienmitteilung beworben, sagt Imhof. Gerüchte, dass sie von AUE-Mitarbeitern ermuntert worden sei, am Wettbewerb teilzunehmen, weil der Wettbewerb Mühe hat, Bewerber zu finden, weist Imhof als falsch von sich.

«Herausragendes Beispiel»

Auch beim AUE weisen die Ver­antwortlichen einen Zusammenhang zwischen dem Preis, Melanie Imhof und den Stadtentwicklungsplänen von sich. «Beim Modernisierungswettbewerb geht es um die Würdigung herausragender Beispiele von Erneuerungen in Basel», sagt Dominik Keller. Wer immer die Vorgaben erfülle, so Keller, könne am Wettbewerb teilnehmen. «Mitarbeiter der Verwaltung sind nicht ausgeschlossen. Über das Erfüllen der Wettbewerbsvorgaben entscheidet die Jury, die sich mehrheitlich aus verwaltungsexternen Fachpersonen zusammensetzt.»

Keller legt Wert darauf, zu unterstreichen, «dass die Jury für das Projekt Feldbergstrasse einen Planungsbeitrag von 30 000 Franken für die Weiterentwicklung des Objekts ausgesprochen hat und somit die Leistungen der Architekten und Planer würdigt» und sich der Beitrag an die Architekten und Planer und nicht an die Eigentümer richte.

Für das AUE sind somit die Hauptadressaten des Wettbewerbs Architekten und Fachplaner sowie Investoren – nicht die breite Bevölkerung. «Die Hürde für die Teilnahme ist hoch, weil es um Vorzeigebeispiele geht, die auch ein grosses Mass an Innovation verlangen», sagt Dominik Keller. Die Preisgelder, die alle vier Jahre vergeben und vom Steuerzahler bezahlt werden, helfen aber nicht weiter, Fachplaner und Architekten zu begeistern: Bei der ersten Ausgabe des Preises wurden nur zwei Projekte eingereicht, bei der zweiten Ausgabe fünf und jetzt bei der dritten Ausgabe sieben.

Nichts für einfache Hausbesitzer

«Trotz Publikation im Magazin Hausbesitzer gingen beim Hauseigentümerverband wenig Rückmeldungen oder Rückfragen ein», sagt Andreas Zappalà vom Hauseigentümerverband Basel-Stadt (HEV). «Dies dürfte damit zusammenhängen, dass schon die Projektierung eines solches Projekts teuer ist und die finanziellen Möglichkeiten eines privaten Eigentümers mit einem kleineren bis mittelgrossen Mehrfamilienhaus – das klassische Mitglied des HEV – überschreitet.»

Das Preisgeld für den Wettbewerb wird aus dem vom Grossen Rat gesprochenen Kredit über 300 000 Franken für die «2000-Watt-Gesellschaft – Pilot­region Basel» ausgerichtet. Auf die Nachfrage der BaZ, ob sich dieser finanzielle Aufwand denn lohne, wenn das Interesse bei der Bevölkerung und den Planern so gering sei, hat das AUE nicht geantwortet. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.03.2015, 11:27 Uhr

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