Basel
«Bei der TV-Show bewirbst du dich für einen Job»
Interview: Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 02.02.2012
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In einwandfreiem Baseldeutsch beantwortet sie den Interview-Anruf: «Hallo, do isch Céline Huber.» Die 21-Jährige Lörracherin sang sich am Live-Wettbewerb im Fernsehen um die deutsche Vertretung am Eurovision Song-Contest (ESC) in Baku auf den zweiten Platz – vorerst. Die Casting-Show «Unser Star für Baku» von ARD und Pro Sieben geht heute Abend weiter mit Runde vier: Von den verbliebenen acht Kandidaten werden heute zwei im Rennen um die ESC-Teilnahme auf der Strecke bleiben.
Musisch von der Pike auf
Der zierlichen Sängerin, die im «Unternehmen Mitte» hinter der Bar steht, wurde Musik in die Wiege gelegt. Ihre musikalisch sehr aktiven Eltern, Walti und Moni Huber, haben sie schon früh gefördert: Nebst musikalischer Grundausbildung am Klavier und Gesangsunterricht singt Céline Huber seit ihrem 12. Lebensjahr in der Familien-Formation «Jetsam» – ganz im Folk-Stil.
In der Region ist Huber keine Unbekannte mehr. Sie sang etwa auf der kleinen Bühne im Burghof zur Eröffnung des Stimmenfestivals. Auch als Stimme der Pop-Rock-Band «7sins» war die 21-Jährige schon im Rampenlicht zu sehen.
Heute Abend um 20.15 Uhr tritt sie live auf. In der Show auf Pro Sieben möchte sie sich das Weiterkommen sichern. Der Weg ins Final ist allerdings noch ein weiter: Bis die letzten beiden Kandidaten am 16. Februar in der Finalshow gegeneinander antreten, warten nach heute noch fünf Mitbewerber und weitere drei Ausscheidungs-Shows auf die 21-Jährige.
Gegenüber baz.ch spricht Huber über ihre Erfahrungen bei der Fernsehshow, über ihren Bezug zu Basel und ihre Pläne.
Céline Huber, Was ist Ihre Motivation, an der Casting-Show mitzumachen?
Eigentlich bin ich ja solchen Ausscheidungsshows gegenüber recht skeptisch eingestellt. Andere solche Shows fand ich nie wirklich niveauvoll. Ich hatte oft den Eindruck, dass die Teilnehmer für die Shows ausgenommen wurden, ohne ein wirkliches Ziel zu haben. Bei «Unser Star für Baku» bewirbst du dich aber quasi für einen Job – nämlich am ESC in Baku (Aserbeidschan, Anm. d. R.) Deutschland zu vertreten. Das reizt mich sehr.
Bei der dritten Show vergangenen Donnerstag wurden Sie Zweite. Das Resultat war ja unglaublich knapp, was ging da in Ihnen vor?
Es ist nicht viel in mir vorgegangen, denn mein Herz blieb stehen. Ich habe einfach meinen zweiten Platz gesehen und gehofft, meine Leute bleiben dran mit anrufen.
Was denken Sie über das Bewertungssystem für die Kandidaten?
Die Blitztabelle ist es etwas knifflig: Während und gleich nach deinem Auftritt rufen viele Leute an. Dann nehmen die Anrufe wieder ab. Es ist aber wichtig, dass die Leute dranbleiben und weiterhin zum Hörer greifen. Sonst kann man in der Tabelle wieder ganz schnell nach unten rutschen.
Sie werden immer wieder mit Ihrer Vorgängerin Lena verglichen, die den ESC 2010 für Deutschland gewann. Nervt Sie das?
Lena ist die erfolgreichste Vorgängerin der letzten Jahre und da wirst du logischerweise verglichen. Ich habe aber meinen eigenen Stil. Ich ziehe das an, was mir gefällt und orientiere mich nicht direkt an irgendjemandem dabei. Niemand ist wie Lena, und niemand ist wie ich.
Womit versuchen Sie heute Abend zu punkten?
Meine Devise ist es, authentisch zu sein und meinen Auftritt zu geniessen. Jury-Präsident Thomas D hat es bei der letzten Sendung ganz gut gesagt, als nach meinem Auftritt alle von Alicia Keys sprachen: «Sie hat nicht irgendetwas nachgemacht. Sie ist so aufgetreten, wie sie ist.» So werde ich weitermachen und mein Bestes geben.
Haben Sie sich auch schon in Erwägung gezogen, beim ESC für die Schweiz anzutreten?
Das habe ich mir wirklich schon überlegt. Für dieses Mal wäre es aber schon zu spät gewesen. Aber wer weiss, wenn ich hier nicht weiter komme, versuche ich vielleicht, einmal für die Schweiz an den Start zu gehen.
Sie arbeiten als Bardame im Unternehmen Mitte. Welchen Bezug haben Sie sonst zu Basel?
Ich wurde ich Basel geboren, bin dann aber in Lörrach aufgewachsen. Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt immer so zwischen Lörrach und Basel. Ich habe viele Freunde hier und meine Mutter stammt aus Basel. Wenn ich vom Kleinbasel über die Mittlere Brücke komme und die Altstadt am Ufer vis-a-vis sehe, bin ich immer ganz stolz. Ich liebe einfach das Dreiländer-Eck am Rhein.
Gibt es auch Basler, von denen Sie wissen, dass sie mit Ihnen mitfiebern?
Ich habe auch schon viel Echo aus Basel erhalten. Im Vorfeld des Wettbewerbs war es aber nicht ganz einfach: Vor der ersten Sendung durfte ich ja noch nichts verraten – nur ein ganz kleiner Kreis war eingeweiht. Für die Mitte musste ich mir also ein paar Ausreden einfallen lassen, warum ich in der nächsten Zukunft keine Schichten übernehmen kann.
Sollten Sie wirklich nach Baku fahren: Haben Sie Pläne für die Zeit danach?
Egal wie der Wettbewerb ausgeht, ich werde mich so oder so weiter auf Musik konzentrieren. Ich bin an der Lörracher Stimmen-Akademie und möchte meine eigenen Songs weiterentwickeln. In der Musik ist es unglaublich wichtig, dass dich die Leute kennen und da hilft mir die aktuelle Medienpräsenz natürlich sehr. Ich möchte auch mit meiner Band «7sins» weiterarbeiten und auch mit der Band meiner Eltern. Und das Duo-Projekt mit dem Basler Pianist Gabriel Walter möchte ich auch weiterverfolgen. Wir wollen noch mehr an unseren eigenen Songs feilen. Ja, und in der Mitte werde ich natürlich weiter anzutreffen sein.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2012, 10:46 Uhr
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