Basel

Beizen bekämpfen Rauchverbot

Von David Weber. Aktualisiert am 30.03.2010 92 Kommentare

Lungen- und Krebsliga beobachten den Gründungsboom von Rauchclubs abwartend. Wird es zu viel, will man politisch aktiv werden.

Die Lokale wollen das Rauchen weiter erlauben; Gäste sollen Clubmitglieder werden.

Die Lokale wollen das Rauchen weiter erlauben; Gäste sollen Clubmitglieder werden.
Bild: Keystone

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Das Gesetz ist eindeutig. Ab 1. April darf im Basler Gastgewerbe nicht mehr geraucht werden, nur noch in abgetrennten und unbedienten Fumoirs. Die Zahl der Wirte, die dieses Verbot mit der Gründung privater Rauchclubs umgehen wollen, wächst allerdings stetig an. Der Widerstand teilt sich in zwei Gruppen. Im Modell Auderset, benannt nach LDP-Grossrat André Auderset, sind sieben kleine Beizen vertreten (siehe Karte). Dieses Modell funktioniert nach dem Motto «eine Beiz, ein Club». Jedes Lokal gründet einen eigenen Verein. Die Mitglieder, hauptsächlich Stammgäste, dürfen im Lokal rauchen. Dafür verzichtet die Beiz auf Laufkundschaft. Dieses Modell wurde in einem Schreiben von Regierungsrat Hans-Peter Wessels als zulässig taxiert. Die zweite Gruppe rührt mit der grösseren Kelle an. Diese Wirte gründen keinen eigenen Verein, sondern treten dem Verein Fümoar bei. Mitglieder haben Zutritt zu allen Fümoar-Lokalen. Mit ihrem Mitgliederausweis verzichten die Gäste ausdrücklich auf den Schutz vor dem Passivrauchen. «Wir wehren uns nicht gegen das Rauchverbot», stellt Thierry Julliard klar. Der Fümoar-Sekretär betont: Niemand solle gegen seinen Willen Passivrauchen müssen, so wolle es das Gesetz. «Das respektieren wir.»

Bekannte Grössen

Bereits 80 Lokale haben sich für eine Mitgliedschaft angemeldet. Die Interessentenliste enthält bekannte Grössen wie den Club Kuppel, das Restaurant Acqua oder die Bar Grenzwert. Knapp 40 Lokale seien Fümoar bereits definitiv beigetreten, das heisst, sie hätten den Mitgliederbeitrag von 150 bis 250 Franken bezahlt, Fümoar-Türschilder und Ausweise für die Gäste bezogen, sagt Julliard. Er rechnet damit, dass die Zahl in den nächsten Tagen noch steigen wird.

Unter den definitiv Beigetretenen sind viele kleine Quartierbeizen, aber auch einige bekanntere und grössere Lokale, wie das «Manger & Boire» am Barfi oder das «Volkshaus» am Claraplatz. Diese Lokale an zentraler Lage werden allerdings gerade tagsüber kaum auf Laufkundschaft verzichten können. Müssen sie auch nicht, wie Julliard meint. Fümoar-Lokale könnten tagsüber rauchfrei sein und sich erst abends in private Mitgliederclubs verwandeln. Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband ist gespannt, ob der Kanton das Modell Fümoar toleriert. Dieses biete mehr Angriffsfläche als das Modell Auderset. Aber es sei nicht Aufgabe des Wirteverbands, die Rechtmässigkeit zu beurteilen, sagt Ebneter. Der Kanton will sich erst morgen dazu äussern.

Seriosität gefordert

Abwartend beobachten die Lungen- und die Krebsliga beider Basel, welche die Rauchverbots-Initiative lanciert haben, den Gründungsboom von Rauchclubs. Geschäftsführer Urs Brütsch sagt: «Natürlich stört es uns, dramatisch ist es aber nicht.» Am 1. April werde der grösste Teil der Gastroszene rauchfrei sein, das sei wichtig, sagte Brütsch. In Basel gibt es rund 750 Restaurants und Bars, ohne Schnellimbisse und Personalrestaurants. Sollte nun eine grosse Anzahl Lokale das Rauchverbot umgehen, müsse die Verwaltung die Situation beurteilen, fordert Brütsch. «Handelt sie nicht, werden wir via Mitglieder im Grossen Rat aktiv werden.»

«Wie viele Beizen Mitglied von Fümoar seien, ist rechtlich nicht relevant», sagt Julliard. Entweder sei das Modell gültig oder nicht. Sollte der Kanton Fümoar als nicht gesetzeskonform erachten, werde man juristisch dagegen vorgehen, verspricht Anwalt Julliard. Lotti Weber, Wirtin im «Torstübli» und Präsidentin von Fümoar, ist überzeugt: «Das Modell Fümoar ist legal.» Entscheidend sei nun, dass die Wirte das Modell seriös umsetzen, also nur Mitglieder in ihre Lokale lassen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.03.2010, 07:32 Uhr

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92 Kommentare

Pat Merz

30.03.2010, 12:16 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wie es Claudia Buess richtig sagte, das ist Zwängerei der Wirte. In Grossbritannien sind die Pubs voll, die Leute saufen, singen und haben es fröhlich, auch wenn nicht geraucht wird. Ebenso in Deutschland, Italien, etc. Wenn nach dem Rauchverbot ein paar Beizen eingehen, dann weil sie zuwenig innovativ sind, diesen Paradigmenwechsel mitzumachen ... selber schuld. Basel braucht ja keine750 Beizen. Antworten


Pat Merz

30.03.2010, 12:31 Uhr
Melden

@Robert Perron: Und was bringt ihnen dieses Wissen? Ist ja logisch, dass das Resultat anders rausgekommen wäre, wenn nur die Raucher oder Stamm-Baizer abgestimmt hätten. Dann lassen wir am besten bei der nächsten Minarett-Initiative auch nur die Schweizer Moslems abstimmen ... (ironie aus) ... Es dürfen immer ALLE abstimmen, und das ist auch gut so! Antworten



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