Basel
Bittersüsse Hochzeit am Spalenberg
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 27.10.2011 3 Kommentare
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Am Spalenberg 28a
Über hundert saisonal wechselnde Weine und ebenso viele Schoko-Sorten gibt es im gemeinsamen Geschäft von «Choco Loco» und «Siebe Dupf». Während der Öffnungszeiten kann das Gekaufte via Velokurier nach Hause geliefert werden. Während der Fasnacht 2012 dürfte es «am Spalenber 38a» ein Spezialprogramm geben.
www.siebe-dupf.ch
www.chocoloco-shop.ch
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Der Spalenberg wird zum Weinberg. Zu den zwei Weinhändlern bei der Talstation in der Schneidergasse und den beiden Weinbars am Kopf des Steilhangs gesellt sich seit vergangener Woche die Basler Dependence des Liestaler Weinhändlers «Siebe Dupf». Und zwar mittendrin. Genauer: am Spalenberg 38a, Ecke Nadelberg. Unterschlupf gefunden hat man im Schokoladenshop «Choco Loco», welchen die Baselbieter nun mitbetreiben.
Zugegeben, Rotwein und Käse sind ein wundervolles Ehepaar. Eine monogame Mariage ist deshalb aber noch lange nicht angesagt – zum Glück. Denn auch wenn der Rote mit der Schwarzen eine Liaison eingeht, entstehen dabei Gaumenfreuden, denen sich ein Geniesser kaum entziehen kann.
Schulbuben und fruchtbare Paarungen
Auch nicht Tim Kröpfli, Geschäftsführer des neuen Schoko-Wein-Ladens, der schlicht «Am Spalenberg 38a» heisst. Der 28-jährige tanzt gerne auf beiden Hochzeiten. «Ich war schon immer ein Schleckmaul», sagt er. Während Kröpfli redet, betritt ein Siebenkäsehoch den Laden, schnappt sich wortlos ein paar Schoko-Splitter vom dargereichten Silbertablett und entschwindet wieder zu den wartenden Gspänli. «Die kommen immer vor und nach der Schule», lacht Kröpfli.
Im Sommer 2008 lancierte er für das Hotel Krafft in der Rheingasse das «Consum», eine stilvolle Weinbar mit Salamispezialitäten – und mit Käse. Nun kombiniert Kröpfli im «Bijou» am Spalenberg seine roten Schätze mit brauner und schwarzer Schokolade. «Nicht jeder Wein passt zu Schoggi», erklärt er. «Der Wein muss geben, was die Schokolade nicht hat.» Und umgekehrt. So wie es in funktionierenden Ehen halt sein muss. Es geht um die richtige Kombination. Darum, dass sich Schoggi und Wein ideal ergänzen, im Idealfall sogar befruchten. Zu einem süssen, vollmundigen Amarone etwa gesellt sich am besten eine saure Schokolade. Und die fruchtige Sangoviese-Merlot-Mischung – in sich schon eine perfekte Paarung – kann ohne Weiteres eine Dreieckbeziehung eingehen mit einer bitteren schwarzen Kakao-Schokolade; diese sollte allerdings besser nicht mit einem tanninbetonten Tropfen kombiniert werden – die bitteren Aromen neutralisieren sich gegenseitig.
Freundliche Übernahme
Natürlich sind auch Weissweine offen für eine derartige Vermählung. Ein Riesling, reich an Restzucker, verträgt sich etwa gut mit einer salzigen «Fleur du Sel»-Schoggi. «Zusammen ergibt das ein völlig neues Bouquet», meint eine begeisterte Kundin. Sie hat soeben den «Cuvée d'Or Crémant», den hauseigenen Schaumwein, kombiniert mit einer Truffe-Praline, garniert mit Flocken aus 24 Karat Gold. Die Schoko-Kreation hat der Basler Konditor Beschle dem «Siebe Dupf»-Tropfen auf den Leib geschneidert. Eine Traumhochzeit sozusagen. «Mit dem prickelnden Cuvée d'Or im Mund wirkt die Schokolade nicht so schwer», meint Kröpfli, als ob er nach einer Ausrede für diese Doppelsünde sucht.
Der aufmerksame Leser wird es bereits erahnt haben: Bei der Paarung von Wein und Schoggi, von «Siebe Dupf» und «Choco Loco» handelt es sich keineswegs um eine Zwangsehe. Allerhöchstens um eine Zweckehe. Der gemeinsame Laden ist ein Win-Win-Geschäft für beide Seiten: «Choco Loco»-Betreiberin Susanne Goepfert suchte wegen Online-Shop und Messebesuchen nach Entlastung und «Siebe Dupf» eine Gelegenheit, um neben dem Basler Gastgewerbe – wo man fest verankert ist – auch die Weinkäufer in der Stadt zu erreichen.
Konkurrenz als Bereicherung
Dass diese Rechnung aufzugehen scheint, zeigt sich schon in den ersten Tagen: «Das ist ja praktisch! Wir gehen sonst immer nach Liestal Wein kaufen», hört man etliche Kunden sagen. Und selten verlassen diese das Geschäft, ohne sich nicht auch am Schoko-Sortiment bedient zu haben. «Diese Marriage, der doppelte Genuss von Wein und Schoggi, ist etwas Spezielles», sagt Nicolas Neuhaus, Sommelier und Verkaufsleiter bei «Siebe Dupf». Man habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, nach Basel zu kommen, der definitive Entschluss zur Schoko-Wein-Fusion sei aber erst im August gefallen. Im Oktober erfolgte der dreiwöchige Umbau. Angst, dass die Weinregion Spalenberg durch einen weiteren Anbieter übersättigt wird, hat Neuhaus keine. Schliesslich verfüge man ja über ein einzigartiges Konzept. «Am Spalenberg muss man schon mit etwas Speziellem kommen», findet der Weinhändler. Für ihn ist die Konkurrenzsituation eine Bereicherung.
Ob am einzigen Weinberg der Basler Innenstadt demnächst auch Reben gehätschelt werden, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob hier bald lila Milchkühe weiden werden – das wohl höchstens an der kommenden Fasnacht. Und bis diese vorbei ist, sind übrigens auch die Bauarbeiten am Bagger-gebeutelten Shoppinghang auf Eis gelegt. Darauf heben wir das Glas. Und greifen zum Schokoladentablett. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.10.2011, 09:46 Uhr
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3 Kommentare
die BAZ hat immer wieder durch artikel leute und nischengeschäfte gefördert- sei dies vom jeffery bis
übers maul der hermine vom tabakladen seelig. was ich hier nun lese ist werbung pur- der spalenbärg ist kaputt
das letzte original wird totgeschwiegen und schliesst sicherlich in naher zukunft, infolge plastersteinen und weinwerbung von den landschäftlern die sich immer u. ewig von Basel abheben.
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