Basel
Brutschin: «Auf andere zu hören, war sicher klug»
Interview: Markus Wüest. Aktualisiert am 06.10.2008 2 Kommentare
Christoph Brutschin. Foto Mischa Christen
Links
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Am 14. September wurde Christoph Brutschin (50) für die SP in die Regierung des Kantons Basel-Stadt gewählt. Damit geht seine Zeit als Rektor zu Ende. Im Interview mit der BaZ erklärt er, was ein Rektor eigentlich für Aufgaben hat. Warum er immer noch selber unterrichtet und was er während des Rests der Zeit macht. Brutschin war vor seiner Wahl zum Rektor bereits fünf Jahre Lehrer am KV. Er hat Nationalökonomie studiert.
BaZ: Christoph Brutschin, ob Rektor oder Regierungsrat spielt doch gar nicht so eine Rolle. Sie werden auch im neuen Job einem Team vorstehen, das wiederum ständigen Kontakt mit einem viel grösseren Kreis an Menschen hat und so ihre Ideen und Vorstellungen weitertragen muss.
Christoph Brutschin: Den Gedanken habe ich auch schon gehabt. Die Schule ist ein partizipatives Gebilde. Man hört Meinungen und muss herausfinden, wo die Bedürfnisse liegen. Da gibt es wohl tatsächlich Parallelen zu meinem neuen Job.
Was zeichnet denn den guten Rektor aus?
Er muss ein Kollegium moderieren können. Dazu gilt als Grundbedingung, dass man den Umgang mit Menschen mag. Ein erfolgreicher Rektor erfasst die Stimmung im Kollegium und hilft mit, dass sie gut ist und bleibt. Dafür muss man im Haus präsent sein, nur dann nimmt man die Sorgen wahr. Würde ich isoliert nur in meinem Büro sitzen, bekäme ich ja nicht mit, was an der Schule läuft. Deshalb bin ich viel unterwegs. Man muss zuhören können und bereit sein, auf die Kolleginnen und Kollegen einzugehen.
Gelang Ihnen das von Anfang an?
Ich habe sicher viel gelernt in den zwölf Jahren. Eine gewisse Sensibilität für Schwingungen zum Beispiel. Und vor allem die Kollegen bei wichtigen Verfahren einzubeziehen, sie mitbestimmen lassen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg als Schulleiter.
Ist es sinnvoll, als Rektor selber noch zu unterrichten?
Die Rektoren an den Gymnasien haben Unterrichtspflicht. Beim KV gilt das auch. Ich finde zurecht. Es bringt eine gewisse Bodenhaftung und die Legitimation, wenn man Kollegen über die Unterrichtsgestaltung diskutiert. Hätte man selber keine Praxis mehr, wäre das schwieriger.
Welches sind die Aufgaben, die einen Rektor belasten?
Schwierige Momente hängen immer mit den Menschen zusammen. Ein Todesfall ist der schwerste Moment überhaupt. Das beschäftigt mich sehr. Es ist auch nicht einfach an einer Lehrabschlussprüfung zu sehen, wenn ein Schüler oder eine Schülerin scheitert. Vor allem wenn ich weiss, dass es am Einsatz nicht gefehlt hat.
Und das andere Ende der Gefühlsskala: Worauf freut sich ein Rektor am meisten?
Auf die Lehrabschlussfeier am Dienstag vor dem Bündelitag. Wir sind dann immer in der Messe Basel, rund 2000 Menschen insgesamt. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, am Abend nach der Feier durch die «Steine» zu spazieren. Die ist an diesem Abend fest in KV-Händen. Ein spezielles und sehr schönes Gefühl.
Wie viele Gesichter erkennen Sie?
Gesichter? Viele! Die Namen habe ich aber längst nicht alle präsent.
Und wie begegnen Ihnen die Schülerinnen und Schüler?
Mit zunehmendem Alter wird man schon zur Respektsperson. Aber als klassischen Pauker sehe ich mich nicht. Obwohl: Bei Disziplinargesprächen muss ich schon diese Wirkung haben.
Ist es schwieriger geworden, Lehrer oder eben Rektor zu sein?
Nein, eher das Gegenteil trifft zu. Wir haben im Schnitt jede Woche ein bis zwei Gespräche mit einem Schüler wegen Disziplinarfragen. Aber bei 1500 Leuten an der Schule ist das nicht aus-sergewöhnlich.
Ist es schwieriger geworden, gute Lehrer zu finden?
Es braucht Zeit. Die Personalarbeit nimmt nicht umsonst einen grossen Teil meines Wochenpensums in Anspruch. Das zahlt sich aus. Es gab zwar auch schon Fälle, wo wir uns wieder von einem Kollegen oder einer Kollegin trennen mussten. Aber das sind in all den Jahren kaum eine Handvoll. Der oder die Betroffene merkt es ja auch oft selber, wenns nicht geht, wenn sich die Berufswahl als Fehler herausstellt.
Hätten Sie in der Rückschau in manchen Fällen früher eingreifen müssen?
Nein, ich glaube nicht. Wir haben den richtigen Moment immer erwischt. Das hängt auch damit zusammen, dass wir die Neuen sehr eng betreuen. Und nach drei Jahren nehme ich mir immer Zeit für ein sehr langes Standortgespräch, um genau zu sehen, wo der Kollege oder die Kollegin steht.
Was gehört neben dem Unterricht und der Personalarbeit noch zu den Aufgaben des Rektors?
Als Rektor muss ich auch den Aussenkontakt pflegen. Das bedeutet ständigen Kontakt mit Lehrbetrieben, Branchenverbänden und Schulorganisationen.
Was ist eigentlich einfacher zu führen: Eine Schulklasse oder das Kollegium?
Das kommt auf die Klasse respektive das Kollegium an … – ich habe mit beiden aber eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht!
Was werden Sie vermissen, wenn Sie Ihren neuen Job antreten?
Schule geben. Das habe ich immer gerne gemacht.
Was ist daran so toll?
Kulturhandwerk zu vermitteln ist sehr befriedigend. Zum Beispiel das Rechnungswesen. Was piemontesische Mönche vor 600 Jahren entwickelt haben, hat noch immer Bestand. Zudem: Ich finde die Altersstufe, die wir hier am KV unterrichten, eine der spannendsten überhaupt. Da kommen Jugendliche zu uns und wenn sie uns wieder verlassen, sind sie junge Erwachsene, haben sich deutlich verändert und entwickelt, sind in ihren Beruf hineingewachsen. Das ist immer wieder faszinierend zu beobachten.
Um noch einmal auf den Anfang zurückzukommen: Wenn es tatsächlich Parallelen zwischen Ihrem jetzigen Job und der neuen Aufgabe als Regierungsrat gibt: Was können Sie dann als ehemaliger Rektor nutzvoll einbringen?
Die Ohren offen halten. Nicht mit der Türe ins Haus fallen, aber immer das Ziel im Auge behalten. Das würde ich gerne mitnehmen. Es hat sich in den letzten zwölf Jahren als Rektor schon des Öfteren als klug erwiesen, dass ich auf den Rat anderer gehört habe und meine Meinung revidierte. Ich denke, das wird auch in Zukunft nicht anders sein. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.10.2008, 14:42 Uhr
Kommentar schreiben
2 Kommentare
Basel
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


