Basel

Bürgerliche verlangen liberalisierte Ladenöffnungszeiten

Im Basler Grossen Rat kreuzten die klassischen links/rechts-Blöcke die Klingen. Am Ende hatten die Gegner das Nachsehen

Die SP machte der Diskussion im Grossen Rat geltend, dass kein Kundenbedürfnis bestehe – und unterlag dem Block der Bürgerlichen.

Die SP machte der Diskussion im Grossen Rat geltend, dass kein Kundenbedürfnis bestehe – und unterlag dem Block der Bürgerlichen.
Bild: Keystone

Der baselstädtische Grosse Rat möchte die Ladenöffnungszeiten nach Baselbieter Vorbild liberalisieren. Er hat am Mittwoch eine bürgerliche Motion mit diesem Ziel knapp überwiesen. Die Regierung soll dazu innert Jahresfrist eine Gesetzesänderung vorlegen.

Der Vorstoss aus grünliberaler Feder trägt auch Unterschriften von Mitgliedern der LDP, CVP, DSP, FDP, SVP und sogar der SP. In der Debatte kreuzten die klassischen links/rechts-Blöcke die Klingen. Am Ende setzte sich die Rechte mit 42 gegen 40 Stimmen durch - die Regierung hatte sich zur Entgegennahme der Motion bereit erklärt.

Die SVP argumentierte, manche Arbeitnehmenden wollten gerne zum Beispiel abends arbeiten, um tagsüber stressfrei anderes tun zu können. Die FDP mahnte, abendlichen Einkaufstourismus ins Umland zu vermeiden. LDP und GLP wollen aus Prinzip statt staatlicher Bevormundung den Markt entscheiden lassen.

Schattenboxen um Bedürfnisse

Die EVP warnte die «Markt-Nostalgiker», eine Liberalisierung schade den kleinen Läden. Ein SVP-Vertreter sah hunderte Jobs für schwach Qualifizierte in Familien-«Lädeli» gefährdet. Die SP verwies auf die zunehmenden Franchise-Familienbetriebe mit mehr Freiheiten, mit welchen Grossverteiler das Gesetz unterlaufen.

Die SP machte auch auf die leeren Geschäfte in den Abendstunden aufmerksam: Dies zeige, dass gar kein Kundenbedürfnis bestehe. In der Folge des Neins zur breiten Liberalisierung von 2002 an der Urne war der Gong dennoch auf 20 Uhr verschoben worden. Praktisch nur grosse Geschäfte in der City nutzen dies.

Mit dem Grossrats-Ja zur Überreichung der GLP-Motion ist auch eine Gewerkschafts-Aktion vom Mittwochmorgen wirkungslos geblieben. Die Unia hatte dabei eine Petition zum Schutz des Privatlebens des Verkaufspersonals eingereicht.

Mit der Überweisung muss die Regierung innerhalb eines Jahres dem Parlament Bericht erstatten. Erst dann entscheidet dieses definitiv über die Erteilung dieses Motionsauftrags. (amu/sda/)

Erstellt: 08.09.2010, 20:07 Uhr

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7 Kommentare

Mari Wunderli

29.10.2010, 11:51 Uhr
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das Ladenschlussgesetz ist ein alter Zopf- im Auslang klappt es auch. Zweitverdiener und Studenten würden liebend gern am Wochenende oder Abends arbeiten- aber die fragt niemand. Wozu üffentliche Verkehrsmittel in die leere Stadt- die Trämler müssen auch am Wochenende leere Trams herumfahren.. offene Läden würden Leute in die tote Stadt bringen- denkt Politker, denkt!!!!!! Antworten


Peter Waldner

09.09.2010, 14:42 Uhr
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Wir haben unzählige, völlig unnötige Gesetze. Das Ladenöffnungsgesetz ist eines davon. Es geht doch den Staat nichts an, wenn ein Ladenbesitzer glaubt, er könne nachts oder sonntags ein Geschäft machen - warum soll man ihm da im Weg stehen? Antworten


Phil Bösiger

09.09.2010, 13:11 Uhr
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@ Sarah Wyss - Im Verkauf unterstehen nur wenig MitarbeiterInnen dem GAV, weil der Organisierungsgrad des Verkaufspersonals beschämend tief ist, so tief, wie in fast keiner anderen Branche. Dies ist bei so hoher Grenzgängerquote auch nicht überraschend. Mitleid mit dem Personal ist daher nicht angesagt. Als Kunde befürworte ich liberalisierte Ladenöffnungszeiten - der Markt wirds richten. Antworten


Andreas M. Müller

09.09.2010, 11:54 Uhr
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@Sarah Wyss: Dann würd ich vorschlagen, lassen iwr auch den öffentlichen Verkehr, die Feuerwehr, die Polizei und Sanität, Kinos, Museen, Restaurationsbetriebe uws. am Sonntag auch schlummern... wegen der Mehrbelastung! Antworten


Sarah Wyss

09.09.2010, 10:08 Uhr
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Es werden voraussichtlich keine Arbeitsplätze geschaffen, noch wird der Umsatz steigen. Es ist wiedereinmal eine Mehrbelastung für die ArbeitnehmerInnen! Im Verkauf unterstehen nur die wenigsten einem GAV , Zuschläge für Abendarbeit existieren nicht! Die prekäre Arbeitsbedingungen (gespaltene Arbeitseinteilung, Einsatz auf Abruf,) verschlimmern sich - deshalb NEIN zur Liberalisierung! Antworten


Andreas M. Müller

09.09.2010, 09:18 Uhr
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Ich fände es toll, wenn das verkaufsverbot an Sonntagen gelockert würde. Sowohl in der Innerstadt aber auch in den Quartieren wäre es toll, wenn die Läden ein paar Stunden am Sonntag offen wären. (Bspw. der Bäcker um Gipfeli zu holen am Sonntag?) Antworten


Hans Schmid

08.09.2010, 20:53 Uhr
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Dieses Oeffnungszeitendiktat ist ein alter Zopf von SP und Gewerkschaften und gehoert abgeschafft. Basel ist nichts fuer Ewiggestrige. Antworten



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