Basel

Capleton: «Es gibt keinen Hass»

Von Tara Hill. Aktualisiert am 08.11.2008 13 Kommentare

In der Kontroverse um die Homophobie in den Texten des jamaikanischen Reggae-Sängers Capleton prallen zwei Welten aufeinander: Die säkularisierte Gesellschaft der Schweiz und die Spiritualität des jamaikanischen Rastafari-Glaubens.

Capletons Message an seine Fans in Basel. (Videos von Joël Gernet)

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Beim Interview-Termin im Hotel Ramada Plaza kochen die Emotionen hoch: Capleton will zunächst nicht Stellung beziehen und lässt über seine Managerin Claudette Kemp ausrichten, dass er nichts gegen schwule Menschen habe, sondern sich nur gegen «jegliche Form der Immoralität» ausspreche, die dem Einzelnen den Weg zu Gott versperre. Während der Forderung nach einer Absage des Konzerts durch die Homosexuelle Arbeitsgruppe Basel (Habs) nachgekommen wurde, fühlt sich Capleton als Opfer einer rassistischen Kampagne.

Als Capleton das Hotelzimmer betritt, zeigt er sich wortkarg: Die Diskussion wird von seiner Managerin geleitet, die mehrfach betont, dass Texte wie «Burn Out Di Chi Chi» nicht als Aufruf zur Verbrennung von Schwulen, sondern als Reinigung der eigenen Seele vor korrumpierenden Einflüssen zu verstehen seien. Erst als Habs-Sprecher Axel Schubert telefonisch sein Kommen zusichert, erklärt sich Capleton zu einem Gespräch bereit.

BaZ: Wann haben Sie von der Absage Ihres Konzerts erfahren?

Capleton: Erst als ich in Basel ankam. Ich kann nicht verstehen, warum das passiert ist.

Wie haben Sie auf die Absage reagiert?

Ich bin enttäuscht. Ich lebe und liebe meine Musik. Sie ist eine Musik der Toleranz und Spiritualität. Wenn ich singe, dass wir alle brennen müssen, dann rede ich nicht davon, Leute zu verfolgen oder zu ermorden. Sondern, dass wir uns reinigen müssen, dass wir unsere Dämonen besiegen müssen, um nicht nach Babylon zu gelangen.

Verstehen Sie, warum Ihre Texte über Homosexualität als Hasspredigten aufgefasst werden?

Es gibt keinen Hass in meinen Texten, nur Liebe! Wir sind aus dem Land des «One Love», der einen Liebe. Liebe zwischen allen Menschen, egal, wer sie sind und woher sie kommen.

Wie würden Sie Ihren Kritikern denn Ihre Botschaft erklären?

Schon Bob Marley hat davon geredet, dass das Feuer weiter brennen muss. Wenn Bob Marley «I Shot The Sheriff» gesungen hat, ging es nicht darum, dass er tatsächlich den Sheriff erschossen hat. In Europa wird das missinterpretiert und falsch verstanden. Dabei benutzen die Leute unsere Musik, um sich zu reinigen.

Halten Sie die Kritik an Ihnen für rassistisch?

Ganz genau. Ich kann Ihnen Dokumente zeigen, die dies beweisen, und die Sie beschämen würden. Es wurden hier schlimme Dinge über mich gesagt. Dabei geht es mir um Unity, Einheit. Jede Form von Negativität und Gewalt lehne ich ab.

Im Anschluss an das Interview diskutiert Axel Schubert noch bis nach Mitternacht mit Capletons Managerin Kemp. Dabei lässt sich Kemp von Schubert überzeugen, dass es sich bei Homosexualität um eine angeborene Neigung und nicht um einen «ausschweifenden Lebensstil» handelt. Abschliessend lässt Capleton über Kemp zu Protokoll geben, dass er Pädophilie und männliche Prostitution für eine Sünde hält. Man hält fest, dass alle Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung die gleichen Rechte haben müssten. So endet die Kontroverse mit einer versöhnlichen Geste. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.11.2008, 09:01 Uhr

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13 Kommentare

miss understood

08.11.2008, 12:02 Uhr
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wenn Menschen Lieder singen, sollen sie Texte brauchen, die keine Hochseilakrobatik der Interpretation brauchen. Alles andere ist Augenwischerei und Ignoranz. Oder dann sollen sie gefälligst grad dazu noch ihre Erklärungen geben. Sprachen sind dazu da, Aussagen zu machen. Und wenn ein verkiffter Bob Marley das Vorbild von Capleton ist, na ja, dann danke bestens! Gut gemacht, Habs! Antworten


Peter Thommen

08.11.2008, 09:15 Uhr
Melden

Wir brauchen keine Spiritisten in der Humanistenstadt Basel! "Geistiger" Führer wäre eine Beleidigung. Das Kind will reich werden, sonst nix. Dafür ist ihm alles recht. Wer ihm aufsitzt, ist selber schuld. In seiner Tradition gibt es auch "weisse" Aktivisten. Wir werden die Entwicklung in Jamaika weiterverfolgen, aus Solidarität mit den dransalierten und ermordeten Homosexuellen in diesem Land. Antworten



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