Basel
«Carrotmob» will Quartierladen stürmen
Von Peter Walthard. Aktualisiert am 27.07.2009 19 Kommentare
Die Protagonisten: Raphael Feah (l.) und Klaus Bernhard (r.) überzeugten Ladenbesitzer Fadil Jakupaj. (Bild: David Haas)
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«Boykotte sind so 20. Jahrhundert», sagt Raphael Faeh. Der 28-jährige Organisator des ersten Schweizer «Carrotmobs» hält nichts von lauten Protestaktionen und Politaktionismus der alten Schule: «Das ist alles so negativ und lustlos.» Für die Umwelt will er trotzdem etwas tun. Und das soll Spass machen. Zusammen mit seinem Mitorganisator Klaus Bernhard will er deshalb einen umgekehrten Boykott: Nicht der Böse soll bestraft werden. Der Gute soll Gewinn machen.
«Einen störrischen Esel bewegt man nicht mit der Peitsche»
Die Idee ist simpel: Per Internet und SMS werden Hunderte von Leuten aufgeboten, um an einem Tag in einem bestimmten Laden einzukaufen. Dieser verpflichtet sich im Gegenzug dazu, einen Teil des Umsatzes in Energiesparmassnahmen zu investieren. Deshalb auch der Name: «Einen störrischen Esel bewegt man nicht mit der Peitsche, sondern indem man ihm ein Rüebli hinhält», sagt Faeh.
Der Anstoss kommt aus San Francisco. Im März 2008 stürmten dort Hunderte einen Quartierladen und feierten anschliessend bei einem Gratiskonzert. Das Resultat: Der Ladenbesitzer nahm innerhalb von drei Stunden fast 10 000 Dollar ein. 22 Prozent davon investierte er darauf in eine energiesparende Beleuchtung.
Bernhard und Faeh sind überzeugt, dass dies auch in Basel funktioniert. In der Facebook-Gruppe «Carrotmob Basel» haben sich bereits über 250 Mitglieder eingetragen. Insgesamt hoffen die beiden, gegen 300 Leute mobilisieren zu können. «Wenn man über Facebook und SMS ein paar Hundert Jugendliche dazu bringen kann, sich gemeinsam auf einer Wiese volllaufen zu lassen, muss man dieses Potenzial doch auch für etwas Sinnvolles nutzen können», sagt Faeh mit Blick auf die «Botellones» des letzten Sommers.
«Das war für mich völlig neu»
In einem ersten Schritt haben die beiden Organisatoren nach einem Laden gesucht, der bei der Aktion mitmacht. Zwei Tage lang zogen sie durch das Kleinbasel und holten bei den Ladenbesitzern Angebote ein. Einige wollten lediglich 15 Prozent des Umsatzes einsetzen, andere gingen auf 20 Prozent hoch, bis schliesslich Fadil Jakupaj vom Alban Market an der Klybeckstrasse das Rennen machte: Er verspricht, 51 Prozent des Umsatzes in Energiesparmassnahmen zu investieren.
Zuvor hatte sich Jakupaj wenig für Umweltthemen interessiert. «Das war für mich völlig neu», sagt er. Zusammen mit einem Experten werden die Organisatoren nun seinen Laden unter die Lupe nehmen und konkrete Massnahmen vorschlagen. Für Jakupaj ist das Ganze ein guter Deal, auch wenn der Ansturm am 7. August bescheiden ausfallen sollte: «Ich investiere das Geld ja in meinen Laden», sagt er. Selbst wenn der «Carrotmob» nur wenig Geld bringe, mache er so gesehen keinen Verlust.
Faeh hofft, dass die «Carrotmob»-Idee auch bei anderen Geschäften zündet. Restaurants, Kleiderläden oder Coiffeursalons seien weitere attraktive Ziele. Oder gar Grosskonzerne: «Theoretisch wäre das auch im ganz grossen Stil möglich», sagt er. Dabei müssten die Konsumenten keinen Rappen mehr ausgeben, als sie es ohnehin tun. «Einkaufen müssen wir alle sowieso. Warum nicht bei jemandem, der etwas für das Klima tut», so Faeh: «Auf diese Weise gibt es nur Gewinner.»
Bereits stösst die Idee auch anderswo auf Interesse. Kürzlich hat sich eine Facebook-Gruppe für einen «Carrotmob» in Zürich gegründet. «Die wollen natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass die Basler die Ersten sind», sagt Klaus Bernhard. Ganz im Sinne der «Carrotmob»-Logik: Konkurrenzdenken ist gut – wenn es der Umwelt nützt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 27.07.2009, 16:57 Uhr
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19 Kommentare
@Robert Sanders. Schliessen Sie sich ruhig in ihre kleine Kammer ein und machen einen auf störrischen Esel, debilen Alten und verbitterter Motzer. Diese jungen Leute machen etwas, das nichts kostet und allen dient. Mit Herumsitzen und Kritisieren retten Sie die Welt ganz bestimmt nicht.Versuchen Sie positiver zu denken, dann wird es auch Ihnen bald besser gehen. Ist doch ein Versuch wert oder? Antworten
Basel
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