«Carrotmob» will Quartierladen stürmen

Hunderte von Baslern wollen am 7. August einen Quartierladen stürmen. In guter Absicht: Sie treiben den Umsatz des Besitzers in die Höhe, dieser investiert dafür in Energiesparmassnahmen.

Die Protagonisten: Raphael Feah (l.) und Klaus Bernhard (r.) überzeugten Ladenbesitzer Fadil Jakupaj.

Die Protagonisten: Raphael Feah (l.) und Klaus Bernhard (r.) überzeugten Ladenbesitzer Fadil Jakupaj. (Bild: David Haas)

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«Boykotte sind so 20. Jahrhundert», sagt Raphael Faeh. Der 28-jährige Organisator des ersten Schweizer «Carrotmobs» hält nichts von lauten Protestaktionen und Politaktionismus der alten Schule: «Das ist alles so negativ und lustlos.» Für die Umwelt will er trotzdem etwas tun. Und das soll Spass machen. Zusammen mit seinem Mitorganisator Klaus Bernhard will er deshalb einen umgekehrten Boykott: Nicht der Böse soll bestraft werden. Der Gute soll Gewinn machen.

«Einen störrischen Esel bewegt man nicht mit der Peitsche»

Die Idee ist simpel: Per Internet und SMS werden Hunderte von Leuten aufgeboten, um an einem Tag in einem bestimmten Laden einzukaufen. Dieser verpflichtet sich im Gegenzug dazu, einen Teil des Umsatzes in Energiesparmassnahmen zu investieren. Deshalb auch der Name: «Einen störrischen Esel bewegt man nicht mit der Peitsche, sondern indem man ihm ein Rüebli hinhält», sagt Faeh.

Der Anstoss kommt aus San Francisco. Im März 2008 stürmten dort Hunderte einen Quartierladen und feierten anschliessend bei einem Gratiskonzert. Das Resultat: Der Ladenbesitzer nahm innerhalb von drei Stunden fast 10 000 Dollar ein. 22 Prozent davon investierte er darauf in eine energiesparende Beleuchtung.

Bernhard und Faeh sind überzeugt, dass dies auch in Basel funktioniert. In der Facebook-Gruppe «Carrotmob Basel» haben sich bereits über 250 Mitglieder eingetragen. Insgesamt hoffen die beiden, gegen 300 Leute mobilisieren zu können. «Wenn man über Facebook und SMS ein paar Hundert Jugendliche dazu bringen kann, sich gemeinsam auf einer Wiese volllaufen zu lassen, muss man dieses Potenzial doch auch für etwas Sinnvolles nutzen können», sagt Faeh mit Blick auf die «Botellones» des letzten Sommers.

«Das war für mich völlig neu»

In einem ersten Schritt haben die beiden Organisatoren nach einem Laden gesucht, der bei der Aktion mitmacht. Zwei Tage lang zogen sie durch das Kleinbasel und holten bei den Ladenbesitzern Angebote ein. Einige wollten lediglich 15 Prozent des Umsatzes einsetzen, andere gingen auf 20 Prozent hoch, bis schliesslich Fadil Jakupaj vom Alban Market an der Klybeckstrasse das Rennen machte: Er verspricht, 51 Prozent des Umsatzes in Energiesparmassnahmen zu investieren.

Zuvor hatte sich Jakupaj wenig für Umweltthemen interessiert. «Das war für mich völlig neu», sagt er. Zusammen mit einem Experten werden die Organisatoren nun seinen Laden unter die Lupe nehmen und konkrete Massnahmen vorschlagen. Für Jakupaj ist das Ganze ein guter Deal, auch wenn der Ansturm am 7. August bescheiden ausfallen sollte: «Ich investiere das Geld ja in meinen Laden», sagt er. Selbst wenn der «Carrotmob» nur wenig Geld bringe, mache er so gesehen keinen Verlust.

Faeh hofft, dass die «Carrotmob»-Idee auch bei anderen Geschäften zündet. Restaurants, Kleiderläden oder Coiffeursalons seien weitere attraktive Ziele. Oder gar Grosskonzerne: «Theoretisch wäre das auch im ganz grossen Stil möglich», sagt er. Dabei müssten die Konsumenten keinen Rappen mehr ausgeben, als sie es ohnehin tun. «Einkaufen müssen wir alle sowieso. Warum nicht bei jemandem, der etwas für das Klima tut», so Faeh: «Auf diese Weise gibt es nur Gewinner.»

Bereits stösst die Idee auch anderswo auf Interesse. Kürzlich hat sich eine Facebook-Gruppe für einen «Carrotmob» in Zürich gegründet. «Die wollen natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass die Basler die Ersten sind», sagt Klaus Bernhard. Ganz im Sinne der «Carrotmob»-Logik: Konkurrenzdenken ist gut – wenn es der Umwelt nützt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.07.2009, 16:57 Uhr

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19 KOMMENTARE

Raffaele Merminod

30.07.2009, 08:20 Uhr

Völlig, egal ob die Initianten in der Welt herumjetten (warum wird das behauptet?). Diese Aktion kostet nichts und bringt viel. Wer zur dieser Aktion mit dem Auto kommt, würde auch mit dem Auto zur Migros fahren. Es findet also keine Mehrbelastung der Umwelt statt.


anna bernhard

29.07.2009, 13:12 Uhr

Grandios! Gratuliere und hoffe, dass der Mob ein grosser wird, damit mehr Energie gespart wird! @ Robert & Ruedi: Neben Energie, die aufgrund dieser Aktion in Zukunft gespart wird, geht es in dem Fall auch darum, dass jemand, der sich vorher noch nie mit dem Thema Energiesparmassnahmen auseinandergesetzt hat, sich nun Gedanken dazu macht! Viel Erfolg!


Adrian Rudin

28.07.2009, 10:06 Uhr

Erstmal, tolle Sache! @Robert Sanders & Ruedi Angst: Eure Aussagen können richtig Angst machen. Nur weil eine ganz kleine Veraenderung nache zu nichts verbessert, sollte man es gleich lassen? Wenn nur ein Teil der Ladenbesitzer an einer solchen Aktion mitmachen können wir bald wieder ein Kohlekraftwerk abschalten. Kein Marathon ist nach den ersten paar Schritten zuende..


mischa schaub

27.07.2009, 21:59 Uhr

Also das finde ich eine völlig geniale Idee. Super ! Überhaupt nicht gaga. Es passt hervorragend zum Netzwerk Plexwerk.


Ruedi Angst

27.07.2009, 17:05 Uhr

Ein Kohlekraftwerk verbraucht pro Stunde 150t Kohlenstaub, während wir also hier über den Tollen Rüebli-Mob diskutierten sind seit Mittag 750t Kohle pro Kraftwerk verbrannt worden. In China geht jeden Monat ein neues Kraftwerk ans Netz. Ich kann mir jetzt gut vorstellen dass durch Herrn Jakupaj's neuen Sparkühlschrank sicher vieles besser sein wird, und die Natur uns danken wird - ganz sicher...


Robert Sanders

27.07.2009, 16:52 Uhr

Ausser mehr Abfall und mehr Verkehr, bringen solche Aktionen doch der Umwelt nichts! Im Gegenteil, es wird den Leuten Sand in die Augen gestreut. Wer wirklich ehrlich wäre, müsste sein Leben komplett umstellen. Ich will dann sehen, wer dann noch so lustig cool mitmacht und überhaupt dazu bereit wäre. Dann könnten wir uns auch keine teuren Spitäler, Universitäten, Sozialdienste etc. mehr leisten.


Fränzi Wüst

27.07.2009, 16:28 Uhr

Und dann fahren alle mit dem unnötig Auto dorthin und kaufen Aludosen und entsorgen sie nicht richtig. Dann ist für die Natur auch nichts erreicht.


Oliver Latsch

27.07.2009, 14:52 Uhr

Fantastische Idee! Und wie unser grösster Detailhändler doch schon vormacht; Lieber gut kopiert als schlecht selber gemacht! Weiter so.


sascha zahnd

27.07.2009, 14:23 Uhr

super sache! aber die bloggs geben mir zu denken....wie die initianten sagen: alles so negativ und lustlos


Tamara Hofer

27.07.2009, 13:42 Uhr

also hr trümmer&co! sie gehören eben exakt zur negativ-fraktion, die durch boykotte etwas verändern will (aber ich befürchte, sie wollen gar nix verändern..) . was stürmen sie hier rum? ist doch ne absolut geile idee! genau so muss es gehen, ich bin stolz auf die initianten. die idee kommt nicht von ihnen? egal! es geht hier nicht ums copyright, hier gehts darum, etwas positives zu bewirken! :)


Marianne Gautschi

27.07.2009, 13:32 Uhr

Eine super Idee. Was gibt es da zu klönen? Junge Menschen, die denken und etwas bewegen sollte man loben.


tim schober

27.07.2009, 13:03 Uhr

genau!!! nichts bringt etwas! deshalb kümmer ich mich auch nicht drum! ich geh nicht wählen, ich recycle nicht, ich spare keinen strom und auch kein benzin, ich nehme eigentlich auch nicht am öffentlichen leben teil, ...weil, es bringt ja nichts! nach mir die sintflut...denn die kommt sowieso! @michael trümmer, ruedi angst: no future punk attitüde!


Michael Trümmer

27.07.2009, 12:21 Uhr

Boah, diese Schweizer Hipster... sehen auf Youtube wie U.S.-Amerikaner das machen und wollen es unbedingt nachmachen. Mit eigenen Ideen aufkommen können sie nicht, sieht man schon an den Flashmobs wo die Leute für ein paar Minuten einfach stillstehen. Langweilig! Romeo, mit herumsitzen rettet man die Welt eher, als ständig mit den öV herumzufahren.


Aschy Furrer

27.07.2009, 12:07 Uhr

Neid hat offenbar nicht immer griffige Argumente. Die lange Lebensdauer macht es aus, dass Energiesparlampen trotz zehnfachem Herstellungs-Energieaufwand eine überaus positive Energiebilanz ausweisen. Angst, Sanders und Schefer sind offenbar keine Kleinunternehmer, sonst wüssten sie, dass nach dem wirtschaftlichen Überlebenskampf kein Franken übrigbleibt, um veraltete Kühlmöbel etc. zu ersetzen.


Robert Sanders

27.07.2009, 11:59 Uhr

@ Romeo Zolin: Sie wohnen ja sicher in einem Passivhaus und gehen nie in die Ferien. Auch Ihre Nahrungsmittel kommen alle aus nur der Region und sind saisonal und Sie essen nie Fleisch oder tierische Produkte. Dann erfüllen Sie vielleicht knapp, was Sie ehrlicherweise an Energie brauchen dürften. Bei den Ökos ist sehr viel Verlogneheit dabei. Anderen Vorwürfe machen, aber nichts selbst einhalten!


Jakub Samo

27.07.2009, 11:59 Uhr

@Andi Schefer: Wieso sind Energiesparlampen fragwürdig? Haben Sie da Zahlen? Laut Firma Osram braucht die Herstellung einer "DULUX EL Longlife" 3,4 kWh, etwa 4 mal mehr, als eine gewöhnliche Sparlampe, hat aber eine 15 mal höhere Lebensdauer, was schlussendlich einen Viertel der grauen Energie bedeutet. @Robert Sanders: Kennen Sie denn "diese Jungen Leute" um eine qualifizierte Meinung abzugeben?


Ruedi Angst

27.07.2009, 11:22 Uhr

Robert Sanders hat absolut Recht, das verändert absolut nichts. Wäre doch spannend zu sehen, wer von den beiden Initianten wohin geflogen ist in letzter Zeit, und wieviel CO2 dadurch ausgestossen wurde. Nichts als Schöndenkerei, so lange in unseren Nachbarländern mit Kohle Strom produziert wird können wir lange Glühbirnen austauschen... absolut sinnlos


Romeo Zolin

27.07.2009, 11:01 Uhr

@Robert Sanders. Schliessen Sie sich ruhig in ihre kleine Kammer ein und machen einen auf störrischen Esel, debilen Alten und verbitterter Motzer. Diese jungen Leute machen etwas, das nichts kostet und allen dient. Mit Herumsitzen und Kritisieren retten Sie die Welt ganz bestimmt nicht.Versuchen Sie positiver zu denken, dann wird es auch Ihnen bald besser gehen. Ist doch ein Versuch wert oder?


Robert Sanders

27.07.2009, 10:17 Uhr

Diese jungen Leute, fliegen alle mit dem Flugzeug in der Welt herum und möchten dann mit ein paar ökologisch fragwürdigen Energiesparlamen das Klima retten.



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