Basel
Dampflokomotiven, Spinnen und Halbesel
Von Markus Wüest. Aktualisiert am 14.11.2010 3 Kommentare
Öffentliche Vorführungen des MCB
Am 11./12. Dezember, 8./9. Januar und 12./13. Februar; jeweils Samstag von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Elsässerstrasse 2a, Eintritt Kinder: 2.50 Franken; Erwachsene: 5 Franken.
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Die Re 6/6 zieht ohne Zug am Haken und vor allem ohne Dach ihre Kreise. «Die Lokomotive blieb einfach stehen. Eine Achse klemmte. Aber jetzt läuft sie wieder», sagt René Gygax, Präsident des Modelleisenbahnclubs Basel (MCB). Nach kurzer Reparatur und einigen Testfahrten wird der grünen SBB-Lok das Dach samt den Stromabnehmern wieder aufgesetzt. Sie ist für den Einsatz am Sonntag bereit.
Den «Vorführeffekt» kennen die meisten Modelleisenbahner: Alles läuft perfekt, bis zum Moment, in dem die Gäste eintreffen und die Miniaturwelt durch reibungslosen Betrieb glänzen soll – und nichts mehr geht. «Das gibt es bei uns nicht. Bei uns klappt an den Tagen der offenen Tür immer alles», sagt Gygax. Die Pannen ereignen sich stattdessen in der Vorbereitungsphase, wie das Beispiel mit der störrischen Lok belegt.
Tüfteln für den grossen Tag
In den vergangenen Tagen haben die Aktivmitglieder des MCB ihre Zeit, die sie dem Hobby widmen können, vor allem in die Vorbereitung der Anlage und des Rollmaterials auf den grossen Tag investiert. Morgen Sonntag erwartet der MCB ausgesuchte Gäste zur Feier des 75. Geburtstags. Dann soll natürlich alles funktionieren.
Gegründet wurde der MCB 1935 bei einer Zusammenkunft im Restaurant Metzgeren. Stolz zeigt René Gygax die Originalprotokolle der Sitzung. Das erste Clublokal mit eigenen Eisenbahnanlagen war in der Speiseanstalt des Güterbahnhofs Wolf. 1985 kündeten die SBB jedoch den Vertrag mit den Modellbähnlern. Die «Speisi» musste dem neuen Lok-Depot weichen und der MCB hatte sich nach einer neuen Heimat umzusehen.
Zwei Jahre Fronarbeit
Seit März 1989 ist dies das alte Werkstattgebäude der Stadtgärtnerei, zwischen St. Johannstor und Rhein. Die Mitglieder des MCB mussten jedoch vorerst das Häuschen instandstellen und mit einer Heizung versehen, bevor mit dem Einbau der Eisenbahnanlagen begonnen werden konnte. «Das bedeutete zuerst einmal zwei Jahre Fronarbeit», erinnert sich René Gygax, Präsident seit elf Jahren. Als die Räumlichkeiten bezugsbereit waren, wurde schliesslich intern ein Wettbewerb veranstaltet. Gesucht wurde der Plan für die beste Anlage, die errichtet werden sollte.
Was der MCB nun präsentieren kann, sind eine Anlage der Spur I (Massstab 1:32, Spurweite 45mm) im Keller und eine Anlage der Spur 0 (Massstab 1:45, Spurweite 32mm) im Dachgeschoss. Im Parterre sind die Küche und der Gemeinschaftsraum, in dem für das Jubiläum eine kleine Ausstellung mit Lokomotiven und Wagen eingerichtet wurde. Alle Fahrzeuge wurden von Clubmitgliedern selber gebaut.
Der Kampf gegen die Spinnen
Der MCB hat aktuell 135 Mitglieder. Davon sind rund 25 aktiv, zum harten Kern, der regelmässig erscheint, zählt etwa ein Dutzend. Immer am Dienstagabend ist Clubtreff. «Wir teilen uns auf», sagt René Gygax, «rund die Hälfte baut an der Spur-I-Anlage, die anderen an der Anlage in Spur 0». So entstanden in den letzten rund 19 Jahren die beiden grossen Anlagen mit Bahnhöfen, Kehrtunnels, gewaltigen Brücken und teilweise auch fertig gestalteter Landschaft. «Die einen tüfteln lieber an der Elektronik, die anderen bauen am liebsten Felshänge und Wälder. Das ist unterschiedlich», so Gygax. Hauptsache ist, dass die Züge dann auch wirklich fahren.
Besonders auf dem Gleis, das am äussersten Rand der Spur-0-Anlage verläuft, kämpfen die Mitglieder des MCB mit einem hartnäckigen Gegner: «Dort ist oft alles voll von Spinnen. Und sie hinterlassen einen solchen Dreck, dass wir mit der Schienenreinigung unsere liebe Mühe haben.» Unten im Keller wird es am Sonntag – und auch den den drei Tagen mit öffentlichen Vorführungen – gehörig dampfen. Eine Spezialität der Spur-I-Anlage sind die Live-Steam-Loks: Dampflokomotiven, die wirklich mit Dampfantrieb fahren.
Die Re 6/6 zieht mittlerweile einen Containerzug und bockt einmal kurz, als sie über eine verschmutzte Stelle fährt. Da bleiben also noch Detailarbeiten zu erledigen. Beim kleinen Lokschuppen, den die Besucher der Anlage gleich beim Betreten des Raums auf der linken Seite sehen, steht auch ein «Halbesel» zum Einsatz bereit. Ein Modell des Typs Cfe 2/6, ein Gepäcktriebwagen der SBB. Es ist das älteste Modell des MCB. Sein Erbauer ist längst verstorben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 13.11.2010, 00:10 Uhr
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Pierre A. Sobol
Ein Artikel über ein erfreuliches Thema!!!! Keine Kriege, Todschlag, Überfälle und ähnliches. Nein; Geburtstag eines Vereins fahrender, oder auch streikender Eisenbahnen. Spinnen die sich auf einer Modelleisenbahn breit machen. Erfrischend und spannend! Ich freue mich auf morgen und hoffe die Anlage besuchen zu können. Ich liebe Modelleisenbahnen! Antworten