Basel
Das Messer im Zentrum einer Debatte
Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 12.01.2012 58 Kommentare
So wirbt die Basler SVP für ihre Initiative, über die am 5. Februar abgestimmt wird.
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Es ist kein schönes Plakat: Ein Mann in Jeans hält ein langes Messer hinter dem Rücken, ein Polizist packt ihn am Handgelenk. Die Messerklinge blitzt, das Signet der Kantonspolizei Basel-Stadt ist zu sehen, darüber steht «Kriminelle stoppen» und «Ja zur Sicherheitsinitiative». Am 5. Februar stimmen die Basler über die Sicherheitsinitiative der SVP ab, die statt 45 über 100 zusätzliche Polizisten erfordern würde.
Doch auch wenn das Plakat keine Augenweide bietet, so fällt es doch auf, nicht zuletzt durch seine für die SVP untypische Zurückhaltung. Keine Minarett-Raketen, die aus dem Boden schiessen, keine schwarzen Schafe, die aus der Schweiz gekickt werden, keine klischeehaften Verbrecher mit Pistolen, keine Asylsuchenden, die als Diebe dargestellt werden. «Wir hätten durchaus mehr provozieren und zum Beispiel einen Nordafrikaner mit einem Messer zeigen können, aber wir wollten keine Anti-SVP-Reflexe bedienen. Die Fakten sind aussagekräftig genug und brauchen keine grafische Unterstützung», sagt Sebastian Frehner, Präsident der SVP Basel-Stadt. Das Messer habe man bewusst so gewählt, weil es die Sicherheitssituation im Kanton am besten widerspiegle, sagt Frehner. In den vergangenen Monaten seien viele Gewaltdelikte mit einem Messer verübt worden und gerade bei Raubüberfällen und gewalttätigen Auseinandersetzungen seien immer häufiger Messer im Spiel.
Zweithäufigstes Tatinstrument
Das Messer ist im Zentrum einer neuen Debatte, wie sicher der öffentliche Raum ist und ob 45 Polizisten genug sind. Auch wenn das Plakat eine unverkennbare Handschrift trägt, so spielen Messer rein objektiv tatsächlich eine Rolle. In den Fünfzigerjahren waren es die Halbstarken, die sich in Messerstechereien verwickelten, in den 1970er-Jahren gehörte ein Stellmesser in jede Rockerlederjacke und heute tauchen Messer immer öfter im Zusammenhang mit Delinquierenden auf, die sogenannten Migrationshintergrund haben.
Markus Melzl, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, bestätigt das Comeback des Messers als Tatinstrument: «Messer und Stichwaffen haben eine hohe Bedeutung bei Gewaltdelikten. Es geht nicht nur darum, das Opfer zu verletzen, sondern auch darum, jemanden zu bedrohen. Wir stellen vor allem im Zusammenhang mit Überfällen fest, dass Täter Messer oder Stichwaffen verwenden.» Bei Überfällen und gewalttätigen Auseinandersetzungen werden die Opfer am häufigsten mit Fäusten und Fusstritten niedergeschlagen, am zweithäufigsten jedoch mit einem Messer oder einer Stichwaffe bedroht oder verletzt. Gemäss Fedpol wurden im Jahr 2010 in der Schweiz Schneid- und Stichwaffen als häufigste Waffen bei Raubdelikten eingesetzt.
Mehr Raubdelikte
Vergangenen Samstag kam es zum jüngsten von der Staatsanwaltschaft kommunizierten Delikt mit einem Messer: Unbekannte haben in einem Hochhaus an der Heuwaage eine 60-jährige Italienerin in ihrer Wohnung mit einer Stichwaffe verletzt. Zwei Osteuropäer waren der Frau von einem Restaurant in der Steinentorstrasse gefolgt und hatten sie dort bedroht und ihr in den Hals geschnitten. 2011 zeichnet sich nicht nur eine Verschlechterung der subjektiven Sicherheitssituation auf Basels Strassen ab, auch objektiv registriert die Polizei mehr Probleme im öffentlichen Raum. Bei Raubüberfällen stieg die Deliktquote erneut und setzt damit ihren Mehrjahrestrend nach oben fort. Die Staatsanwaltschaft gibt die offiziellen Zahlen erst im Rahmen der Präsentation der Kriminalstatistik in den kommenden Wochen heraus, auf Anfrage der BaZ zieht Markus Melzl bereits jetzt ein erstes Fazit: «2010 kam es zu 178 Raubdelikten, im Moment haben wir für das vergangene Jahr 191 solche Straftaten gezählt. Wobei diese Zahl aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Fälle weiter steigen dürfte.»
Die Zunahme von sieben Prozent bei den Raubüberfällen steht jener von 36 Prozent bei den Entreissdiebstählen gegenüber: 2010 kam es zu 55 Vorfällen, 2011 zu 75. Noch ist unklar, wie sich die Gewalt im öffentlichen Raum entwickelte, zum Beispiel bei Raufereien und gewaltsamen Auseinandersetzungen am Wochenende. Die BaZ-Crime-Map, die in den nächsten Tagen erscheinen wird, weist aber darauf hin, dass es mehr Brutalität auf Basels Strassen gibt.
Polizisten häufig bedroht
Gewalt und Messerangriffe gegenüber Polizisten sind Thema bei der Polizeiführung. So sagte Gerhard Lips, Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt, vergangenen November, Polizisten seien weniger in Gefahr, mit einer Schusswaffe verletzt zu werden, als dass ein Angreifer mit einer Stichwaffe oder Fäusten auf Einsatzkräfte losgehe. Und Klaus Mannhart, Medienchef der Kantonspolizei Basel-Stadt, sagt zum Thema: «Polizisten mussten schon immer damit rechnen, dass bei einem Einsatz jemand mit einem Messer oder einer Stichwaffe auf sie losgeht.»
Wie ernst die Situation wirklich ist, zeigt eine Aussage von David Gelzer, Präsident des Polizeibeamtenverbandes beider Basel: «Heute gehört es zum Alltag, dass Polizisten angepöbelt, beleidigt, beschimpft oder angegriffen werden. Die Fälle von Gewalt und Drohungen gegenüber Beamten nahmen in den letzten Jahren massiv zu.» In der Asservatenkammer bewahrt die Kriminalpolizei jene Messer auf, welche Polizisten beschlagnahmten. Ein solches Messer, wie es die SVP auf dem Plakat hat, findet sich dort keines. Dafür Spring- und Klappmesser jeder Grösse und Ausführung. «Wir finden vor allem sogenannte Schmetterlingsmesser», sagt Melzl. «Diese lassen sich mit einer Hand öffnen und können schlimme Verletzungen zufügen.» Ebenfalls oft stellen die Polizisten Springmesser, Speed Locks wie sie heute heissen, sicher. Das sind kurze, robuste Messer, die sich leicht in Hosensäcken und Jackentaschen tragen lassen. Verkauf und Besitz solcher Messer sind in der Schweiz verboten, aber sie können problemlos im Internet bestellt werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 12.01.2012, 07:27 Uhr
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58 Kommentare
Dass es diese Initaitive braucht ist fraglos.Dass es erneut die SVP ist,die eine solche Initiative lanciert nur logisch.Dass sich viele Stimmbürger lediglich dagegen aussprechen nur weil es die SVP lanciert,wohlwissend,dass die Initiative nötig wäre und die Uhr in BS auf 5 nach 12 steht,ist erbärmlich,traurig und ein Spiegelbild der Linken,achso toleranten Wähler...... Antworten
Die linken Verharmloser, Schönredner, Wirklichkeitsverweigerer und Kopfstreichler kommen immer mehr in Erklärungs-Notstand. Ihre dummen Ausreden wie "Einzelfall" u.ä. zeigen beim Stimmvolk bald keine Wirkung mehr. Auch ihre Doppelzüngigkeit betreffend mehr Polizei wird immer unglaubwürdiger. Daher am 5.2.12 ein JA zur Sicherheits-Initiative der SVP - hopp Basel! Antworten
Basel
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