Basel
«Das Potenzial ist nicht ausgeschöpft»
Von Patrick Marcolli. Aktualisiert am 02.01.2010
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Wird die Stücki ein Erfolgsmodell?
"Wir sind im Fahrplan", sagt Jan Tanner, Leiter des Shoppingcenters Stücki. Glauben auch Sie, dass das Center in Kleinhüningen langfristig erfolgreich wirtschaften wird?
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BaZ: Herr Tanner, Sie sind um Ihre Aufgabe nicht zu beneiden: Nach der Eröffnung herrschte beim Stücki-Center ein Verkehrs- und Abfallchaos wegen des grossen Ansturms. Dieser Tage nun fragt sich die Öffentlichkeit, ob die Stücki überhaupt rentiert. Wie arbeitet es sich zwischen diesen Extremen?
Jan Tanner: Als Center-Manager muss ich wie ein kleiner Bürgermeister funktionieren und an allen Fronten tätig sein – sowohl nach innen wie nach aussen. Das bereitet jeden Tag viel Freude, und die Arbeit im Center-Management-Team macht viel Spass. Es war mir von Anfang an bewusst, was auf mich zukommen wird, und die schwierigsten Monate stehen uns erst noch bevor. Die heutige Stücki wurde ja durch eine Volksabstimmung bewilligt; so verstehen wir uns denn auch als Teil der Stadtentwicklung Basels.
Einige Mieter, wie beispielsweise die Migros, haben öffentlich geäussert, sie seien mit dem Geschäftsgang in der Stücki nicht zufrieden. Wie sehen Sie das?
Ich betone immer wieder: Wir brauchen drei Jahre Zeit, um uns wirklich etablieren zu können. Aber auch so sind unsere Zahlen gut. Bei 120 Mietern gibt es natürlich den einen oder anderen, dessen Erwartungen an den Geschäftsgang nicht erfüllt wurden. Es gibt aber auch jene, deren Erwartungen übertroffen wurden.
Zum Beispiel?
Saturn bezeichnet die Stücki als eine ihrer erfolgreichsten Eröffnungen in ganz Europa.
Sie sprachen von insgesamt guten Zahlen – können Sie sie belegen?
Wir werden sicher nicht den Fehler anderer grosser Shopping-Center in der Schweiz machen und unsere genauen Zahlen zu früh kommunizieren. Mit dem Eröffnungshype und dem Weihnachtsgeschäft wären diese Zahlen überhaupt nicht repräsentativ: Diese Woche hatten wir am Montag und Dienstag insgesamt 45 000 Besucherinnen und Besucher, was überdurchschnittlich viel ist. Aber ich kann sagen, dass wir insgesamt im Fahrplan sind.
Das heisst, Sie haben Ihr Ziel erreicht, täglich 20 000 Besucher anzulocken?
Wir sind sehr nahe dran und konnten bislang insgesamt 1,3 Millionen Besucher zählen, was täglich zwischen 15 000 und 20 000 Besuchern entspricht. Unser Potenzial ist aber noch lange nicht ausgeschöpft.
Und wie sieht es beim Umsatz aus, der ja noch wichtiger ist?
Auch hier sind wir auf Kurs. Im ersten Jahr möchten wir zwischen 200 und 250 Millionen Franken umsetzen. Wir sind auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen. Nach drei Jahren sollen es dann 300 Millionen Franken jährlich sein.
Woher kommen Ihre Kunden?
Über 20 Prozent kommen aus Deutschland, rund zehn Prozent aus Frankreich. Die Schweizer Kunden machen mit 70 Prozent den grössten Anteil aus.
Evaluieren Sie auch, woher aus der Nordwestschweiz die Kunden kommen?
Wir erheben lediglich, aus welchem Teil der Stadt die Kunden kommen, und stellen dabei fest, dass sie in etwa zu gleichen Teilen aus Gross- und aus Kleinbasel sowie aus Riehen stammen.
Und mit welchem Transportmittel gelangen sie zur Stücki? Der befürchtete Mehrverkehr war ja das grosse Thema vor der Volksabstimmung und wurde dann bei der Eröffnung zum realen Problem.
Erfreulicherweise gelangt mehr als die Hälfte der Kunden mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Velo zu uns. Dieser Anteil, so habe ich mich informiert, ist für ein Shoppingcenter unserer ECE-Gruppe sehr hoch. Er zeigt aber auch, wie besonders Basel in dieser Hinsicht funktioniert. Gerade deshalb bereitet uns das Fahrtenmodell der Behörden, welches die Anzahl An- und Zufahrten ins Autoparking beschränkt, keine Sorgen.
Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, wie Sie künftigen Anstürmen an automobilen Kunden besser Herr werden?
Es werden sich in Kürze einige Verbesserungen ergeben. Nach zähen Verhandlungen mit dem Bundesamt für Strassen haben wir erreicht, dass die Stücki ab der Autobahnausfahrt Strassenschilder mit «Einkaufszentrum Stücki» anbringen darf. Es werden insgesamt 13 sein – wir bezahlen sie selbst und werden im Januar in Bern die Eingabe dazu machen. Zudem werden demnächst die Spuren- und Bodenmarkierungen auf den Zufahrtsstrassen unmissverständlicher. Das war uns ein wichtiges Anliegen und ist auch für die Sicherheit der Automobilisten relevant.
Kürzlich haben Sie angekündigt, dass Sie die Tarife im Parking deutlich senken werden. Haben Sie mit den Tarifen übertrieben?
Wir haben sicher ein etwas zu grobes Stundenraster angewendet. Die Tarife basieren auf dem Fahrtenmodell. Wenn es nach uns ginge, würden wir die Kunden kostenlos parkieren lassen.Ab heute werden nun die Preise gesenkt und es werden Halbstundentarife eingeführt. Nach unseren Analysen parkiert der Durchschnitt unserer Kunden zwischen zwei und vier Stunden. So tragen wir den Bedürfnissen der Kundschaft noch besser Rechnung.
Hat sich der Mietermix bislang eigentlich bewährt?
Ja, das kann man so sagen. Die einzigartige Vielfalt von 120 Shops ist eine unserer grossen Stärken. Der Wettbewerb spielt auch hier und es wird auch hier in den kommenden Monaten und Jahren noch Anpassungen geben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 02.01.2010, 09:48 Uhr
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