Das SVP-Ultimatum läuft ab – und nichts geschieht

Von Philipp Loser. Aktualisiert am 24.07.2009 20 Kommentare

Die 100 Tage des SVP-Ultimatums sind beinahe um. Das Bürgertelefon klingelt noch höchstens einmal pro Woche, und Ideen, wie die Sicherheit im Kanton verbessert werden soll, hält die SVP unter Verschluss. Wenn sie denn welche hat.

Widerspruch: Laut SVP fordern die Leute mehr unifomierte Polizei – eine kürzlich publizierte Umfrage sagt das Gegenteil (im Bild ein Einsatz der Polizei an der Euro 2008).

Widerspruch: Laut SVP fordern die Leute mehr unifomierte Polizei – eine kürzlich publizierte Umfrage sagt das Gegenteil (im Bild ein Einsatz der Polizei an der Euro 2008). (Bild: Dominik Plüss)

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SVP-Präsident Sebastian Frehner wohnt in einer ziemlich gefährlichen Stadt. Er konstatiert heute, eine halbe Woche bevor sein 100-Tage-Ultimatum an die Basler Regierung abläuft, immer noch ein «heiteres Zusammenschlagen und Messerstechen». Dabei war die Forderung der Partei im April doch einigermassen deutlich gewesen: «Die SVP Basel-Stadt gibt dem Regierungsrat hundert Tage Zeit, um die Gewalt in unserem Kanton nachhaltig einzudämmen.»

Andernfalls werde die Partei reagieren. Mit Parlamentsvorstössen, Volksinitiativen, Demonstrationen und Bürgerwehren. Als ersten Schritt richtete die SVP im April ein Bürgertelefon ein, mit dem der Partei Delikte und mögliche Lösungsvorschläge zur Sicherheitsproblematik gemeldet werden konnten.

«Die Partei bewirtschaftet die Ängste der Bevölkerung.»

Die Basler Regierung ging nicht öffentlich auf das Ultimatum ein, wohl aber intern: Am 24. April lud Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP) eine Delegation der Partei zu einem Gespräch, das wohl nicht zu beidseitiger Befriedigung verlaufen sein muss. Zwei Wochen später nahm der Sicherheitsdirektor erstmals öffentlich Stellung zu den SVP-Plänen und brauchte dabei deutliche Worte: «Die Partei bewirtschaftet mit ihrer Aktion die Ängste der Bevölkerung.»

Das sei höchst verantwortungslos und überhaupt nicht nützlich, sagte Gass an der Präsentation einer repräsentativen Umfrage im Mai, laut jener das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in den vergangenen drei Jahren leicht gestiegen ist.

Diese Umfrage ist für die SVP und ihren Präsidenten Frehner der Ursprung der Probleme. «Es werden die falschen Fragen gestellt», sagte Frehner damals. Seine Erfahrung im Kontakt mit der Bevölkerung zeige ihm, dass das subjektive Sicherheitsempfinden bei Weitem nicht so gut sei, wie von der Studie behauptet. Das habe sich bis heute, eine halbe Woche vor dem Ablauf des Ultimatums am Mittwoch, nicht geändert: «Die Sicherheitslage ist immer noch gleich schlecht.»

«Wir liegen damit genau im Schnitt»

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft mit schlichten Zahlen. Bereits am Montag schätzte Markus Melzl, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft, die Anzahl der Delikte gegenüber dem Regionaljournal als «völlig normal» ein. Einen Tag später lieferte er die Statistik zu seinen Fakten. Bis Mitte Juli hat die Staatsanwaltschaft insgesamt rund 550 Körperverletzungen gezählt – das ist die Hälfte aller Anzeigen aus dem Gesamtjahr 2008. «Wir liegen damit genau im Schnitt», sagt Melzl.

Leicht darüber liegen die Raubstraftaten, von denen bis Mitte Monat rund 130 begangen wurden. Im ganzen Jahr zuvor waren es ingesamt 178. «Das ist zwar ein Anstieg, aber immer noch ein relativ tiefer Wert.» Laut Melzl gibt es keinen Ausreisser in diesem Jahr, der die Behörde alarmieren sollte.

Sebastian Frehner lässt das so nicht gelten. Aus seiner Sicht liegen die Dinge klar: Die Sicherheitslage ist immer noch schlecht. Die Regierung hat nichts gemacht. «Also müssen wir etwas tun.» Was genau das sein soll, will der SVP-Präsident erst nächste Woche verraten. Einer der am meisten gehörten Wünsche am Bürgertelefon sei jener nach mehr uniformierter Polizei gewesen. Damit widersprechen die SVP-Anrufer einer Kernaussage der Umfrage des Sicherheitsdepartements, wonach eine Mehrheit der Befragten mehr uniformierte Polizei als unnötig erachtet. «Wir werden trotzdem etwas in dieser Richtung unternehmen», verspricht Frehner. Was genau das sein wird, ist offen.

Vom Bürgertelefon sind in letzter Sekunde wohl keine Inputs mehr zu erhoffen. Nachdem zu Beginn der Aktion täglich zwischen 10 und 15 Personen anriefen, ist es laut dem SVP-Präsidenten heute noch ein Anrufer pro Woche. Frehner beurteilt denn auch den Erfolg seiner Aktion differenziert. Zwar sei das Echo in den Medien und der Bevölkerung zu Beginn gut gewesen, «aber zur Verbesserung der Sicherheitslage haben wir nicht beigetragen. Dazu sind unsere Mittel zu beschränkt». Trotzdem werde die Partei auf das Ende des Countdowns reagieren.

Auf diese Reaktion wartet man im Justiz- und Sicherheitsdepartement gelassen. «Wir schauen mal, was die SVP präsentiert», sagt Mediensprecher Martin Schütz. Aber man sei überzeugt, auch ohne diese Vorschläge eine ziemlich gute Sicherheitspolitik zu machen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.07.2009, 08:20 Uhr

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20 Kommentare

Dino Heimann

24.07.2009, 11:35 Uhr
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Ich bin fast jedes Wochenende in Basel bis früh am Morgen unterwegs, fühle mich aber deshalb nicht unsicher. Passiert ist mir auch noch nie etwas. Wenn man die Anzahl der Gewalttaten mal mit der Bevölkerunszahl in Basel und der nahen Agglo übereinander legt, behaupte ich ebenfalls das Basel sicher ist. Lasst euch doch nicht immer von Panikmachern und Schwarzmalern verunsichern, Hergott nochmal. Antworten


Vreni Gramelsbacher

24.07.2009, 12:40 Uhr
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Vielleicht streichen ja in Basel bald ein paar - selbsternannte - Polizisten herum, wie in Birsfelden. Und um zu beweisen, dass Basel gefährlich ist, engagieren sie dann ein paar eigene Leute, die ihren eigenen Leuten Angst einjagen. Lachnummer 2... Ich fürchte mich am meisten vor solchen "Zolipisten"! Die sind gefährlich! Antworten



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