Das Stücki-Einkaufszentrum gibt nicht auf

Ex Libris zieht aus, dafür will das Shoppingcenter gleich in zwei neuen Segmenten Fuss fassen – zumindest eines verspricht Erfolg.

Gähnende Leere: Das Stücki kämpft mit einer neuen Strategie gegen die leeren Läden an.

Gähnende Leere: Das Stücki kämpft mit einer neuen Strategie gegen die leeren Läden an. Bild: Keystone

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Das Einkaufszentrum Stücki ist ein Stehaufmännchen: Zwar sind die Zahlen rot und grosse Flächen stehen leer, aber Center-Manager Tim Mayer und sein Team denken nicht daran, aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Ein betreuter Kinderspielplatz und ein modernes Fitnesscenter sollen das Stücki endlich zu einem Publikums-magneten machen.

Das ist dringend nötig. «Die Aufhebung des Wechselkurses hat den Einkaufstourismus klar beflügelt», sagt Mayer. Anfang Jahr lag der Umsatz, den die Shop-Mieter mit ihren Verkäufen generierten, sieben Prozent unter dem Soll. «Auf diesem Niveau hat sich die Situation jetzt eingependelt. Wir werden das Jahr mit einem Minus ab- schliessen», erklärt Mayer. Das hängt vor allem mit den vielen Auszügen zusammen, die das Stücki zu verzeichnen hat. «Ex Libris wird uns per Ende Monat verlassen», erklärt Mayer. Grund dafür sei die Situation in der Elektro-Branche: «Sie haben es aktuell nicht einfach.»

Alle fahren am Stücki vorbei

Unterwegs im 8er-Tram Richtung Stücki-Shoppingcenter. Es ist Donnerstagmorgen. Die Anzahl Fahrgäste steigt von Haltestelle zu Haltestelle, man steht dicht beieinander – die Sitzplätze sind längst alle belegt. Trotzdem ist die Stimmung heiter, ausgelassenes Gelächter vermischt sich mit Babyschreien und man vernimmt den Klang angeregter Unterhaltungen in diversen Sprachen. Ein Treiben, das sich die Ladenbesitzer des Stücki-Shoppingcenters aktuell nur wünschen können. Denn an der Haltestelle Kleinhünigen steigt kaum jemand aus. Das mit Einkaufstouristen überfüllte grüne Drämmli setzt seinen Weg in Richtung Landesgrenze fort.

Das Einkaufscenter bestätigt die böse Vorahnung: Nur vereinzelt schlendern Besucher an den Schaufenstern der Geschäfte vorbei. Viele davon sind mittlerweile geschlossen und mit bunten Bannern überdeckt – wohl um zu verhindern, dass durch die leer stehenden Räumlichkeiten ein verlassener Eindruck entsteht. Eine stilvolle Inneneinrichtung, die einladende Raumgestaltung und sympathische Werbe- slogans an den Wänden zeugen zwar von viel Potenzial, der erhoffte Ansturm bleibt allerdings trotzdem aus. Es scheint, als wäre man wirklich bemüht, den Besuchern eine tolles Einkaufs- erlebnis zu ermöglichen.

Teilweise versucht man die kahlen Flächen mit Stellwänden und modernen Sitzgelegenheiten aufzuwerten. Grosse Ladenketten wie Media-Markt, H&M und Starbucks halten tapfer die Stellung im Kampf gegen die lockenden Europreise im nahe gelegenen Weil am Rhein. Und auch die kleineren Ge- schäfte versuchen mit Preisreduktionen von bis zu 70 Prozent auf sich aufmerksam zu machen und dem Abwärtstrend entgegenzuwirken.

Fitness und Kinderbetreuung

Allen Widrigkeiten zum Trotz baut das Stücki um und aus: Auf 2000 Quadratmetern entsteht im Obergeschoss ein modernes Fitnesscenter. Moderne Technik, neuste Geräte, alle Gesundheitsdaten werden über einen Computer gebündelt, «sodass der Kunde seinen Trainingserfolg sofort sehen kann», erklärt Mayer. Das Fitnesscenter wird sich allerdings auf das Wesentliche konzentrieren, einen Wellnessbereich gibt es nicht. An den Geräten geschwitzt wird im Stücki ab dem Jahreswechsel. Für Kinder zwischen drei und 14 Jahren entsteht ein riesiges Spielparadies: 2500 Quadratmeter umfasst der erste Schweizer «Playport»-Indoorspielplatz. Synergien zwischen den neuen Segmenten sollen genutzt werden.

Klettergerüste, Spielburgen, thematische Geburtstagsräume – «alles, was das Kinderherz begehrt», wartet ab dem kommenden Frühling im Stücki. Der Indoorspielplatz ist keine Neuerfindung, er wurde bereits in gleicher Form in Dresden und Moskau eingeführt – erfolgreich, wie Medienberichte belegen. Das Stücki macht damit einen weiteren Schritt auf das neu erkorene Zielpublikum. «Wir wollen junge Familien ansprechen, der Ausbau ist dazu optimal.» Die Kombination von Fitness, Shopping und günstigem Kinderhütedienst könnte sich für das Stücki tatsächlich auszahlen – in Dresden zumindest boomt der Playport so sehr, dass teilweise gar nicht mehr alle spiel­begeisterten Kinder eingelassen werden konnten – allzu voll war der Spielplatz.

Die Hoffnung überträgt sich auf die Angestellten des Stücki-Einkaufszentrums. Von den geplanten Neuheiten erhofft man sich einen Besucherzuwachs: «Es wäre schön, wenn dadurch mehr Leute den Weg in das Stücki finden würden», sagt eine Verkäuferin. Es bleibt daher zu hoffen, dass die innovativen Massnahmen bald Anklang finden und das «schönste Einkaufszentrum der Region» dadurch wiederbelebt wird.

Nicht nur die Mitarbeiter des Einkaufszentrums, auch seine Besitzer schöpfen dank den neuen Plänen wieder Mut. Die BaZ hat bei der Immobilienfirma Swiss Prime Site in Zürich nachgefragt, wie sie zum Stücki steht: «Das Stücki Basel war Bestandteil der Jelmoli-Transaktion im Jahre 2009. Es handelte sich hier um ein Immobilienpaket – es konnten keine einzelnen Liegenschaften ausgewählt werden.» Das Stücki sei ein wichtiger Teil des Bas- ler Immobilienportfolios, «wir werden auch zukünftig nachhaltig in unsere Basler Immobilien investieren», sagt Pressesprecherin Claudia Kienberger. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.09.2015, 07:06 Uhr

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