Basel

Das leise Ende einer Zwischennutzung

Von Christian Mensch. Aktualisiert am 11.10.2010 3 Kommentare

Der Club «Satisfactory» an der Utengasse schliesst vorzeitig die Tore. Für 15 Millionen Franken entsteht dort ein Jazzcampus mit eigenem Club.

Während zwei Jahren Ort einer Zwischennutzung: Die ehemalige Maschinenfabrik Bachofen.

Während zwei Jahren Ort einer Zwischennutzung: Die ehemalige Maschinenfabrik Bachofen.
Bild: zVg

Die «Satisfactory» schliesst ihre Tore, und Radio «Open Broadcast» zieht nach Zürich. Für zwei ambitionierte Zwischennutzungen eines Fabrikareals kommt das Aus. Es habe nicht wirklich funktioniert, sagt Thomas Gilgen. Der Initiant des Radioprojekts «Open Broadcast», der zuvor in Zürich reiche Radio- und Club­erfahrung gesammelt hatte, zieht eine gemischte Bilanz nach zwei Jahren Zwischennutzung der ehemaligen Maschinenfabrik Bachofen an der Utengasse.

Gilgens Radioprojekt konnte zwar unter besten Voraussetzungen starten: Open Broadcast hat eine Sendekonzession des Bundesamts für Kommunikation, eine gesicherte digitale Verbreitung sowie eine Anschubfinanzierung durch die Stiftung Levedo der Basler Mäzenin Beatrice Oeri über zwei Millionen Franken. Die Räumlichkeiten waren ideal, zentral gelegen, lärmunempfindlich, mit dem industriellem Charme, der die Szenegänger lockt.

Szenetreff auf Zeit

Nach erfolgreichen Partyveranstaltungen während der Kunstmesse Art 09 öffneten Gilgens Zürcher Freunde im November 2009 zudem am gleichen Ort den Konzertclub «Satisfactory», der sich innerhalb kürzester, wenn auch nur für kurze Zeit, zum angesagten Szenetreff entwickelte. Sowohl Club als auch Radio entsprachen ziemlich genau dem Profil, das der Kanton Basel-Stadt unter dem Begriff Kreativwirtschaft gezielt fördern möchte.

Die Stiftung Habitat, ebenfalls eine Einrichtung von Beatrice Oeri, hatte das Firmengelände auf Anfang 2009 gekauft und für die Zwischennutzung bis Ende 2010 bereitgestellt. Doch nun schliesst der Club vorzeitig und nach nachlassendem Erfolg mit klammen Kassen die Tür. Am 23. Oktober steigt die letzte Veranstaltung. Open Broadcast geht erst Ende Jahr. Das Radio verlässt nicht nur den Ort, sondern auch die Stadt und fährt in Zürich weiter. Selbstkritisch stellt Gilgen fest, dass sowohl er als auch die Clubpromotoren als Zugereiste die alten Zürcher Netzwerke gepflegt, den Anschluss an die Basler Szene aber nicht gefunden hätten.

Raum für Jazz

«Satisfactory» und Open Broadcast werden nun als Episode in die Geschichte der Utengasse eingehen. Ein grösseres Kapitel will die Stiftung Habitat mit dem Nachfolgeprojekt schrei­ben: Nach einem 15-Millionen-Franken Umbau durch die Basler Architekten Buol & Zünd wird die Jazzschule Basel als Mieterin einziehen. Das Baubegehren liegt seit vergangener Woche auf. Bernhard Ley, Leiter der in die Musikakademie eingegliederten Jazzschule, hofft, den Betrieb an der Utengasse auf das Schuljahr 2013 aufnehmen zu können. Nebst einer modernen Infrastruktur für den Lehrbetrieb werden ihm drei besondere Räume zur Verfügung stehen. Zum einen ein Studio für professionelle Jazzaufnahmen. Zum anderen ein Performance-Saal. Und drittens ein eigentlicher Jazzclub, in dem eigene wie eingeladene Bands vor ebenfalls 150 Personen in Clubatmosphäre spielen können.

Mehr zum Thema heute in der Basler Zeitung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.10.2010, 11:18 Uhr

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3 Kommentare

Jannik Roth

11.10.2010, 11:38 Uhr
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schade, schade. - Das Satisfactory hat es einfach verpasst, den "Vibe" unserer Generation richtig aufzugreifen. Zu alternativ & zu abgefahren für ein clubverschlafenes Basel. - Dass daraus nun ein Jazzlokal entstehen soll, finde ich höchst bedenklich! Der basler Kulturszene werden einfach alle Räumlichkeiten entbunden. Wo sollen wir den hin?! Antworten


Anna Kunz

11.10.2010, 14:38 Uhr
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Ich plichte T.G. bei: die "satis" hat es definitv verschlafen, sich an gut vernetzte, innovative und vorallem erfolgreiche fremdveranstalter aus BS zu wenden. so entstand ein JEKAMI ohne stuktur, was hochstende lineups verunmöglichte und die besucher nicht an den kulturbetrieb gebunden hat. zudem wurde fast keine werbung betreiben. schade um die tollen räumlichkeiten, welcome to jazz club.. Antworten



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