Das letzte, laute Aufbäumen der «Schmitti»

Vier Jahre hielt es Andrea Strähl in der «Alte Schmitti» aus. Am Wochenende hat die zähe Wirtin das Lokal an der Unteren Rheingasse 12 geschlossen. Damit verliert das Kleinbasler Nachtleben ein lautstarkes Kleinod.

Jetzt ruht der Zapfhahn: Kurz nach vier Uhr gab Andrea Strähl am Sonntagmorgen das letzte Bier aus. 
Archivbild: Pino Covino

Jetzt ruht der Zapfhahn: Kurz nach vier Uhr gab Andrea Strähl am Sonntagmorgen das letzte Bier aus. Archivbild: Pino Covino

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Am vergangenen Samstag wurde in der «Schmitti» zum letzten Mal getrunken und gefeiert. Der Publikumsandrang war gewaltig, die Stimmung in der speckigen Bar mit Rock ’n’ Roll-Ambiente ebenfalls. Als Andrea Strähl die «Schmitti» übernahm, war diese eine Kontaktbar, wo Prostituierte und Freier einander fanden. Das brachte die Wirtin ungewollt mit dem Rotlichtmilieu in Kontakt und mit dem Gesetz in Konflikt.

Der für sie unvorteilhafte Mietvertrag trieb Strähl in die Schuldenfalle und vor das Schlichtungsgericht. Die Einführung des Rauchverbots zwang einen Teil ihrer Kundschaft vor die Tür, darauf hagelte es Lärmklagen aus der Nachbarschaft.

Die letzten Live-Auftritte

Wichtig wurde die «Schmitti» nicht zuletzt darum, weil dort Live-Musik gespielt wurde, wie sie in der Basler Innenstadt sonst kaum mehr ein Zuhause findet. Im ersten Stock probten ferner Guggemuusigen auf die Fasnacht hin. Mit Konzerten vor und in der «Schmitti» gedachten die Pumperniggel und die Spunte-Gumper am Samstag des Verlusts einer Beiz, wo sie immer willkommen waren. Entsprechend traurig war das wuchtige Spiel der beiden Guggen.

Ab 22 Uhr stand Punk- und Garagen-Rock auf dem Programm. Chicken Reloaded aus Biel spielten zum Auftakt Covers von The Undertones, The Ruts und The Clash. Die Basler Bikini Girls waren die allererste Band, die auf der improvisierten Bühne zwischen Bar und WC aufspielten, als die «Schmitti» noch eine Kontaktbar war. Das Publikum quittierte diese Auftritte mit grossem Applaus und viel Gedränge. Bis die «Schmitti» gestern Sonntag um 8 Uhr ihre Tore schloss, blieb laut Andrea Strähl alles friedlich. «Dabei ist uns das Bier bereits kurz nach 4 Uhr ausgegangen», lacht sie.

Zukunft ist noch offen

Was sie zukünftig machen wird, weiss Andrea Strähl nicht. Gerne würde sie ein neues Lokal mit einem ähnlichen Konzept eröffnen. «Entscheidend für die ‹Schmitti› war, dass bei uns alle, vom Punk bis zum Fasnächtler, vom Metal- bis zum Country-Fan, willkommen waren», sagt Strähl. So willkommen haben sich einige der Gäste gefühlt, dass sie Strähl sonntags per Telefon aus dem Bett holten – im Glauben, dass die viel beschäftigte Wirtin tatsächlich ­wissen könnte, wo ihre Jacken am Vorabend liegen geblieben waren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.01.2015, 15:19 Uhr

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