Basel
Das neue Tram heisst wohl Avenio
Von Christian Mensch. Aktualisiert am 14.05.2010 34 Kommentare
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Die gemeinsame Trambeschaffung von BLT und BVB ist gescheitert. Die BVB verabschieden sich vom Tango-Tram und favorisieren eine andere Variante. Ist dieser Entscheid richtig?
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Die BVB haben ihre Ankündigung wahr gemacht – die gemeinsame Trambeschaffung mit der BLT ist gescheitert. Martin Gudenrath, neuer BVB-Verwaltungsratspräsident und treibender Spaltpilz in dieser Partnerschaft, redet den Entscheid klein. Schliesslich sei es in der Wirtschaft die Regel, dass nur gerade drei von zehn Projekten auch erfolgreich beendet würden. Und eine Absage an Kooperationen mit der BLT sei dies keineswegs.
Wort- und variantenreich erklärte Gudenrath an einer Medienorientierung am Mittwoch, was zu dieser Trennung geführt habe: Populärphilosophische Betrachtungen wie der allgemeine Alterungsprozess der Bevölkerung kamen darin ebenso vor wie der «Peak Oil», der Auswirkungen auf die Energiepreise habe. Neue rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich Sicherheit und behindertengerechten ÖV fanden in dieser Argumentation Platz, obwohl das Bundesamt für Verkehr (BAV) erklärt, es sehe derzeit keine relevanten Änderungen auf die Verkehrsbetriebe zukommen. Natürlich fand auch die Marktforschung Eingang; eine repräsentative Studie unter Baslern habe ergeben, dass der Combino bei den Fahrgästen besser abschneide als der Tango (kein Wort über die aussagekräftigere Zürcher Studie, die keine Differenz in der Befindlichkeit zwischen Combino- und Tango-Fahrern feststellen konnte). Und dann ein neues Argument: Mit der ursprünglich vorgesehenen Beschaffung von zwanzig Tangos würden die BVB in eine Falle tappen, sagte Gudenrath. Er begründete: Bis in gut zehn Jahren sollte die ganze Flotte modernisiert sein, was nun einen grösseren Beschaffungsschritt erfordere. Zudem bräuchten die BVB unterschiedlich lange Trams, um beispielsweise auch das Bruderholz zu befahren. Die BVB hätten dazu in den vergangenen Wochen eine ausführliche Tramstrategie entwickelt. Zusammen mit dem bunten Strauss der übrigen Argumente hat die neue Strategie den Verwaltungsrat offenkundig überzeugt: Die BVB steigen aus dem partnerschaftlichen Beschaffungsgeschäft mit der BLT aus, zahlen die vereinbarte Entschädigung von 1,2 Millionen Franken und schreiben den Auftrag neu aus.
Dreissig Fahrzeuge bis 2014
Gudenrath sagte zum Beschaffungsplan: Im Herbst soll die Ausschreibung erfolgen, im Frühjahr 2011 der Zuschlag und Ende Jahr dann schon ein erstes Exemplar auf dem Basler Schienennetz verkehren. Leichte Röte stieg bei diesen Worten des Verwaltungsratspräsidenten dem BVB-Direktor Urs Hanselmann ins Gesicht. Dies sei schon «sehr sportlich», sagte er. Ziel sei es, eine erste Serie von dreissig Fahrzeugen bis 2014 in Betrieb zu haben. Zehn Jahre später soll mit einer ähnlich grossen Bestellung die Tramflotte gänzlich modernisiert sein. Um bessere Rabatte zu erzielen, sollen die beiden Aufträge miteinander verzahnt werden; wer den ersten erhält, hat gute Chancen, zehn Jahre später wieder den Zuschlag zu erhalten.
Bei der Neuausschreibung könne sich der nicht durchgängig niederflurige Tango wieder bewerben, doch habe die Tramtechnologie in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht, dass auch Angebote für durchgängigen Niederflur erwartet werden. Das Anforderungsprofil, das Gudenrath an der Medienkonferenz in groben Zügen entwarf, lässt sich nachlesen: etwa in der Werbebroschüre von Siemens für deren neuestes Tram Avenio. Der 2009 lancierte Avenio ist eine Weiterentwicklung des Combinos. Der Innenraum hat grosse Ähnlichkeit mit dem Alugefährt, das nur dank umfangreichen Sanierungsarbeiten durch den Siemens-Konzern fahrtüchtig erhalten werden konnte. Der Avenio, so sagen zumindest Experten, habe jedoch für die Combino-Probleme überzeugende Lösungen gefunden. So ist das Gefährt zwar durchgängig niederflurig, hat aber dennoch Drehgestelle wie traditionelle Schienenfahrzeuge. Der Avenio-Prospekt zeigt, dass das Tram, wie von Gudenrath angemahnt, viele Türen zum raschen Ein- und Aussteigen hat und in verschiedenen Längen von 18 bis 72 Metern zu haben ist, was Gudenrath ebenfalls eingefordert hatte.
Interesse an Wiedergutmachung
Siemens hat gemäss Branchen-Insidern ein grosses Interesse daran, in der Schweiz die Combino-Scharte auszumerzen. Für die BVB könnte zudem ein guter Preis resultieren, wenn die Beschaffung zeitgleich mit den Zürcher Verkehrs-Betrieben (VBZ) durchgeführt werden könnte, die 60 Trams bestellen wollen. In deren Evaluation hat zwar ein Berner Combino Proberunden auf dem Zürcher Verkehrsnetz gedreht, doch Siemens wird wohl auch dort das Avenio-Modell offerieren.
Selbst wenn manche Indizien und bekannte Kontakte auf eine Avenio- Beschaffung auch durch die BVB hinweisen: Schon aus rechtlichen Gründen können sich die BVB heute nicht für einen Typen aussprechen. Denn schliesslich muss dafür eine ordentliche Ausschreibung durchgeführt werden. Welches konkrete Tram in Basel verkehren werde, sei derzeit gar nicht das Thema, sagte Gudenrath. Zuerst werde es eine offene Ausschreibung geben. Die Wetten auf den Ausgang können abgegeben werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 14.05.2010, 07:27 Uhr
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34 Kommentare
Da scheinen mir wieder die gleichen Kreise an der Schraube zu drehen, die schon bei der Abschaffung des Trolleybusnetzes beteiligt gewesen sind. Lasst mal richtige Experten ran welche keine Bauchentscheidung treffen. Hier wird eine Möglichkeit vertan, durch eine Sammelbestellung einen Haufen Steuergelder zu sparen. Aber in Basel-Stadt rühren eben zu viele Politiker in der Geldvernichtungstrommel. Antworten
Dieser entscheid ist falsch. Siemens ist in allen belangen unbrauchbar, es ist die schlimmste Marke der Welt. Überall die Hände im Spiel aber nie ein wirklich gutes Produkt, alles nur halbbatzig. Siemens Produkte sind wie Bananen, sie reifen erst beim Kunden zuhause. Antworten
Basel
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