Basel

Den Grilleuren wird eingeheizt

Von Philipp Loser. Aktualisiert am 02.07.2009 24 Kommentare

Das neue Rheinufer im Kleinbasel werde «einseitig genutzt», sagt Stadtentwickler Thomas Kessler. Er wünscht sich mehr gehobene Gastronomie und weniger gegrillte Würste am Rhein.

(Bild: Dominik Plüss)

Umfrage

Soll Bräteln am Rhein verboten werden?


Stadtentwickler Thomas Kessler stört sich an Exzessen von einzelnen Grillierfreunden am Kleinbasler Rheinufer. Was tun gegen die Störer? Soll man das Grillieren am Fluss verbieten?

Ja

 
28.3%

Nein

 
71.7%

403 Stimmen


Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

In Basel wird seit diesem Sommer nah am Wasser grilliert. Seit das neu gestaltete Rheinufer zwischen Dreirosen- und Johanniterbrücke der Öffentlichkeit übergeben wurde, hat diese das Ufer mit Grillzangen, Holzkohlen, Bratwürsten und selbstgemachten Salaten erobert. Jedes Wochenende, in den Ferien eher jeden Tag, grillieren die Menschen am Rhein.

Basel hat seit diesem Sommer eine inoffizielle Grillmeile. Dem offiziellen Stadtentwickler Thomas Kessler scheint das nicht so recht zu passen. In einem Radiobeitrag des «Regionaljournals» Basel wünscht sich Kessler «mehr gehobene Gastronomie» für das Kleinbasler Rheinufer. Er habe zwar nichts gegen grillierende Menschen, gegen alternative Nutzungen des öffentlichen Raums, «aber mir scheint, dass das neu gestaltete Rheinufer ein wenig einseitig genutzt wird».

Exzesse verhindern

Der Stadtentwickler möchte das «kulturelle Niveau» der Grilleure anheben – jedenfalls bei jenen, die sich nicht in der «urbanen Zivilisation» zurechtfinden und statt nur zu «bräteln» auch noch herumgrölen, vandalieren, urinieren und die Anwohner des Rheinufers stören. Um Exzesse zu verhindern, denkt Kessler an verschiedenste Massnahmen: Die erwähnte «gehobene Gastronomie» wie Restaurant und Bar des Hotels Krafft, das direkte Ansprechen der grillierenden Menschen durch die Behörden, das Bewusstmachen der bestehenden Regeln und falls das alles nichts nützt: neue Regeln.

Weiter erlaubt

Im Radio spricht Kessler vom Grillieren als Privatanlass, der auch untersagt werden könnte, gegenüber der BaZ von einem zu bestimmenden Gebiet mit bestimmten Regeln. Was Kessler, sonst nie verlegen um ein klares und direktes Wort, sagen will: Falls alle anderen Bemühungen nichts fruchten, soll das Grillieren verboten werden.

«Wir haben gestaunt, als wir Radio hörten», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart. «Und um es hier festzuhalten: Grillieren bleibt weiterhin erlaubt.» Was all die Begleiterscheinungen des Grillierens betreffe, den Rauch, den Lärm oder den Geruch, handle die Polizei nach gesundem Menschenverstand. «Die Gerüche vom Grill können ja auch sehr gut sein», sagt Mannhart, der den Hype um die neu entstandende Grillmeile am Rheinufer lustig findet.

Neue Toiletten

Nicht mit gehobener Gastronomie, sondern mit mobilen Bedürfnisanstalten für Männer und Frauen reagiert das Bau- und Verkehrsdepartement auf das Phänomen «Grillmeile». Bei der Dreirosenanlage, der Oetlingerstrasse, der Kasernenstrasse und beim Oberen Rheinweg werden dieser Tage vier zusätzliche Toiletten aufgestellt, die bis September stehen bleiben werden. «Anwohner beschwerten sich über Wildpinkler», sagte Alexander Isenburg, Leiter der Stadtreinigung, gestern vor den Medien. Eigentlich war geplant, das Problem mit Pissoirs zu lösen, «aber wir wollen beiden Geschlechtern gerecht werden».

Die Benützung der Toiletten ist kostenlos. Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel sagt: «Es wurde Zeit, dass endlich so etwas geschieht.» Was die Nutzung des neugestalteten Ufers angeht, plädiert Wernli für mehr Dialog und weniger Verbote. Und: Mit gehobener Gastronomie allein sei das Problem nicht zu lösen. «Es sind die gleichen Menschen, die am einen Tag in der Buvette sitzen und am anderen am Ufer grillieren.» Die Grillierszene ist laut Wernli denn auch sehr durchmischt und könne nicht einer speziellen Gruppierung zugeordnet werden.

Das Bau- und Verkehrsdepartement beobachtet die Situation beim Rheinufer genau – Ende September gehen dann die Bauarbeiten zwischen Johanniter- und Mittlerer Brücke weiter. Auch dort wird das Ufer neu gestaltet: Bis Ende 2010 wird die Grillmeile doppelt so lang sein. Es kommt einiges an Arbeit auf Stadtentwickler Kessler zu.

Mitarbeit: na (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2009, 08:10 Uhr

24

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

24 Kommentare

Hugo Reichmuth

02.07.2009, 08:43 Uhr
Melden

Ich finde es positiv, dass die Behörden sich um eine Lösung bemühen - es darf nicht sein, dass eine der besten Wohnlagen Kleinbasels versifft. Zu den Toilettenanlagen: Habe in Brügge Pissoirs gesehen, die problemlos den Ästhetikpreis gewonnen hätten. Extrem stylisch, aber vandalensicher. Man könnte problemlos 6-8 solcher Anlagen ans Rheinufer stellen, ohne dass die Ästhetik leidet. Antworten


Michael Casanova

02.07.2009, 09:57 Uhr
Melden

Herr Kessler sollte sich dringend bewusst werden, dass es noch Menschen gibt die in Basel leben. Die Stadt ist nicht sein privates Wohnzimmer, das er so aufbauen und ausstatten kann wie es ihm gerade in den Kram passt. Es ist zudem bedenklich anmassend und realitätsfremd wenn er meint er müsse das "kulturelle Niveau" der Grilleure anheben. Ein pragmatischer Ansatz wäre dienlicher. Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!