Basel
Der gute Weihnachtsonkel
Von Claudia Kocher. Aktualisiert am 09.12.2010 13 Kommentare
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Zum ersten Mal findet in Basel auf dem Messeplatz der Winterzauber statt. Organisator ist Harald Süss. Gefällt Ihnen dieser mehrwöchige Open-Air-Anlass?
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So oft wie in den letzten Tagen hat Harald Süss (42) den Wetterbericht noch nie verfolgt. Um am Eröffnungstag des Winterzaubers schönes Wetter zu erhalten, hatte er sogar ein Stossgebet gen Himmel gesandt. Dann stand er da an der Eröffnung, mit aufgespanntem Regenschirm. Doch Süss kann sich nicht hängen lassen. Er braucht den Optimismus für die weiteren Tage – und schönes Wetter. Denn die Besucherzahl ist wetterabhängig. «Sehr, sehr wetterabhängig.» Letzten Samstag, einem klaren und trockenen Tag, seien 27'000 Besucherinnen und Besucher gezählt worden, sagt Süss. Er erwartet insgesamt mindestens eine halbe Million Leute in der Zeit vom 25. November bis zum 31. Dezember.
Für den Winterzauber habe er Haus und Hof bis unters Dach verpfändet, sagt Süss. Ein eigenes Haus hat er aber nicht, auch keinen Hof, sondern eine Wohnung gleich um die Ecke, am Riehenring. Dafür unterhält er fünf Firmen: Die Hapema Event, die Hapema Central, die Hapema Holding, die Hapema Steinen und die Süss Gastronomie und Imbissbetriebe. Diese Geschäfte verpfändet Süss als Sicherheit, wie er sagt. Der Winterzauber kostet 5,4 Millionen Franken. «Das Ganze ist ein Abenteuer», sagt Süss, der im deutschen Rheinfelden aufgewachsen ist. Priorität haben die Gefühle. «Mollig und warm muss der Besuch des Winterzaubers sein.» Ein Fest der Sinne für Augen, Ohren, Nase, Mund.
Eintritt abgeschafft
Und so hat Süss letztes Wochenende kurzum den Eintrittspreis von drei Franken abgeschafft, als klar wurde, dass viele Leute nicht bereit waren, für einen Weihnachtsmarkt Eintritt zu bezahlen. Dabei wären die drei Franken als Unterstützung für das künstlerische Programm gedacht gewesen. «Nie sollte damit der Markt finanziert werden», so Süss. Er habe unterschätzt, dass ein Teil der Besucher damit Mühe haben würde. Keinesfalls will Süss mürrische Gesichter von Abgewiesenen sehen. «Ich will, dass die Leute lächeln, wenn sie zum Winterzauber kommen.» Doch er würde lügen, wenn er sage, dass er in diesem Moment sehr froh gestimmt gewesen sei.
Aber jetzt lächelt er wieder, der Mann, der in Basel den Burger King betreibt. Mit 23 Jahren hatte Süss sich in der Gastronomie selbstständig gemacht. Nach einigen Jahren als Angestellter in der Medienbranche machte er sich wiederum selbstständig und wurde Franchisenehmer des Burger King beim Bahnhof. Eine zweite Filiale wird am 6. Januar in der Steinenvorstadt eröffnet. Weitere Burger-King-Filialen in Basel und Umgebung sind geplant.
Der Traum von der Weihnachtswelt
Er sei aber kein Geschäftsmann, der sich mit den Ellbogen durchsetze, sagt Süss. Als es darum ging, wer als Nachmieter beim «Braunen Mutz» infrage komme, zeigte Süss sein Interesse am Lokal. Als klar wurde, dass das Restaurant weiter als Traditionslokal betrieben werde, zog er sich zurück. «Ich kenne die Stadt Basel von Kindsbeinen an», sagt Süss. Ein Lokal gegen den Willen der Bevölkerung einzurichten, sei nicht machbar. Das Imageproblem, das er dann gehabt hätte, wäre nicht mehr wegzukriegen gewesen. Insofern ist Süss Realist. Und träumt dennoch von einer heilen Weihnachtswelt.
Mit der Süss Gastronomie und Imbissbetriebe war er vor zwei Jahren zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt am Theaterplatz. Als er kurz darauf nach Berlin ging, kam ihm auf dem Gendarmenmarkt eine Touristengruppe entgegen, die kritisierte, dass ein solches Erlebnis in der Schweiz fehlen würde. «Das blieb mir im Kopf», sagt Süss. Und so setzte er alles daran, in Basel einen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen. Er wollte den Messeplatz. Er erhielt ihn – obwohl die Messe Schweiz Rekurs einlegte. Der nächste Kampf, den es auszutragen gilt, ist die Frage, ob der Winterzauber am 25. Dezember offen haben kann. Die Stadt will nicht. Das Rekursverfahren ist noch hängig.
«Weihnachten macht mir Spass», sagt Süss. «Ich bin ein Weihnachtsonkel.» Schon immer hat er Weihnachtsmärkte aufgesucht. Und nun seinen eigenen Mix nach Basel gebracht. «Basel hat im weiten Umkreis etwas Einzigartiges.» Sponsoren zu finden, sei nicht einfach gewesen. Wohl, weil der Winterzauber etwas Neues sei, vermutet Süss. Sein Credo: Der Winterzauber müsse für alle bezahlbar sein. Dass beispielsweise das Riesenrad nur drei Franken kostet, darauf ist Süss stolz.
Strahlende Kinderaugen
Wenn er übers Gelände läuft, hält er seine Ohren gespitzt. Und kann so hören, wie die Besucherinnen und Besucher den Winterzauber kommentieren. «Ich sauge alles auf», sagt er. Das ist der Moment, der ihm guttut. Wenn er die strahlenden Kinderaugen sieht. Die Ahs und Ohs hört. Die Begeisterung. Praktisch sei dabei, dass ihn kaum jemand kenne. «Der Winterzauber gefällt», ist Süss überzeugt. Er habe das Gefühl, er sei auf dem richtigen Weg. Nächstes Jahr soll es weitergehen. Obwohl Süss bis jetzt noch keine Bilanz ziehen kann.
Im Walliser Chalet tropft das Regenwasser durch die Decke. Süss hilft mit, die Holzhütte wieder dicht zu machen. Derweil verwandelt Unterhaltungskünstler Magic Udo auf der Bühne einen Hund in einen Hasen. Zwei, drei Leute klatschen. Mehr sind nicht da an diesem regnerischen Nachmittag. Eine Frau tritt auf Süss zu und schenkt ihm ein Säcklein mit Nüssen, Schokolade und Lebkuchen. Süss strahlt übers ganze Gesicht, drückt das Paket fest an sich, hält einen Moment inne. Er ist wieder ein kleiner Bub, in dessen Augen der Glanz des Weihnachtszaubers schimmert. (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.12.2010, 07:23 Uhr
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13 Kommentare
Also hier werden Zahlen genannt welche Fragen offen lassen. Wie ist der Sponsor beteiligt, wieviel kostet die Standmiete (habe da von horrenden Summen gehört), und und und? Das ganze ist untransparent und ein Abenteuer. Ein finanzielles Fiasko würde bei mir kein Mitleid erzeugen. Antworten
@serembe - Herr Süss behauptet nicht grossmundig dass das Riesenrad Fr. 3 kostet. Dies schreibt Frau Kocher! Aber trotzdem stimmt die Aussage, denn Kinder bezahlen diesen Preis. @Ammon - soso, der Onkel des Nachbarn hat einen Freund der einen Sohn hat der gehört hat das die Standmieten so horend sind.. Ich bewundere Leute wie Hr. Süss die noch etwas auf die Beine stellen und wünsche ihm viel Glück Antworten
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