Deutsche Islamisten wollen in Basel missionieren

Deutsche Salafisten wollen in Basel für die «einzig wahre Religion» werben. Bis April soll in zehn «Lies!»-Aktionen der Koran gratis verteilt werden.

Mit der Standaktion «Lies!» wollen die Islamisten auch in Basel den Koran verteilen.

Mit der Standaktion «Lies!» wollen die Islamisten auch in Basel den Koran verteilen.

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In Winterthur, Zürich und Bern haben die Standaktionen bereits begonnen. Aarau und Basel stehen noch auf dem Plan. Die vor allem in deutschen Städten aktive Kölner Islamisten-Organisation «Die wahre Religion» (DWR) hat auch für Basel zu einer «Dawa» aufgerufen. Damit ist gemeint, für den Islam offensiv Werbung zu machen – Dawas kannte beispielsweise auch die Muslimbruderschaft in Ägypten.

Auf ihrer Website schreibt die DWR, dass sie die Standaktion «Lies!» in der Schweiz durchführen werde. Bis April sind in Basel zehn Tage vorgesehen. Am Samstag, dem 31. Januar, soll die erste Standaktion beginnen und dann jeweils jeden Samstag bis zum 4. April weitergeführt werden.

Diese sogenannten «Events» laufen immer gleich ab: Es werden gratis Koran-Bücher an interessierte Passanten abgegeben, und es wird das Gespräch gesucht. Die Bücher verteilen meist Männer mit Bärten «im Namen des Herrn». Für sie ist der Islam die einzig wahre Religion.

Hinter DWR stehen der deutsche Konvertit Pierre Vogel sowie der in Deutschland lebende gebürtige Libanese Ibrahim Abou-Nagie. Beide sind dem deutschen Verfassungsschutz als Salafisten-Prediger bekannt. Da sie mehrfach durch ihre fundamentalistischen Reden aufgefallen sind, gelten sie als Gefahr, junge Muslime zu radikalisieren. Als Pierre Vogel 2009 auf Einladung aus der Schweiz an einer islamistischen Kundgebung predigen wollte, wurde er an der Einreise gehindert.

Abou-Nagie ist einer der aktivsten Islamprediger Deutschlands und steht für eine Missionierung des Abendlandes. In seinen Videos bringt er Argumente vor, warum Jesus nicht Gott ist und die Bibel nicht Gottes Wort sein kann – im Gegenteil zum Koran.

Probleme in Winterthur

Kurz nach dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo in Paris wurde auf der Facebookseite von DWR ein Beitrag gepostet, der die Anschläge als koordinierte Aktion von westlichen Geheimdiensten darstellte und fragte, ob das nicht inszeniert sei, um den Islam weiter diffamieren zu können. Abou-Nagie hat schon mehrfach die Medien als «Lügenpresse» kritisiert, weil ihm die Berichterstattung über Islamisten missfiel.

In Winterthur zeigten sich gemäss Landbote im Kontext mit der Standaktion Probleme mit Muslimen. Junge Winterthurer Frauen, die sich auf Facebook im Ganzkörperschleier präsentierten, hatten eine eingeschwärzte Weltkarte online gestellt, die mit dem Logo der Terror­organisation Islamischer Staat versehen gewesen sei, so die Zeitung. Diese Bilder seien mit einem «Gefällt mir» von anderen Anhängern der «Lies!»-Aktion aus Winterthur kommentiert worden. Die Terror-Sympathien würden über das Streuen von Fotos hinausgehen: So sollen Verbindungen aus Winterthur in den Krieg von Syrien bestehen, unter anderen zu einer Frau in der Stadt Aleppo. Diese Person soll sich voll verschleiert und mit angelegter Waffe auf einem Bild gezeigt und auf den Betrachter gezielt haben.

Die liberale Schweizer Muslimin und Politologin Elham Manea warnte auf baz.ch vor den «Lies!»-Aktionen. «Junge Muslime beginnen sich zu isolieren. Solche Gruppen sind daher gefährlich und können enormen Schaden anrichten», sagt Manea. Im Zusammenhang mit dem Terror des Islamischen Staats seien die vermittelten Botschaften verheerend.

In Basel entscheidet die Allmend­behörde über die Bewilligungen für die Standaktionen. Bislang hat die Regierung die Freiheit auf Meinungsäusserung höher gewichtet als ein Verbot. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.01.2015, 11:28 Uhr

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