Basel
Die Basler Achse der Gewalt
Von Mischa Hauswirth, Alexander Müller. Aktualisiert am 15.01.2012 66 Kommentare
Die Stecknadeln markieren alle jene Straftaten, die sich exakt lokalisieren liessen. Die runden Symbole markieren die Vorfälle, bei denen nur die Strasse bekannt ist. Diese Punkte wurden jeweils etwa in der Mitte der Strasse platziert. Rot: Gewaltverbrechen, blau: Raubüberfälle, grün: Einbruch und Diebstahl, gelb: Sachbeschädigung und Sonstiges.
Hinweis zur Karte
Baz.ch hat sämtliche von der Basler Staatsanwaltschaft publizierten Delikte von 2011 kartographiert, die sich mehr oder weniger eindeutig auf einer Karte lokalisieren lassen. Weggelassen wurden die Brandfälle, bei denen zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht klar war, ob es sich um Brandstiftung handelt.
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Kriminalitäts-Karten für mehr Sicherheit
Wann passierte wo welches Delikt im öffentlichen Raum? Seit Jahren geben Polizeien in grossen Städten in den USA, in Australien oder England mit interaktiven Übersichtskarten Antwort auf diese Frage. In London zeigt die Metropolitan Police anhand einer Crime-Map, welche Quartiere sicher sind und welche eine hohe Kriminalitätsbelastung haben. Auch in Frankreich erstellen die Justizbehörden so genannte «cartocrime». Amerikanische Grossstädte wie Los Angeles verfügen alle über Crime- Maps. Darauf informiert die Polizei detailliert über die Delikte und den Tatort. Das Ziel ist dabei Prävention und Verbrechensbekämpfung durch Information der Nachbarn.
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Am frühen Morgen des 18. Dezember kam es innert weniger Stunden zu vier Raubüberfällen in der Innenstadt. Vergangenes Jahr verging keine Woche und vor allem kein Wochenende, ohne dass die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt Meldungen über Gewalt im öffentlichen Raum veröffentlichte. Insgesamt haben die Strafuntersuchungsbehörden 2011 rund 200 Straftaten mitgeteilt – praktisch gleich viele wie 2010.
Die offiziellen Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung 2011 gibt die Staatsanwaltschaft erst Mitte März heraus. Gemäss einem provisorischen Fazit verzeichnet die Kriminalpolizei im vergangenen Jahr eine Zunahme von Raubüberfällen von mindestens sieben Prozent auf gegen 200 Vorfälle. Bei den Entreissdiebstählen kam es gar zu einer Zunahme von 36 Prozent. Bei den mitgeteilten Straftaten handelt es ich um Raubüberfälle, Attacken mit oder ohne Waffen, Prügeleien, Diebstähle, Sexualdelikte. Über Einbrüche informiert die Staatsanwaltschaft nur in Ausnahmefällen. «Unsere Kommunikationsstrategie ist seit Jahren gleich. Die Mitteilungen und die Zahlen beruhen auf belegbaren Fakten und sind ein Abbild der entsprechenden Lage», sagt Markus Melzl, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.
Meiste Tatorte in der Innenstadt
Die BaZ hat die kommunizierten Delikte kategorisiert und auf eine Karte übertragen. Berücksichtigt wurden dabei Sexualdelikte wie Vergewaltigungen, Raubdelikte, Entreissdiebstähle, Taten gegen Leib und Leben sowie Sachbeschädigungen. Nicht berücksichtigt wurden Brandstiftungen und Einbrüche. Die meisten Vorkommnisse ereigneten sich in der Innenstadt, im Kleinbasel, im St. Johann-Quartier, wobei auch in diesen Bezirken viele Vorfälle sich im erweiterten Umfeld der Innenstadt ereigneten.
Die Delikte konzentrieren sich deutlicher als 2010 auf die Achse Bahnhof SBB–Barfüsserplatz–Kasernenareal/Claraplatz–Messeplatz, weshalb sich hier von der eigentlichen Achse der Basler Tatorte reden lässt. In Riehen ist nach Ansicht der Behörden mit Ausnahme einiger Brände nichts Mitteilungswürdiges passiert. Gleiches gilt für Bettingen sowie für das Neubad und das Gotthelfquartier in Basel West. Auch aus dem Hirzbrunnenquartier und vom Bruderholz meldete die Staatsanwaltschaft kaum Vorfälle.
Auffällig ist eine Häufung von Gewalttaten im Gundeli. So wurde beispielsweise am 5. Februar ein Lehrling von drei Unbekannten angegriffen, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Und am 28. November hat ein Angreifer einen Mann beim Tellplatz durch Schläge und Messerstiche verletzt. Auch in Parks gab es mehr Delikte. Im Schützenmattpark kam es im letzen Jahr zu einigen mitunter brutalen Übergriffen auf Passanten. An einem Abend im Oktober stach ein vermummter Räuber auf einen 15-Jährigen ein, nachdem sich dieser geweigert hatte, dem Mann sein Bargeld auszuhändigen. Ein anderer Passant wurde am gleichen Abend gleich zweimal von einem Trio verprügelt.
Häufig junge Erwachsene als Opfer
Die Crime-Map zeigt weiter, dass, wenn es zu Überfällen oder einer Auseinandersetzung kommt, die Täter oft mit grosser Brutalität vorgehen. Eine Rolle spielt die Ausgangsgesellschaft, denn etliche Vorfälle ereigneten sich an den Wochenenden, wobei die bekannten Hotspots Steinenvorstadt/Barfüsserplatz, Rheinbord/Kasernenareal/Claraplatz auch 2011 in den Medieninformationen regelmässig vertreten waren.
Besonders Jugendliche laufen Gefahr, Opfer eines Raub- oder Gewaltdeliktes zu werden. Das hängt damit zusammen, dass vor allem sie es sind, die sich nachts und an den Wochenenden an den Hotspots aufhalten. In der Bevölkerungsbefragung 2011 gaben 17 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an – also rund jeder fünfte junge Erwachsene –, im letzten Jahr bedroht oder angegriffen worden zu sein. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Mitarbeit: Franziska Zambach (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.01.2012, 09:10 Uhr
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66 Kommentare
Es gibt einen neuen Typ Verbrechen: man wird als völlig Unbeteiligter massiv angegriffen und meist fürs Leben gezeichnet.
Dann folgt ein - auch neu - grosser Einsatz von Psychologen, die sich (wohlgemerkt) um den Täter kümmern.
Und zuletzt wird - auch neu - ein liebes Urteilchen gesprochen, das bei Wiederholung nicht etwa massiv schärfer wird.
Arme Opfer, arme Polizei. Und viele Gutmenschen!
Antworten
Die Achse der Gewalt - Die Achse des Bösen! Da hat sich die BAZ wieder was gescheites ausgedacht um die Basler Bevölkerung zu verängstigen und zu verunsichern. Bitte veröffentlicht doch auch eine Achse der Gewalt von anderen Schweizer Städten, zum vergleich, damit ein für alle mal klar ersichtlich wird, dass Basel keineswegs unsicherer ist als andere Stätde. Antworten
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